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Mittendrin Informationsabend zur „Zukunft der Arbeit“ im Kalandhof
Mehr Mittendrin Informationsabend zur „Zukunft der Arbeit“ im Kalandhof
19:15 15.11.2010
Celle Stadt

„Die Menschen müssen in immer weniger Zeit immer mehr tun“, sagte Rump. dem Publikum beim 125-jährigen Bestehen der „Herberge zur Heimat“ im Kalandhof, der sich den Fragen der Zukunft widmete. Die Deutschen lebten in einer alternden, schrumpfenden Gesellschaft. Die seit den 70er Jahren niedrige Geburtenrate, die stetig steigende Lebenserwartung und die Wanderungsbewegung von gut qualifizierten Arbeitskräften ins Ausland seien die drei entscheidenden Faktoren bei der demografischen Entwicklung.

Der Arbeitsalltag werde schneller, die Menge an Aufgaben steige und eine Veränderung folge der nächsten. Durch die Globalisierung sei die Welt kleiner geworden. Der Kunde kann durch technologische Entwicklungen überall auf der Welt einkaufen. Dadurch stünden Unternehmen wachsendem Erfolgsdruck gegenüber.

Es sei notwendig, besser und schneller zu sein als die Konkurrenz. Qualität kombiniert mit Schnelligkeit – und das zu jeder Zeit – benötige aktuelles Wissen. „Wissen und Kompetenz sind die Zauberworte“, sagt Rump. Der Bedeutungszuwachs des Wissens erhöhe die Eintrittsbarriere der Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt.

Auch Frauen seien an allen Fronten auf dem Vormarsch, „verdienen jedoch immer noch 20 Prozent weniger als Männer“, so Rump. Das Kompetenzprofil von Arbeitnehmern der Zukunft könne sich ändern. „Es ist davon auszugehen, dass die abgeschlossene Berufsausbildung nicht mehr ein Leben lang trägt“, so die Expertin. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass das Arbeitsfeld oft gewechselt werden muss und mit einer beruflichen Um- und Neuorientierung verbunden sei. „Es ist somit wichtig, die Fähigkeit zu haben ein Leben lang zu lernen, flexibel und anpassungsfähig zu sein, mit neuen Situationen umgehen zu können und sich relativ schnell in neue Tätigkeiten einzuarbeiten“, erklärt Rump. Fachwissen allein reiche dafür nicht aus.

„Für Beschäftigte der Zukunft gilt es daher vor allem beschäftigungsfähig zu sein, denn die eigenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen bieten einzig und allein Sicherheit“, sagt Rump. Der Einzelne sei gefordert sich kontinuierlich anzupassen, dazu sei die Bereitschaft alleine nicht ausreichend. Individuelles Handeln – ohne Unterstützung des Arbeitgebers – sei gefragt. Dennoch seien Arbeitgeber, die Beschäftigungsfähigkeit fordern, in der Pflicht, diese auch zu fördern.

Es bedarf einer altersgerechten Förderung von Beschäftigungsfähigkeit. Ältere Beschäftigte arbeiten und lernen nicht besser oder schlechter als Jüngere. Sie arbeiten und lernen jedoch anders. Während Ältere durch ein höheres Gehalt und durch Beschäftigungssicherheit eher an einen Arbeitgeber gebunden werden können, lege die Mehrheit der Jüngeren zudem Wert auf Dinge wie interessante Arbeitsinhalte, Abwechslung oder Anerkennung der eigenen Leistung.

Eines solle jedoch in der Diskussion um die Zukunftsfähigkeit nicht vergessen werden: In der Familie, in der Schule und weiteren Bildungsinstitutionen werden die Grundlagen für die Zukunftsfähigkeit gelegt. „Dazu ist kooperatives Handeln von Schule, Unternehmen, Eltern oder Bildungspolitik notwendig“, sagt Rump.

Von Jan Grothe