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Mittendrin Jehlen & Co. setzt auf Azubis
Mehr Mittendrin Jehlen & Co. setzt auf Azubis
18:22 24.08.2010
Inhaberin Lydia Sartison mit den fünf Auszubildenden Kevin Schöneck, Phillip Rös, Melissa Freier, Olga Kusbach, Pascal Wietfeldt und dem neuen Geschäftsführer Stephan Kabbe (von links). Quelle: Torsten Volkmer
Westercelle

Ausgebildete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren ist nicht nur schwer, sondern auch teuer. Ausbildungsbetriebe fahren oft günstiger. Jehlen & Co. aus Celle, ein familiengeführter Fachgroßhandel für technische Produkte aller Art, hat die Zeichen der Zeit erkannt. „Wir geben jungen Leuten die Chance, sich in verantwortungsvollen Positionen zu beweisen“, sagt Geschäftsführer Stephan Kabbe. Unter den 20 Mitarbeitern des Unternehmens sind fünf Auszubildende. „Wenn sie ihre Prüfungen bestehen, werden wir sie alle fünf übernehmen“, sagt Kabbe. Die Auszubildenden durchwandern sämtliche Bereiche des Unternehmens – ob Buchhaltung, Lager oder Ein- und Verkauf. „So werden sie früh an eigenverantwortliches Arbeiten herangeführt“, erläutert Kabbe. Aufgaben, die Lehrlinge anderswo nach anderthalb Jahren angehen dürften, würden die Auszubildenden bei Jehlen & Co. nach einem halben Jahr übernehmen. „Wir haben auch verspürt, dass momentan die Fachkräfte fehlen, deshalb bilden wir selbst aus“, sagt Inhaberin Lydia Sartison. Denn das Unternehmen möchte mit weiteren Filialen in der Region Niedersachsen expandieren und braucht dafür gut qualifiziertes Personal an den neuen Standorten. „Auch da setzen wir wieder auf junge Leute – auch bei der Filialleitung“, sagt Kabbe.

Das Durchschnittsalter in der im Oktober 2009 neugegründeten Firma beträgt 25 Jahre. Eine Arbeitskraft kümmert sich als „Mutter der Lehrlinge“ um die Belange der Auszubildenden. Sie ist gleichzeitig deren Vertrauensperson. „Die Lehrlinge haben hier kurze Entscheidungswege“, verdeutlicht Kabbe die Unternehmensphilosohie besonders auf die Jugend zu setzen. Bewerber für die Ausbildungsstellen müssen sich bei einem zweiwöchigen Praktikum beweisen. „Wer sich 14 Tage verstellen kann, ist Schauspieler. Wir achten nicht so sehr auf die Schulnoten – auch wenn schulische Bildung wichtig ist. Lasst die Jugendlichen vorarbeiten“, lautet Kabbes Appell. Nur so könne man die Stärken und Schwächen des Bewerbers richtig einschätzen. „Die Auszubildenden sollen auf Baustellen mitarbeiten, um zu verstehen, was der Kunde wünscht. Man muss die Hintergründe verstehen“, sagt Sartison. Einmal im Monat fänden Gespräche mit den Lehrlingen statt. An deren fachlichen und organisatorischen Ausbildung wirke jeder Mitarbeiter im Unternehmen mit. „Meine Tür steht immer offen. Ich kenne die andere Seite des Schreibtisches“, sagt Kabbe. Im Unternehmen herrsche eine familiäre Atmosphäre. Wer möchte, könne an gemeinsamen Freizeitaktivitäten teilnehmen. Die Inhaberin kocht auch schon mal für die Mitarbeiter. Einmal im Monat gibt es ein gemeinsames Frühstück. „Wir lachen viel“, sagt Sartison. Aber wenn es ernst werde – wie kürzlich, als die Verkaufsfläche durch Umbauten vergrößert wurde –, kämen die Mitarbeiter auch am Wochenende vorbei, um zu helfen. „Für uns als Familie ist es wichtig, dass das Personal sich wohlfühlt“, so Sartison.

Die 17-jährige Melissa Freier hat Mitte Juli bei Jehlen & Co. die Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel angefangen: „Ich bin durch das Internet darauf gestoßen, dass hier gesucht wurde. Nach einem Tag im Praktikum wusste ich: Das ist es. Jeder Mitarbeiter ist für mich da, wenn ich Fragen habe.“ Sie möchte in der Firma auf jeden Fall weiterarbeiten, wenn sie übernommen wird. Momentan ist sie im Ein- und Verkauf tätig.

Dort arbeitet auch der 19-jährige Pascal Wietfeldt, der seit April die gleiche Ausbildung absolviert: „Der Industriezweig hat mir schon immer gefallen. Mir ist der Kundenkontakt sehr wichtig. Ich muss mit Menschen zu tun haben.“ Im Ein- und Verkauf nimmt er Bestellungen und Telefonate an. „Ich kann mir gut vorstellen, hier anzufangen“, sagt er grinsend.

Von Paul Gerlach