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Mittendrin Streiterin für die Pflege des Volksliedes
Mehr Mittendrin Streiterin für die Pflege des Volksliedes
16:38 03.08.2010
Waltraut Wilks mit einem Foto des Gesangsvereins ihres Vaters - schon früh war sie damit vertraut. Quelle: Torsten Volkmer
Unterlüß

UNTERLÜSS. Schon als junges Mädchen hat sie gern gesungen. „Mein Vater war aus Dalle hierher gezogen und gleich in den Gesangsverein gegangen“, erinnert sie sich, „bei uns zu Haus wurde viel gesungen“. Mit 19 Jahren ist sie dann selbst in die Unterlüßer Liedertafel Frohsinn eingetreten. Damals waren die Proben noch getrennt, denn die Männer wollten sich von einer Frau als Chorleiterin nichts sagen lassen, lacht Waltraud Wilks.

Das ist heute natürlich anders, aber es überkommt sie ein bisschen Wehmut, wenn sie an die vergangenen Jahre denkt. Noch 1996 hatte der Chor 121 Mitglieder, heute dagegen sind nur noch 30 Sänger und Sängerinnen dabei. Die Zahlen steigen wieder, weiß Waltraud Wilks, aber dennoch schmerzt sie die Entwicklung. Sie ist nämlich mit Leib und Seele Sängerin. „Singen ist mein Leben“ stellt Waltraud Wilks fest. Vor allen Dingen mag sie Volkslieder. Die sollten erhalten bleiben, ist ihre Meinung. Deshalb wendet sie sich gegen die geringschätzige Bewertung des althergebrachten Liedgutes. Sie habe sich bei diesem Thema manches Mal mit dem Dirigenten „in die Wolle gekriegt“, wie Waltraud Wilks freimütig einräumt. Dennoch ist sie aus Anlass ihrer 60-jährigen Zugehörigkeit im Februar 2009 zum Ehrenmitglied der Liedertafel Frohsinn ernannt worden.

Es war nicht nur das aktive Singen, an dem Waltraud Wilks viel Freude hatte, sondern für das Theaterspielen und die Feste hat sie sich ebenfalls engagiert eingesetzt. Zum Stiftungsfest der Liedertafel im Februar wurde früher stets ein Karneval organisiert, traditionsgemäß am zweiten Weihnachtstag dann ein Theaterstück aufgeführt. Dazu wurden vielfach eigene Texte geschrieben. Waltraud Wilks Augen leuchten, wenn sie lebhaft über diese Ereignisse spricht, aber gleich darauf wird sie traurig, denn vor drei oder vier Jahren ist die Theatergruppe auseinander gegangen. „Ich habe versucht, diese Gemeinschaft wieder zu beleben“, erklärt Waltraud Wilks, aber es ist ihr nicht gelungen. „Die jungen Frauen haben alle keine Zeit“, sagt sie zur Erklärung, aber das Argument leuchtet ihr nicht ein. Schließlich habe sie ebenso ihr Leben lang gearbeitet und eine Familie betreut. Darüber hinaus ist sie Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Unterlüß, der örtlichen DLRG und hat sich folgerichtig der „Initiative Pro Schwimmbad“ angeschlossen. „Ich unterstütze alles, was gemeinnützig ist“, sagt Waltraud Wilks mit fester Stimme und zitiert als ihr Lebensmotto einen Vers:

Willst Du glücklich sein im Leben,

trage bei zu Anderen Glück,

denn die Freude, die wir geben,

kehrt ins eigene Herz zurück.

Von Udo Genth