Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Mittendrin Schauspiel: „Einmal die Sau rauslassen“
Mehr Mittendrin Schauspiel: „Einmal die Sau rauslassen“
14:52 06.03.2012
Die Laienschauspielerin Claudia Schakeit bereitet sich aktuell auf das neue St¸ck vor. Hier bei den Proben. Quelle: Torsten Volkmer
Lachendorf

Der grün gekachelte Ofen strahlt eine angenehme Wärme aus, Katze Mullie räkelt sich in ihrem Körbchen unter dem großen Fenster. Viele Pflanzen stehen auf den Blumenbänken des Wohnzimmers, in den stabilen Holzregalen stapeln sich Bücher, vor allem Romane, aber auch ältere Medizinbücher. „Das ist eine meiner Leidenschaften“, sagt Claudia Schakeit. Die Familie sammelt gerne – Schakeit besonders Medizinbücher, ihr Mann Jürgen Retro-Blechdosen mit bunten Motiven darauf. Sie streifen gerne über Flohmärkte, auch während eines Urlaubs in Südfrankreich durfte das Schlendern über einen Trödelmarkt nicht fehlen.

Schakeit sitzt entspannt mit einer Tasse Kaffee auf dem schwarzen Ledersofa, neben sich ein Korb mit Strickzeug. „Ich stricke gerne Mützen, Schals, Socken, eigentlich alles Mögliche“, erzählt die gelernte Altenpflegerin. Viel Zeit bleibt der aktiven Mutter von zwei Kindern dafür nicht.

Schakeit ist häufig unterwegs, unter anderem bei ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten im Schulelternrat und dem Deutschen Jugendrotkreuz (DJRK). „Zum Jugendrotkreuz bin ich durch meine Kinder gekommen“, erinnert sie sich. Tochter Mara wurde zuerst Mitglied im DJRK, Schakeit ist seit 2003 ehrenamtlich dabei. Bis 2005 übernahm sie die stellvertretende Ortsleitung des DJRK, dann wurde sie Zweite Vorsitzende. Seit 2007 kümmert sie sich um die Ortsleitung. „Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht mir wahnsinnigen Spaß“, sagt Schakeit, ihre Augen strahlen. „Wir bringen ihnen Erste Hilfe bei, gehen auf Kreiswettbewerbe, sammeln Spenden.“ Es wird nie langweilig.

Um bereits Grundschüler für die Hilfe anderer zu sensibilisieren, bot Schakeit über vier Jahre eine Erste Hilfe-AG in einer Grundschule an. „In einigen weiterführenden Schulen gibt es einen Schulsanitätsdienst, der von Schülern geführt wird. Manche Grundschüler aus der AG haben sich anschließend dort engagiert“, berichtet sie stolz.

Auch für einen anderen Bereich begeistert sich die gebürtige Lachendorferin seit ihrer Kindheit: die Schauspielerei. „Als Kind war ich häufig bei meiner Oma. Sie hatte Kleider aus den 50er und 60er Jahren, die haben meine Schwester und ich anprobiert und uns verkleidet.“

In der Theater-AG übernahm sie die Rolle des Till Eulenspiegels, auch beim Vorkonfirmanden-Unterricht stand Schakeit auf der Bühne. „Ich spielte den Heiligen König Balthasar.“ Doch etwas ging schief: Als Balthasar trat sie auf die Bühne und verkündete, sie brächte den Stern von Bethlehem. „Den gebastelten Stern hatte ich aber hinter der Bühne vergessen“, erzählt die Hobby-Schauspielerin, fasst sich an die Stirn und lacht.

Dieser Patzer konnte ihre Begeisterung fürs Theater allerdings nicht bremsen – er war vielmehr der Beginn einer Karriere.

„Ich arbeitete als Altenpflegerin in der Kursana-Residenz in Celle und erfuhr von einem Apothekenboten, dass es in Celle eine Theatergruppe gab.“ Anfang der 90er Jahre schloss sie sich der Theatergruppe „Uhrwerk“ an, begann als Souffleuse und übernahm bald kleinere Rollen.

Nach dem Auflösen der Gruppe wurde sie 1997 in Lachendorf neugegründet, auch Schakeit war wieder dabei. Seit 1998 führen sie mit zurzeit zehn Schauspielern jedes Jahr im März ein neues Stück auf. Ein Wochenende lang tauchen jeden Abend ungefähr 120 Zuschauer im Gasthof Tannenkrug in Lachendorf in das Stück der Theatergruppe ein. Statt Stuhlreihen gibt es mehrere Tische, an denen die Zuschauer in der Pause ihr Essen genießen können. „Eines unserer Stücke hieß ,Currywurst mit Pommes‘, das wurde dann bestellt wie verrückt“, sagt Schakeit augenzwinkernd.

Das Talent der Lachendorferin wird häufig durch Hauptrollen gefordert. „Früher habe ich eher Nebenrollen gespielt“, sagt sie. Es sei nicht immer einfach, das passende Stück zu finden. „Wir wollen auf jeden Fall nichts Plattes spielen, zum Beispiel Männer in Frauenklamotten. Es muss schon Sinn und Verstand haben“, betont Schakeit.

Die Theatergruppe bestellt sich mehrere Skripte im Internet, die werden dann gelesen und besprochen, am Ende entscheidet die Mehrheit über ihr neues Stück. In einem durfte Schakeit sogar singen. „Mein Traum wäre, ein Stück zu spielen, wo viel gesungen wird. Aber das machen die anderen nicht mit.“

Geprobt wird im Saal des Gasthofs. Vor den Auftritten ist Schakeit auch nach langjähriger Erfahrung noch aufgeregt: „Man steht unter Dauerstrom.“ Meist geht alles glatt, doch auch lustige Versprecher werden vom Publikum verziehen, teilweise sogar mit Applaus.

„Der Reiz des Schauspielens ist, dass man die Sau rauslassen kann“, verrät Schakeit. „Es ist toll, in eine fremde Rolle zu schlüpfen und jemand anders zu sein. So muss man die Konsequenzen für sein Handeln nicht tragen.“

Dieses Jahr wird auch für die Hobby-Schauspielerin besonders: Sie spielt gleich in zwei Theaterstücken mit. Das erste Stück „Plaza Suite“ der Theatergruppe „Uhrwerk“ feiert Ende März Premiere. Zusammen mit Freund Peter Kneer plant Schakeit für Herbst ein Zwei-Mann-Stück. Eine Komödie soll es werden. „Das wollte ich schon immer machen.“ Wie gesagt: Es wird nie langweilig.

Amelie Thiemann

Von Amelie Thiemann