Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Mittendrin Sülzer ist überzeugter Blutspender
Mehr Mittendrin Sülzer ist überzeugter Blutspender
14:56 28.08.2018
Joachim Neuendorf beim Blutspenden am 21. August in der Grundschule Groß Hehlen. Quelle: Oliver Knoblich
Sülze

Ich würde gerne weiter spenden, aber das Deutsche Rote Kreuz ist streng. Blut kann man nur bis zum 73. Lebensjahr spenden“, führt Joachim Neuendorf aus. Der heute 72-jährige Sülzer hat 1962 zum ersten Mal Blut gespendet. Er erinnert sich genau. Der Lehrer Ulrich Lotze habe damals das DRK in Sülze gegründet und das ganze Dorf mitgerissen. „Viele junge Leute haben von da an regelmäßig ihre 500 Milliliter Blut gespendet, einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und sind in dieser Zeit Mitglied geworden. Mich hat es auch begeistert. Ich habe mich langsam hochgearbeitet beim DRK“. Neuendorf hat sich 1968 zum Ausbilder schulen lassen und in Bergen, Hermannsburg, Winsen und Groß Hehlen zehn Jahre lang etliche Fahrschüler und ganze Feuerwehren in Erste-Hilfe ausgebildet. „Manchmal war ich an vier Tagen in der Woche abends unterwegs. Nach meiner Hochzeit 1973 bin ich dann etwas kürzer getreten.“

Als es im August 1975 zur großen Brandkatastrophe in der Lüneburger Heide kam, war Neuendorf als Zugführer des DRK Sülze-Bergen 14 Tage im Großeinsatz:. „Ich war Chef vom Transportzug, habe Rettungsstationen aufgebaut und Erste-Hilfe geleistet. Zusammen mit den anderen habe ich den Sanitätsdienst, die Küche und die Essensverteilung organisiert. Es waren immer zwei bis drei Krankenwagen vor Ort.“ Auch die Evakuierung der Baracken in Hustedt wurde von dem Sülzer koordiniert: „Wir mussten die Leute in Turnhallen unterbringen. In dieser Zeit haben wir alle immer nur wenige Stunden geschlafen. Zwischendurch bin ich mal zum Duschen nach Hause gekommen.“

Dass Joachim Neuendorf über viel Energie verfügt, ist leicht zu erkennen. Neben seiner Arbeit als Kraftfahrer bei der Kommandantur auf dem Truppenübungsplatz Bergen hat der gelernter Landmaschinenmechaniker im Nebenerwerb über 20 Jahre lang einen Partyzeltverleih betrieben. „Ich hatte 80 Meter Zelt, Bänke, Stühle, Tische und Stehtische. An den Wochenenden habe ich die Zelte für Hochzeiten und andere Feste auf- und abgebaut. Meine Frau hat mir den Rücken frei gehalten und sich um unsere beiden Kinder und das Haus gekümmert.“

Motivation
zur Blutspende stärken

Neuendorf, der in Sülze seit seiner Kindheit unter dem Spitznamen „der Igel“ bekannt ist, ist über 50 Jahre Mitglied bei DRK Sülze und wird noch in diesem Jahr seine letzte und damit die 190. Blutspende antreten. „Der Termin ist in meinem Kalender fest vermerkt. Früher durfte man nur zweimal pro Jahr Blut spenden. Heute dürfen Frauen viermal und Männer sechsmal pro Jahr Blut spenden. Ich gehe ungefähr fünfmal jährlich hin.“ Der Rentner plädiert dafür, dass beim Führerscheinerwerb neben dem Erste-Hilfe-Kurs eine Blutspende verpflichtend geleistet werden sollte. So könne man die Motivation zur Blutspende erhöhen, die Blutkonserven aufstocken und gleichzeitig die Blutgruppe im Führerschein vermerken.

„Insgesamt dauert der Aufenthalt ungefähr 30 bis 45 Minuten. Die eigentliche Spende dauert etwa zehn Minuten“, sagt Neuendorf. Er erklärt, dass man sich ausweisen und einen Fragebogen rund um die Gesundheit ausfüllen müsse. Dann erfolge eine kurze ärztliche Untersuchung. Blutdruck, Puls und Körpertemperatur würden gemessen und der Hämoglobinwert, also der Blutfarbstoff, werde bestimmt. „Das ist mit einem Piks ins Ohr oder den Finger erledigt. Wenn alles in Ordnung ist, kann man sein Blut spenden.“ Neuendorf trifft dabei viele Bekannte und erinnert sich, dass früher manchmal ganze Feuerwehren kamen: „Es wurde ein Dienstabend angesetzt, die Feuerwehrleute haben Blut gespendet und man konnte anschließend noch nett zusammensitzen, Wasser, Kaffee oder Tee trinken und eine Kleinigkeit essen.“

Der 72-Jährige findet es positiv, dass anschließend im Labor neben der Blutgruppenbestimmung alle Spenden auf Krankheiten hin getestet werden. Sollte das Blut nicht in Ordnung sein, werde der Spender angeschrieben und gebeten, seinen Hausarzt aufzusuchen. Bei Neuendorf war dies einmal der Fall: „Ich habe einen Brief bekommen, weil ich unter Eisenmangel gelitten habe. Das habe ich dann von meinem Hausarzt behandeln lassen und war froh über die Information.“

Die Familie
ist wichtig

Neuendorf ist stolz darauf, dass auch seine Kinder, inzwischen 30-jährige Zwillinge, neben Familie und Beruf Zeit für die Blutspende finden. Die Kinder leben ebenfalls in Sülze und es gibt einen engen familiären Kontakt. Besonders genießt der Familienmensch aber den Kontakt zu den Enkeln. „Hier in Sülze ist es Tradition, dass bei einem Neugeborenen im Dorf die Glocke morgens um 9 Uhr geläutet wird. Das habe ich zusammen mit meinem Enkel gemacht, als seine kleine Schwester auf die Welt kam.“ Neuendorf sieht seine Enkelkinder regelmäßig. „Die Kleine liebt es zu schaukeln und der 7-jährige Enkelsohn wartet nachmittags schon in der Scheune auf mich. Er stellt mir einen Stuhl hin und wir arbeiten mit Holz und Stichsäge“, erzählt der stolze Opa lächelnd.

Von seiner Familie lebt nur noch ein älterer Bruder in Hermannsburg. Die Mutter ist 1945 aus Brandenburg mit drei Söhnen und zwei Töchtern geflüchtet und hat mit ihren Kindern bei der Ankunft am Bahnhof den einzigen Luftangriff auf Celle am 8. April 1945 erlebt. Später ist die Mutter mit den Geschwistern in Sülze gelandet: „Meine Mutter konnte immerhin meine Geschwister und den Koffer mit den Dokumenten retten, die restlichen Habseligkeiten sind am Celler Bahnhof verloren gegangen.“ Der Vater war im Krieg und ist erst nach der Geburt von Neuendorf und seiner Schwester aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Der 72-Jährige erzählt, dass seine Zwillingsschwester leider verstorben ist: „Der Winter 1946 war wohl hart, das hat meine Schwester nicht überlebt.“

Aktive
Dorfgemeinschaft

Joachim Neuendorf liebt sein Dorf und unterstützt aktiv die Dorfgemeinschaft, das zeigt sich an vielen Stellen. So werden die von ihm hergestellten dekorativen Holzarbeiten dem Sülzer Heimatverein gespendet. Dort engagiert sich der Rentner seit vielen Jahren. Beim Salinenfest (16. Sep-
tember) werden unter anderem auch seine Holzarbeiten verkauft.

Mehr als 20 Jahre ist Neuendorf im Vorstand der Schützengilde Sülze und hat bei der Erstellung der Schützenkronik mitgeholfen. „Man geht durch das Dorf, sammelt alte Bilder und hört den älteren Leuten zu. Das habe ich gerne gemacht“, schmunzelt Neuendorf. „1999 war ich sogar mal Schützenkönig. Auch die Tochter ist mal Jugendkönigin und Kreisschützenkönigin gewesen.“ Beide Kinder sind Mitglied im Spielmannzug. „Der Junge trommelt und die Tochter spielt die Flöte“, erzählt der Rentner.

Dem Friedhofsgärtner hilft Neuendorf zusammen mit seiner Frau und anderen Sülzern regelmäßig: „Wenn es nötig ist, schneiden wir die Hecken und pflegen die Wege auf dem Friedhof. Wir möchten doch ein schönes Dorf haben.“

So wundert es nicht, dass Neuendorf sich auch für alte Obstsorten, wie den roten Eiserapfel oder den roten Gravensteiner interessiert und vor einigen Jahren mit anderen Freiwilligen am Sülzer Stühweg neue Apfel,- Zwetschgen- und Pflaumenbäume sowie eine Esskastanie zwischen den alten Bestand gesetzt hat. „Gerade habe ich einen Uelzener Rambour geschenkt bekommen und gepflanzt. Leider haben die jungen Bäume bei der Dürre in diesem Jahr sehr gelitten“, beklagt Neuendorf.

Es ist dem aktiven Ruheständler wichtig, dreimal pro Woche im Fitnessstudio zu trainieren und den Kontakt zu seinen Freunden zu pflegen: „Wir treffen uns jeden Morgen um 9.30 Uhr zum Rentnertreff in der Bäckerei. Außerdem halte ich den Kontakt zu den Konfirmanden meines Jahrgangs. Früher haben wir uns nicht so oft getroffen, aber jetzt sehen wir uns zweimal im Jahr, wir haben ja Zeit“, lacht Neuendorf. Entspannung findet er zusammen mit Ehefrau Ruth: „Mit meiner Frau zusammen bin ich gerne in unserem Wald. Dort haben wir einen Bauwagen stehen. Er ist eingerichtet wie eine Wochenendhütte mit Gardinen und Ofen. Dort genießen wir die Ruhe.“

Von Marion Peterson

Am 30. März 2019 wird der Brexit Realität. Und das wird sich auch im Landkreis Celle bemerkbar machen.

21.08.2018

Die Naturfreunde Celle luden kürzlich zu einem Tag der offenen Tür mit einem bunten Fest in ihr "Haus Waldschmiede" am Rande von Wietzenbruch, wo die Wiesen noch grün sind und die Bäume in den Himmel wachsen. Wir stellen diese Organisation vor.

09.08.2018

Erst das Street-Food-Festival am vergangenen Wochenende in den Triftanlagen und nun der Celler Weinmarkt am Großen Plan: Zur Sommerzeit wartet die Residenzstadt gleich mit mehreren Events auf, um auch Daheimgebliebenen die Urlaubszeit zu versüßen. Gerade Feinschmecker kommen dabei voll auf ihre Kosten und nutzen die Gelegenheit, den ein oder anderen neuen Trend auszuprobieren.

Audrey-Lynn Struck 24.07.2018