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Mittendrin Lies will Blockade bei Erdgasförderung brechen - Celler Jobs gefährdet
Mehr Mittendrin Lies will Blockade bei Erdgasförderung brechen - Celler Jobs gefährdet
15:06 12.05.2014
Von Oliver Gatz
Die Wirtschaft beklagt den Stillstand bei der Erdgasförderung. Genehmigungsanträge werden derzeit nicht bearbeitet.
Celle Stadt

Der Stillstand bei der heimischen Erdgasförderung macht sich bei der Celler Serviceindustrie bemerkbar. Angesichts fehlender Genehmigungen mangelt es an Aufträgen. Das macht insbesondere denjenigen Firmen zu schaffen, die hauptsächlich in Deutschland aktiv sind. So droht etwa bei Itag zum Sommer hin Kurzarbeit (die CZ berichtete). Das Unternehmen stellt den Öl- und Gaskonzernen Bohranlagen zur Verfügung.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) zeigt sich besorgt über den Stillstand bei der Erdgasförderung. Er will die Blockade brechen und die „Lufthoheit“ bei dem für Niedersachsen so wichtigen Thema zurückgewinnen. Denn in Norddeutschland schlummern im Boden die mit Abstand größten Erdgasreserven. Noch vor der Sommerpause will der Minister im Juni eine Bundesratsinitiative für konventionelle Gasförderung auf den Weg bringen. „Wir wollen Erdgasförderung in Niedersachsen“, betont er.

Mit Blick auf das umstrittene Fracking-Verfahren solle eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung auch den Einsatz von Hydraulic Fracturing in konventionellen Gas-Lagerstätten in dichtem Sandstein (Tight-Gas) ermöglichen, erläutert Lies. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bis zum Herbst einen neuen Rechtsrahmen haben.“ Ziel einer Umweltverträglichkeitsprüfung sei es, Risiken für die Umwelt auszuschließen und eine möglichst hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen.

„Wir in Niedersachsen gehen das Thema an und wollen einen Lösungsweg aufzeigen“, sagt Lies. Es könne nicht sein, dass Bundesländer, in denen die Erdgasförderung keine Rolle spiele, die Regeln für die Erdgasförderung aufstellten. Die Federführung müsse in Niedersachsen liegen. Denn 95 Prozent des in Deutschland geförderten Erdgases stammten aus Niedersachsen.

Lies betont, dass Deutschland nicht auf heimische Energierohstoffe verzichten könne. „Wir dürfen nicht vollkommen abhängig sein von Energieimporten aus dem Ausland.“ Mit einer verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung bei Erdgasförderprojekten, die mithilfe einer Verordnung durch die Bundesratsinitiative umgesetzt werden könne, werde der Rahmen für eine hohe Beteiligung und damit auch Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen, sagt Lies. In einem zweiten Schritt müsse das Bergrecht geändert werden. Hierbei gehe es um die Einführung einer Beweislastumkehr. Da dieser Prozess länger dauern könne, wolle Niedersachsen den Prozess beschleunigen.

Die Erdgasunternehmen beklagen ein mehr als zweijähriges „Quasi-Moratorium“. Genehmigungsanträge werden derzeit nicht bearbeitet. Die Diskussion um Schiefergas hat die konventionelle Förderung von Tight-Gas mit Hilfe der Hydraulic-Fracturing-Technologie eingebremst. Fracking in konventionellen Gas-Lagerstätten sei eine seit drei Jahrzehnten erprobte Technologie, sagt Lies. Sie habe nichts mit Fracking in der Schiefergasförderung zu tun. Diese lehne Niedersachsen auch ab. Aber es sei an der Zeit, im Industriestandort Deutschland und in dem Energiestandort Niedersachsen die Zukunft der Erdgasförderung wieder auf den Weg zu bringen.