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Mittendrin Kaiser gibt das Zepter ab
Mehr Mittendrin Kaiser gibt das Zepter ab
13:26 09.08.2010
Hans-Heinrich Kaiser (links) übergibt wichtige Geschäftsunterlagen und legt damit das Unternehmen symbolisch in die Hände von Ralf Lauterbach Quelle: Udo Genth
Hermannsburg

„Am 10. August 2010 werde ich 65 Jahre alt und gehe in den sogenannten Ruhestand“. Mit dieser nüchtern-sachlichen Feststellung kündigte Hans-Heinrich Kaiser seinen Abschied von dem Unternehmen an, das seinen Namen trägt. Er spielte darin langjährig eine prägende Rolle, aber das war ein wenig Glückssache gewesen. „Eigentlich wollte ich ja als Missionar nach Afrika gehen“, erinnert sich Kaiser an seine Vorstellungen in jungen Jahren. Der Vater hatte es jedoch anders bestimmt. Hans-Heinrich sollte das elterliche Geschäft, das kurz nach dem Krieg gegründet worden war, übernehmen. Darauf hatte Heinrich Kaiser langfristig hingearbeitet und dem Sohn gezielt das Gymnasium verwehrt, damit er nicht studieren könne. „Drei Jahre habe ich mit mir gekämpft“, meint Kaiser rückblickend, dann trat er als gehorsamer Sohn in die Firma ein. Vorher hatte er eine Elektriker-Lehre im väterlichen Betrieb absolviert und eine zweite Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker in Celle abgeschlossen. Anschließend kam die Bundeswehr, die er nach 18 Monaten als Unteroffizier der Reserve verließ.

1977 ist der Vater auf einer Reise überraschend gestorben und Hans-Heinrich war damit von heute auf morgen Chef. Keine leichte Aufgabe, denn er hatte zwar eine umfassende technische Ausbildung, jedoch traten nun kaufmännische Aufgaben an ihn heran, die es zu bewältigen galt.

Zwei Jahre später baute Kaiser das Geschäft an der Celler Straße in Hermannsburg aus. Es folgten einige Auf und Ab im Geschäftsbetrieb oder wie Kaiser es in Anspielung auf das Alte Testament nennt: „magere Jahre“. Letztlich stand er in seinem 55. Lebensjahr vor der Frage: Schließen oder Investieren? Die Banken wollten bei einem Kreditvolumen von rund zwei Millionen DM unter anderem die Nachfolge geregelt haben. So wurde eine GmbH unter dem Namen KaiserTeam gegründet, in die vier Mitarbeiter einstiegen. Damit war der Weg frei für eine große Lösung, die alle Arbeitsplätze erhielt. Nach einigen weiteren mageren Jahren ist KaiserTeam gemeinsam mit dem Euronics-Verbund nun auf einem erfolgreichen Weg. Das war nach Kaisers Worten jedoch nur möglich durch stete Anpassung an die technische Entwicklungen, die sich in immer kürzeren Zeitabschnitt vollziehen sowie ein promptes Reagieren auf die Erfordernisse des Marktes. „Fortbildung“, sei der Schlüssel zum Erfolg, meint Kaiser, „Fortbildung, Fortbildung“. In diesem Zusammenhang zitiert er einen Ausspruch des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann: „Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“.

Heute kann Hans-Heinrich Kaiser beruhigt an die Zukunft denken. Sein Haus ist bestellt, er übergibt am 10. August das Unternehmen KaiserTeam in erfahrene, jüngere Hände. Vier Tage später bricht er gemeinsam mit seiner Frau auf zu einer Reise nach Irkutsk am Baikalsee. Dort besucht das Ehepaar Kaiser eine christlich geführte Einrichtung. Das ist die zweite, kaum bekannte Seite Kaisers. Er ist nicht nur Unternehmer, sondern sein Leben ist gleichfalls durch seinen Glauben geprägt. Weil er nicht ausschließen will, sich zukünftig aktiv christlich zu engagieren, hat er unlängst eine theologische Ausbildung abgeschlossen. Letztlich findet der Neu-Rentner viel Freude im Posaunenchor der Hermannsburger Großen Kreuzkirchen Gemeinde. Dass er dafür nun bald mehr Zeit hat, freut Kaiser schon heute.

Von Udo Genth