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Mittendrin Leidenschaft im Job gefragt
Mehr Mittendrin Leidenschaft im Job gefragt
15:51 16.09.2013
TV-Moderatorin Astrid Frohloff führte durchs Programm – hier im Gespräch mit DMAN-Geschäftsführer Ralf Othmer. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Zum zweiten Celler Schloss-Gespräch hatten Niedersachsenmetall und die Deutsche Management Akademie Niedersachsen (DMAN) Referentin Anja Förster verpflichtet, um Inhabern und Führungskräften niedersächsischer Unternehmen Impulse für Aktivitäten auf expandierenden Auslandsmärkten zu vermitteln. Dort ist Förster heimisch, immer auf der Suche nach Unternehmen und Persönlichkeiten, die ebenso unkonventionell wie erfolgreich sind. Organisationen, denen sich die besten Talente anschließen und dafür brennen, mit ihrer Arbeit einen echten Unterschied zu machen.

Förster ist gelernte Managerin. 2002 gab sie ihren Job auf, bringt stattdessen ihre Erfahrungen erfolgreich zu Papier. „Alles, außer gewöhnlich“ erhielt den Wirtschaftsbuchpreis 2007, „Spuren statt Staub“, wurde laut Managermagazin ebenso zum Bestseller wie ihr neuestes Werk mit dem provokanten Titel „Hört auf zu arbeiten“.

Der Wettbewerbsdruck ist enorm gewachsen, das Internet macht alles vergleichbar. Woraus folgt, dass nur bestehen kann, was sich abhebt oder billiger ist. Und die Konsequenz ist zudem: Wer fleißig, intelligent, sorgfältig und zuverlässig ist, kann jederzeit ausgetauscht werden. „Heute sind die initiativen, kreativen und vor allem leidenschaftlichen Mitarbeiter gefragt. Das ist die Zukunft. Leidenschaft erkenne man am Funkeln der Augen morgens in der Bahn, beim Betreten des Betriebes."

Diese Mitarbeiter zu gewinnen, ist keine Frage von Boni. Weltweit habe man festgestellt, dass finanzielle Anreize maximal bei motorischen Tätigkeiten Erfolg bringen kann. Kognitive Arbeitsergebnisse fallen sogar schlechter aus.

Die „Treiber“ liegen auf anderer, als der finanziellen Ebene, ist sich Förster sicher: “Selbstbestimmung, individuelles Können, tägliches Feedback und die Frage nach dem Sinn seien die Stellschrauben, die den Unterschied ausmachen. Sinn entstehe, wenn Menschen das, was sie tun, in Verbindung bringen können, mit dem, was wichtig ist“.

Deswegen hält Förster wenig von Motivationstrainern. „Vergessen Sie die. Nur Sie alleine können sich auf Dauer motivieren.“ Auch wendet sie sich gegen immer mehr eingrenzende Regeln: „Wer Zäune für Menschen baut, bekommt Schafe“.

Förster setzt sogar noch einen oben drauf, gibt einige innovative, aber auch provokante Tipps mit auf den Weg: „Lassen Sie sich als Chefs von den Mitarbeitern bewerten. Lassen Sie die Mitarbeiter ihre Gehälter selbst festlegen. Verzichten Sie auf Vorschriften für Reisespesen und schaffen sie Jobtitel und Dienstgrade ab. Und dann stellen Sie alle Ergebnisse online ins Netz.“

Interviews der bekannten TV-Moderatorin Astrid Frohloff mit den Geschäftsführern Ralf Othmer (DMAN) und Olaf Brandes (Niedersachsenmetall) hatten ins Thema geführt. Frohloff leitete auch die abschließenden Podiumsdiskussion. Dabei wechselten Joachim Kreuzburg (Vorstandsvorsitzender Sartorius), Andreas Sennheiser (CEO Sennheiser electronic), Andrea Henning (Division Pkw-Fahrwerktechnik) und Jürgen Matthes (Institut der deutschen Wirtschaft) leidenschaftlich Argumente über Försters Ideen aus.

Von Gert Neumann