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Mittendrin Mit 40 neu durchgestartet: Catrin Kuhtz verwirklicht sich selbst
Mehr Mittendrin Mit 40 neu durchgestartet: Catrin Kuhtz verwirklicht sich selbst
18:17 15.05.2018
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, als sie 40 Jahre alt war, hat sich das Leben von Catrin Kuhtz nicht nur beruflich grundlegend verändert. Sie hat ihre Berufung gefunden – und möchte jetzt anderen Menschen dabei helfen, ihre eigene zu finden.

Kuhtz war lange eine introvertierte Persönlichkeit. „Als ich 30 war, hätte ich mich niemals getraut, alleine zu verreisen“, blickt sie zurück. Heute ist das anders. „Ich habe es zur Tradition gemacht, einmal im Jahr einen alten Freund zu besuchen und eine Woche bei ihm zu verbringen.“ Sie schlendert dann durch die Straßen und verläuft sich dabei auch oft. „Angst, nicht zurück zu finden, habe ich nicht. Ich bin mit Gott unterwegs, und das gibt mir Sicherheit und Vertrauen“, erzählt Kuhtz. Von Massentourismus und Sightseeingtouren hält sie nicht viel.

2015 gibt Kuhtzihren Job auf

Aufgewachsen ist sie in dem kleinen Dorf Wasbek bei Neumünster in Schleswig-Holstein. Zwar habe sie ihre Kindheit sehr genossen, aber das Dorf wurde ihr bald zu klein. „Irgendetwas hat mir gefehlt“, sagt Kuhtz. Nach dem Abitur zog sie sofort in die Landeshauptstadt, um dort eine Ausbildung zur Bibliotheksassistentin zu machen. „Mein Büro war direkt am Yachthafen. Ich konnte jeden Tag den weiten Blick aufs Meer genießen“, erinnert sich Kuhtz. Die Zeit in Kiel prägte sie besonders. Die Stadt war immer voller Leben, Leute kamen und gingen. Eben ganz anders als in ihrem kleinen Heimatort Wasbek. In Kiel lernte Kuhtz auch ihren Ehemann kennen.

2003 zog Kuhtz mir ihrem Mann nach Celle, er hatte hier einen Job gefunden. „Ich kam in eine Stadt, in der ich in meinem ganzen Leben noch nie gewesen bin. Die Leute und die Umgebung waren mir völlig fremd“, erzählt Kuhtz. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes musste sie sich erst einmal orientieren. Sie erkundete zu Fuß mit dem Kinderwagen und mit dem Fahrrad die Stadt. Auch als Mutter braucht man Zeit für sich. „Einmal in der Woche bin ich zum Fitnesscenter gegangen. Sie hatten dort eine Kinderbetreuung, so dass ich etwas Zeit für mich hatte.“

„Café International“mit eröffnet

Zeit, in der sie über ihr Leben nachdachte und schnell bemerkte, dass sich etwas verändern muss. Nachdem sie im Jahr 2015 ihren Job als Bibliotheksassistentin in Hannover aufgab, begann für sie die Veränderung in ihrem Leben. Früher trug Kuhtz immer sportliche und unauffällige Kleidung und hatte kurze Haare. „Bei einer Typberatung meinte jemand zu mir, dass ich mich ruhig auch mal schicker anziehen kann. Und meine Haare könnte ich doch auch lang wachsen lassen“, erzählt Kuhtz. Sie merkte, dass sie auch als Mutter von zwei Söhnen auf sich selbst achten muss. „Ich brauchte einfach einen Umbruch“, sagt Kuhtz über sich selbst. Bei einer Reha hatte sie ein Erlebnis, das sie nachhaltig prägte und ihr neues Selbstbewusstsein gab. „Ich habe dort einen muslimischen Rollstuhlfahrer kennengelernt, der zu mir meinte, dass ich in meinem Leben nicht zu viel Angst haben soll“, erzählt sie. Er sei das absolute Gegenteil zu ihrer Persönlichkeit gewesen – sehr extrovertiert. Manchmal war es ihr sogar peinlich, mit ihm unterwegs zu sein.

Durch die Begegnung mit dem Rollstuhlfahrer entwickelte sie ein immer größeres Interesse an anderen Kulturen. 2014 nahmen Kuhtz und ihr Mann an der Demo der ezidischen Kurden in Celle gegen den Krieg in Syrien teil: „Ich wollte ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind. Dass wir mitfühlen. Einfach Solidarität zeigen.“ Kuhtz wollte in der Flüchtlingskrise etwas bewirken und den aus dem Kriegsgebiet geflohenen Menschen ein Gefühl von Heimat und Unterstützung geben. Zusammen mit anderen Freiwilligen aus der Freien Evangelischen Gemeinde in Celle eröffnete sie das „Café International“. „Wir wussten nicht, ob jemand kommt. Wir wussten nicht, welche Bedürfnisse die Menschen haben werden“, erzählt Kuhtz.

Die Gäste wurden einfach auf der Straße angesprochen und ins Café eingeladen. „Es kamen Iraner, Afghanen und Syrer. Wichtig war mir, dass in dem Café auch Deutsche immer willkommen waren“, berichtet Kuhtz. Zu Hochzeiten sind mehr als 50 Gäste in dem Café gewesen. Kaffee und Kuchen waren Spenden aus der Gemeinde. „An einem der ersten Tage kam ein älterer Herr zu uns ins Café und bot uns an, Deutschunterricht zu geben. Das Angebot haben wir natürlich dankend angenommen“, erzählt Kuhtz.

Die Begegnungen und Gespräche mit den Menschen sind für sie immer etwas ganz Besonderes gewesen. Kuhtz und ihre Familie wurden oft auch zu anderen Flüchtlingsfamilien nach Hause eingeladen. „Einmal waren wir bei einer iranischen Familie zu Hause. Eine Frau hat die ganze Zeit aus Respekt auf den Boden geguckt. Ich habe sie daraufhin umarmt, um ihr zu zeigen, dass sie nicht weniger wert ist als ich“, erzählt Kuhtz. Gerade bei Iranern wird das gemeinsame Essen groß zelebriert. Als Teetrinkerin habe sie eine Verbindung zu Ostfriesen, aber eben auch zu Iranern. Auch ihre Söhne haben keine Berührungsängste. „Als zwei Iraner bei uns zu Besuch waren, meinte mein jüngster Sohn zu den Männern: „Rutscht mal! Ich möchte auch noch auf dem Sofa sitzen.“

„Etwas machen, was ichnoch nie gemacht habe“

Kuhtz möchte ihre Erfahrungen zur Selbstfindung weitergeben. Zusammen mit anderen Frauen aus der Freien Evangelischen Gemeinde hat sie eine Gruppe gegründet, die anderen Frauen helfen soll, ihre Berufung zu finden. „Was ist der Auftrag, den Gott mir persönlich gegeben hat? Wir möchten den Frauen helfen und sie coachen, aus ihrer Komfortzone herauszugehen“, erzählt Kuhtz.

Kuhtz hat auch eine kreative Ader: Mit ihrer eigenen Kreativmarke „Snäll Själ“ (Schwedisch: „nette Seele“) ist sie am Start. „Ich habe einfach in einem schwedischen Wörterbuch geblättert und bin dann auf den Namen gestoßen“, erzählt Kuhtz. Von Upcycling bis Buch-Verschönerungen und Kalligrafie ist alles dabei. Ihre kleinen Kostbarkeiten verkauft sie auf Märkten in Hannover und Hamburg. „Für mich geht es vor allem darum, aus dem Alltagsleben auszusteigen und sich einfach an diesen kleinen Kostbarkeiten zu erfreuen.“

Wie das geht, den Blick zu erweitern, verrät sie auch. „Ich mache einmal in der Woche etwas, was ich sonst nie mache oder noch nie gemacht habe“, erzählt Kuhtz. Dabei versuche sie immer ihrer Intuition zu folgen. Das will sie auch anderen Menschen mit auf den Weg geben.

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