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Mittendrin „Politik ist Schauspiel – die Bühne ist das Parlament“
Mehr Mittendrin „Politik ist Schauspiel – die Bühne ist das Parlament“
12:07 30.05.2014
Celle

Auf die Frage, ob seine Wahl eine Art Blankoscheck sei, den der Wähler ihm ausstelle, verweist der Bundestagsabgeordnete auf das System der repräsentativen Demokratie. Die vierjährige Amtszeit des Bundestages sei notwendig, um eine gewisse Dauerhaftigkeit und Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten. Dennoch sei ihm stets bewusst, dass der Wähler sein Arbeitgeber sei: „Ich stell mir immer die Frage: Wie würdest du als Bürger entscheiden?“

Etwa 100 Mails am Tag, Besprechungen mit den eigenen Mitarbeitern, Sitzungen in verschiedenen Gremien, Fachverbänden, Fachausschüssen und im Fraktionsvorstand, dienstags Fraktionssitzung mit Kanzlerin, durchaus strittige Diskussionen um Gesetzesvorhaben, „aber am Ende heißt es immer: Abstimmung“. Diese demokratischen Prozesse seien durchaus zeitaufwendig, so Otte: „Demokratie ist nicht leicht. Sie ist anstrengend und fordert von jedem Einzelnen, sich einzubringen.“

Beratungen, die sich über zwölf oder sechzehn Stunden eine Nacht hindurch hinziehen, zum Schluss jedoch stets eine Einigung erfordern – so beschreibt auch der SPD-Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt der Klasse 10bk des Hermann-Billung-Gymnasiums seinen Alltag. Ein Arbeitstag von 7 bis 22 Uhr sei üblich, vor allem gehöre viel Lesen zum Politikerdasein.

Auf die Frage nach der Höhe seines Einkommens gibt Schmidt offen Auskunft: „In der freien Wirtschaft könnte ich viel mehr verdienen. Politik wäre nicht der richtige Beruf, wenn mir Kohle wichtig wäre. Aber was ich als Politiker bekomme, ist die Macht, Dinge zu verändern und zu gestalten. Das ist mir mehr wert als Geld.“

Ob Politiker Schauspieler seien? „Politik ist Schauspiel, aber nicht im negativen Sinne“, erklärt Schmidt. „Die Bühne ist das Parlament.“ Um ihre Positionen vertreten zu können, müssten Politiker überzeugen, Argumente würden auch mit Emotionen hervorgebracht. „Sobald ein Publikum da ist, ist Schauspiel da.“ Dies sei naturgegeben, institutionell bedingt. Männliche oder weibliche Gestik und Mimik, beantwortet der Landtagsabgeordnete die Frage einer Schülerin, sei dabei weniger ein Stilmittel, eher die Fähigkeit, Stärke und Autorität auszustrahlen und dies sei unabhängig vom Geschlecht.

Seine beste Beraterin, verrät Schmidt, sei übrigens seine Großmutter, „Sie ist ehrlich und sagt: Junge, das war nix oder das war gut.“

Von Margitta True