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Mittendrin Jeder dritte Betrieb in Celle will Flüchtlinge aufnehmen
Mehr Mittendrin Jeder dritte Betrieb in Celle will Flüchtlinge aufnehmen
17:13 18.04.2016
Ein neues Netzwerk der IHK soll die Integration von Asylbewerbern in den Betrieben erleichtern. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Bereits im Vorfeld hatte die IHK Celle einen Info-Abend für Unternehmen veranstaltet. „Wir haben die Themen aufgegriffen, auf die es bei der möglichen Einstellung von Flüchtlingen ankommt“, umreißt der Leiter der Celler Geschäftsstelle, Tobias Hannemann, Inhalte. „Das Interesse der Betriebe ist groß.“ Groß sei aber auch die Unsicherheit zu den gesetzlichen Vorgaben. Deshalb seien die Ausländerbehörde und die Arbeitsagentur eng mit eingebunden gewesen. Speziell für Personalchefs und Ausbildungsleiter will die Celler IHK mit dem „Dialog Ausbildung“ am heutigen Dienstag erneut auf die Flüchtlingssituation hinweisen.

Nach einer Umfrage seien rund 40 Prozent der Unternehmen bereit, Flüchtlinge als Praktikanten zu beschäftigen, so Hannemann. „Das heißt, dass jedes dritte Unternehmen bereit ist, Flüchtlinge einzustellen. Und von den Firmen, die bereits ausländische Kräfte beschäftigen, würden zwei Drittel weitere Flüchtlinge einstellen.“

Der Syrer Madyan Jabr (28) nahm die Chance wahr, in der Celler IHK-Geschäftsstelle selbst ein Praktikum zu absolvieren. Er sammelt jetzt nach seinem Bachelor-Studium in Damaskus Erfahrungen in der deutschen Wirtschaft. Gerade bei der Koordination von Veranstaltungen und Aktionen helfen ihm seine Englisch- und Arabischkenntnisse. Der Sprachkurs Deutsch läuft. Die aba-Verkaufsförderung von Frank Bachmann in Winsen bietet dem Sudanesen Nabel Umer (25) zurzeit einen 400-Euro-Job. Angefangen hatte es für Nabel mit einem zweimonatigen Praktikum in dem Betrieb mit 25 Mitarbeitern.

Ähnlich gute Erfahrungen hat auch der Fürstenhof Celle gemacht. Hier wird ein syrischer Flüchtling in der Küche beschäftigt. In Küche und Service des Celler Tryp-Hotels sind die syrischen Brüder Ahmad und Mouaz Abou Alkasab tätig. Sie kamen im September über die Türkei und Griechenland nach Celle und fanden durch ehrenamtliche Vermittlung die Jobs.

Das neue Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ soll Antworten liefern auf Fragen zur Einschätzung von Qualifikationen über Besonderheiten bei der Aus- und Weiterbildung bis hin zur Begleitung im Arbeitsalltag und die Vorbereitung der übrigen Mitarbeiter, damit auch diese den neuen Kollegen den Start erleichtern können.

Von Lothar H. Bluhm