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Mittendrin Noch mehr Nachtarbeit im Landkreis Celle?
Mehr Mittendrin Noch mehr Nachtarbeit im Landkreis Celle?
17:15 28.08.2017
Arbeitgeber und Gewerkschaften streiten darüber, ob Mitarbeiter bei Feierlichkeiten länger als acht Stunden arbeiten könnten. Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Mit ihrer Kritik wendet sich die NGG jetzt gegen die unlängst gestartete Dehoga-Kampagne „Höchste Zeit für Wochenarbeitszeit“: In dieser wirbt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband dafür, die Arbeitszeiten – nach dem Vorbild der europäischen Arbeitszeitrichtlinie – künftig flexibler auf die Woche aufteilen zu dürfen.

Bereits heute sind in der Region Südheide rund 21.000 Menschen an Sonntagen im Job aktiv, 10.000 davon sogar nachts. Rund 35.000 arbeiten zwischen 18 und 23 Uhr. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor. „Die Zahlen zeigen, dass Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge den Arbeitnehmern bereits jetzt eine hohe Flexibilität abverlangen“, sagt Claudia Tiedge, Geschäftsführerin der NGG Hannover. „Den Betrieben geben sie die Freiheit, ihre Beschäftigten weitgehend so einzusetzen, wie sie es brauchen.“

Tiedge hält jede Aufweichung dieser Regeln für unnötig – dabei sorge das starre Festhalten an täglichen Höchstarbeitszeiten durchaus für Schwierigkeiten gerade im gastronomischen Gewerbe, erklärt Volker Hubach vom Gasthaus Niedersachsen in Eversen, zuständig für die Fachgruppe Gaststätten im Dehoga-Kreisverband Celle. „Wir werden gezwungen, unser Angebot gegenüber den Kunden einzuschränken“, kritisiert er. „Langfristig wird das zum Gaststätten-Sterben führen.“

Gewerkschafterin Tiedge möchte der Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit dagegen am liebsten eine klare Absage erteilen: Dies sei ein Angriff auf Tausende Beschäftigte in der Region. Dabei gehe es den Gastwirten gar nicht um die Erhöhung der Arbeitszeit per se, erklärt Hubach. „Wir wollen ja bei der Vierzig-Stunden-Woche bleiben, inklusive der gesetzlichen Pausen.“ Nur die Verteilung der Stunden auf die einzelnen Tage solle nach dem Wunsch der Dehoga flexibler gestaltet werden. Es wäre beispielsweise wünschenswert, dass Mitarbeiter am Wochenende oder während Feierlichkeiten wie einer Hochzeit auch einmal länger als acht Stunden arbeiten könnten. „Dafür arbeitet man an anderen Tagen dann einfach weniger Stunden, oder hat einen Tag in der Woche frei.“

Tiedge befürchtet allerdings, dass damit der Ausbeutung Tür und Tor geöffnet wird: „Wenn zum Beispiel eine Hochzeit länger dauert als geplant, dann schieben Küchen-Team und Kellner Überstunden, statt einfach nach Hause zu gehen. Und diese Überstunden werden dann noch nicht einmal immer bezahlt.“ Hubach schicke seine Mitarbeiter nach Hause, wenn sie die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden erreicht haben, betont er. Das führe dann dazu, dass man eine Feierlichkeit auch mal früher beenden müsse, als vom Kunden gewünscht. „Schade“, bedauert er. „Wir können einfach nicht mehr die Öffnungszeiten vorhalten, die der Kunde gerne möchte.“

Von Christina Matthies