Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Mittendrin Teilnehmer aus Frankreich, Dänemark England und Spanien bei Weihnachtsmannworkshop in Celle
Mehr Mittendrin Teilnehmer aus Frankreich, Dänemark England und Spanien bei Weihnachtsmannworkshop in Celle
14:39 08.11.2017
Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle Stadt

Der Vorwerker Willi Dahmen hat Weihnachtsmannkollegen aus dem In- und Ausland nach Garßen zu einem Workshop eingeladen. Beobachtet von Presse, Funk und Fernsehen.

„Ein Thema ist, wie wir gegen die billigen Weihnachtsmänner kämpfen, die nicht nach dem Weihnachtsmannehrenkodex handeln“, brennt es Willi Dahmen auf den Nägeln. „Wir wollen unsere alte Tradition erhalten“, sagt er und verdeutlicht die schlechte Wirkung eines Billigkostüms an einem Nachwuchsweihnachtsmann. Otto Schmidt wurde von seinem Arbeitskollegen ermuntert, an dem Workshop mitzumachen. Ein Weihnachtsmann mache viel mit Menschen, findet Schmidt: „Man geht auf die Kinder zu und bringt die Leute zum Lachen. Das finde ich gut, weil ich gerne Leute zum Lachen bringe und sehe, wie sie fröhlich sind.“

Ein Billigkostüm bringe das aber nicht gut rüber, weil man nicht wirklich als Weihnachtsmann rüberkommt. „Den Kindern sollte vielmehr vermittelt werden, ‚Ja, ich bin der Weihnachtsmann!‘ und nicht irgendjemand, der von der Straße kommt und einen auf Möchtegern tut.“

Im Saal duftet es weihnachtlich nach Tannengrün und Spekulatius. Kerzen stehen auf den Tischen. Ein Weihnachtslied wird auf der Querflöte gespielt, ein anderes auf der Mundharmonika.

Workshop ist ein europaweites Treffen

Auf der kleinen Bühne brennen die Kerzen am Tannenbaum und der bequeme Ohrensessel steht bereit für die Weihnachtsmänner während der Rollenspiele. Wie verhalte ich mich richtig, wie komme ich rüber, wie reagiere ich, wenn ein Kind mich umarmen oder auf meinen Schoß möchte?

Der Weihnachtsmannworkshop ist ein europaweites Treffen. Teilnehmer kommen aus Frankreich, Dänemark England und Spanien. Und aus Celle und Thören, aus dem Heidekreis und aus Bremen. „Weihnachtsmänner sind Mutmacher“, unterstreicht dann auch Garßens Ortsbürgermeister Andreas Reimchen. „Für die guten Botschaften brauchen wir das Personal. Und es ist wichtig, dass die Menschen an was glauben, an den Weihnachtsmann.“ Es sei zwar historisch noch immer nicht ganz geklärt, woher der Weihnachtsmann komme, er sei aber schon mal dort gewesen, wo der Weihnachtsmann wohnt – im Norden Finnlands. Entsprechend begrüßt Reimchen die Teilnehmer auch auf Finnisch.

Stefan Röben ist seit zwölf Jahren Bremer Bilderbuchweihnachtsmann. „Ich habe jedes Jahr meine Freude daran. Man ist da einmal reingewachsen und es lässt einen auch nicht wieder los. Man freut sich schon zwei, drei Monate vor Heiligabend, dass die Weihnachtszeit losgeht.“ Und was sei das Besondere an dem Job? „Es sind die Momente der Kinder, wenn sie ehrfürchtig vor einem stehen und ihre Geschichten erzählen, Wünsche oder Gedichte vortragen oder auch mal ein Lied singen.“

Wie er denn die häufig von Kindern gestellte Frage beantworte, wie er ins Haus komme, sagt er, dass moderne Häuser keine Kamine oder große Schornsteine mehr hätten. „Sie haben moderne Heizungsanlagen, wo nur noch ein dünnes Rohr durch das Dach geht. Und da passe ich leider nicht mehr rein“, sagt Röben. Darum habe er sich einen Goldenen Schlüssel zugelegt, der wirklich nur an den Weihnachtstagen funktioniert. „Mit dem kann ich jede Tür auf der Welt öffnen, um in die Stuben reinzukommen. Es ist aber nur an Weihnachten so, ansonsten funktioniert der Schlüssel das ganze Jahr über nicht.“

Kinder vertrauendem Weihnachtsmann

Jörgen Otten ist Däne und lebt in Frankreich. Er ist seit 15 Jahren Weihnachtsmann. Gemeinsam mit seiner Frau Lene, die als „Nissemor“ auftritt, ist er immer beim Weihnachtsmarkt im süddänischen Tondern dabei. Und sie bescheren Kreuzfahrtpassagiere, wenn sie für einige Stunden im Hafen sind. „Die Augen der Kinder, die Erwartung …“, sagt Otten, das sei der Kick bei der Arbeit. „Ich habe eine große Verantwortung, denn die Kinder vertrauen dem Weihnachtsmann sehr viel. Da muss ich gut vorbereitet sein, auf alle verschiedenen Fragen und Wünsche.“ Immer wieder würde die Bitte geäußert werden, dass sich die Eltern wieder vertragen und nicht so viel schimpfen und streiten sollten. „Wir müssen dem Kind das Vertrauen geben, damit das Kind seine Eltern lieben kann. Deine Eltern lieben dich. Da musst Du Dich freuen, dass Du Eltern hast, die Dich lieben“, sagt Otten mit dänischem Akzent. „Wenn wir was für Kinder machen können, dann machen wir das.“

In der nächsten Woche müssen er und seine Frau noch zu einem Stoffgroßhändler fahren, denn sie schneidern alle Kostüme selbst. „Da nehmen wir was mit nach Hause.“ Für sein eigenes Weihnachtsmannkostüm haben sie zehn Meter roten Stoff verarbeitet: „Das ist französischer Möbelstoff, der kostet pro Meter 65 Euro.“

Er habe gerade ein Velourkostüm gekauft von einem Schneidermeister, der Arbeiten für die Dänische Königin gemacht hat. „Den Rest dieser Rolle haben wir gekauft.“

Willi Dahmen fasst am Ende die Seminarinhalte zusammen: „Der Weihnachtsmann-Ehrenkodex beschreibt, wie man sich vorzubereiten hat, wie man auszusehen hat, wie das Kostüm auszusehen hat. Wie man sich in den Familien bewegen sollte.“ Zwar stelle sich für den zeitlich begrenzten Job kein Gefahrenbereich dar, wenn zum Beispiel ein Kind auf den Weihnachtsmann zugelaufen kommt und ihn umarmen will, „dann ist das okay. Springt es aber auf meinen Schoß, muss ich versuchen, den Blickkontakt zu Mutter oder Vater zu finden und das Einverständnis haben“, sagt er. „Es ist schon mal ein Kollege wegen sexueller Belästigung angezeigt worden. Insofern ist der Schoß ein no-Go!“

Von Lothar H. Bluhm