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Mittendrin Korn für Korn ins Arbeitsleben:
Mehr Mittendrin Korn für Korn ins Arbeitsleben:
16:42 04.04.2013
Nur die Besten kommen durch: Thomas Bremer lernte bei der Firma Lochow-Petkus die Kunst der Getreidesaat kennen. Nach der Auswahl der Samen (links) behandelte er sie in einer Saugkopfanlage (großes Bild). Der Schnuppertag in der Getreidefirma brachte dem Bergener großen Spaß. Quelle: Alex Sorokin (4)
Wohlde

Vor Thomas Bremer liegt ein großer Haufen Weizensamen. Langsam und konzentriert fährt er mit einem Holzschaber durch die Samen. Immer wieder schiebt er einige in einen Behälter unter dem Tisch. „Die kann man als Saatgut nicht gebrauchen. Deshalb müssen sie weg", sagt er. Und erneut verschwinden ein paar von ihnen in der Versenkung. Bremer sitzt in der Abteilung „Saatgutprüfung" der Getreidefirma Lochow-Petkus in Bergen-Wohlde. Vor seinen Augen hängt eine große Lupe, mit der er die Körner ganz genau in Augenschein nimmt. Der 29-jährige Bergener ist einer von 16 Menschen, die im Rahmen des "Diversity Day“-Projektes der Lebenshilfe Celle, für einen Tag den beruflichen Alltag erproben und kennenlernen durften.

Bremer hat eine geistige Behinderung und arbeitete bis zum vergangenen Jahr in der Betriebsstätte Bergen vor allem mit Holz. Jetzt will er den Sprung ins Berufsleben schaffen. Das Planungsteam des „Fachdienstes Berufliche Integration" (FBI) der Lebenshilfe Celle organisierte den Schnuppertag. „Wir haben versucht für jeden Teilnehmer eine Arbeit zu finden, die seinen Fähigkeiten entspricht. Dabei haben die Betriebe in der Region sehr gut mit uns kooperiert", erklärt Irene Damm. Die Studentin studiert Soziale Arbeit an der Fachoberschule in Suderburg und war im Rahmen eines Uni-Projektes dabei. „Bei Thomas Bremer war es wichtig, etwas naturnahes zu finden. Außerdem darf er nicht schwer heben", so Damm. Die anderen Teilnehmer waren unter anderem in der Gastronomie, der Landwirtschaft und dem Handwerk beschäftigt.

Es ist 14 Uhr. Seit 8 Uhr morgens ist der junge Mann bei der Arbeit. Es macht ihm Spaß: „Es ist interessant zu sehen, was alles passieren muss, bevor die Samen auf die Felder kommen. Ich könnte mir vorstellen, hier ein Praktikum zu absolvieren", sagt Bremer. Doch erstmal steht die nächste Aufgabe an. „Das mit dem Sortieren hat schon ganz gut geklappt. Jetzt werden wir die Samen auf ihre Keimfähigkeit überprüfen", erklärt die Praktikumsbetreuerin Anja Mikosch. Sie wechselt mit ihm in den Nebenraum. Dort steht eine große Saugkopfanlage.

Bevor die Samen in Keimfilterrollen eingewickelt werden können, werden sie in Form gebracht. Bremer schüttet die Samen in die Anlage und ein lautes Sauggeräusch entsteht. Vorsichtig bewegt er den Apparat und die Samen fallen in in die Löcher. Der junge Mann gibt sich große Mühe, doch einige Male gelingt das Einrollen nicht. „Es ist schwer den richtigen Dreh zu finden. Das erfordert viel Übung. Im Sommer muss das hier richtig schnell gehen, aber die Praktikanten sollen vor allem üben", sagt Mikosch.

Ein Praktikum bei Lochow-Petkus würde vier bis zwölf Wochen dauern. Die Entscheidung, ob der 29-Jährige einen Platz bekommt, steht noch aus. Für heute ist erstmal Feierabend. „Das war ein langer Tag, aber er hat mir sehr gefallen", sagt er. Und lächelt.

Von David Sarkar