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Mittendrin ÜBV Celle: Im Tandem Karriere machen
Mehr Mittendrin ÜBV Celle: Im Tandem Karriere machen
14:58 01.03.2017
Quelle: www.santana-tandem.com
Celle Stadt

Es ist eine Tatsache, dass es einen großen Bedarf an Fachkräften gibt – je nach Berufsbereich beklagen Arbeitgeber sogar einen ausgesprochenen Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern. Umso wichtiger sei es, sich nicht nur über Ausbildung zu unterhalten, sondern sich auch Gedanken über das Finden, Binden und Gewinnen von Fachkräften in Firmen und Unternehmen zu machen, so Tobias Hannemann, Geschäftsstellenleiter der IHK Celle, einleitend.

Zahlreiche kompetente Fachkräfte sind Frauen, aber gerade sie scheiden oft aus familienplanerischen Gründen aus der Vollerwerbstätigkeit aus. Petra-Johanna Regner vom Überbetrieblichen Verbund Frauen & Wirtschaft: „Es gibt kaum Alternativen und flexible Strukturen für angepasste Arbeitszeitenregelungen. Oft scheitert eine Vollerwerbstätigkeit an fehlenden Rahmenbedingungen wie passende Kinderbetreuung – Krippen und Kitaplätzen. Frauen die in Teilzeit arbeiten sind in der Regel von Aufstieg und Karriere in qualifiziertere Posten ausgeschlossen und klassische Halbtagsarbeitsplätze werden gerade in anspruchsvolleren Posten kaum angeboten. Die herkömmlichen Modelle bieten dementsprechend wenig Spielraum für die Vereinbarkeit von beruflicher Profilierung und Familie – das gilt selbstverständlich auch für Männer, die mehr von Familie und Leben haben wollen.

Wie aber könnte eine Alternative, eine Lösung aussehen, die ganz nebenbei auch dazu beitragen würde, weibliche Fachkräfte zu halten und das ohne Vernachlässigung des anstehenden Arbeitspotenzials? Steffen Welsch, Vertriebsmanager von „Tandemploy“ und Hauptredner der Veranstaltung hat eine Antwort: Job-Sharing – zwei gleich qualifizierte Arbeitnehmer teilen eine Arbeitsstelle. Das ist Teambildung im kleinsten Nenner „und eine effiziente Ausnützung, ja Komprimierung von Arbeitskraft und –zeit, um mehr Zeit für Familie und andere Dinge zu erhalten“. Die Idee ist nicht neu – klappt bisher aber nur in wenigen Bereichen und wird meist auch nur für einfache Arbeiten, für die kaum große Fachkenntnisse erforderlich sind – eher eine Koordination von zwei Halbtagsstellen in einem Schichtenmodell – einer arbeitet vormittags, einer nachmittags.

Steffen Welsch und seine Mitarbeiter haben da eine andere Vision. „Wir glauben an Arbeit, die ins Leben passt. Und die sich heute umsetzen lässt, nicht irgendwann in der Zukunft - haben nach Ansätzen gesucht, die die Kraft haben, wirklich etwas zu verändern. Im Jobsharing haben wir eine Lösung gefunden, die uns nicht mehr losgelassen hat. Die (Voll)Stelle ist ja schon da. Dass zwei Arbeitnehmer sie ausfüllen, macht also nur eine flexible Planung und Verteilung notwendig. Das perfekte Team sind natürlich zwei, die die gleiche fachliche Kompetenz haben. Ist das Team effektiv, kann es auch gemeinsam aufsteigen und Karriere machen. Da ist ein Umdenken von Anwesenheitserfüllung hin zu Erfolgs- und Effizienzerfüllung notwendig. Was ist notwendig, damit die Anforderungen der Stelle erfüllt wird – nicht entscheidend ist dann, ob sie von ein oder zwei Personen ausgefüllt wird.“

Die Idee zusammengefasst: Weg von festgefahrenen konservativen Beschäftigungs- und Arbeitsformen. Im Grunde hat die Idee dieses Jobsharing-Modells Züge von Projektarbeit. Für Arbeitsanläufe gibt es einen beschränkteren Abwicklungszeitraum, in dem jedoch effektiver gearbeitet wird. Der Mensch ist erwiesenermaßen nur über einen bestimmten Zeitraum hin tatsächlich leistungsfähig. In einem geregelten Acht-Stunden-Arbeitstag laufen dementsprechend mehr Pausen auf. Außerdem gibt die Aussicht auf mehr „Freizeit“ – also die gewonnene Zeit, in der man sich individuell mit etwas anderem beschäftigen kann, einen Motivationsschub und senkt das Empfinden von Frustration und Überlastung. Damit bleiben die Arbeitnehmer zufriedener, es kommt zu weniger gesundheitlichen Ausfällen, die Lebensqualität stimmt mit der Arbeitsqualität mehr überein.

Vorausgesetzt die beiden Arbeitnehmer, die sich eine Stelle teilen, bilden wirklich ein Team, so besteht der Vorteil der gemeinsamen, zeitüberschneidenden Kommunikation, die für eine gute Abgabe notwendig ist, auch darin Wissen und Kenntnisse auszutauschen und offene Fragen untereinander zu klären - bis hin zu optimal abstimmbaren Terminen. Davon profitiert das Unternehmen. Funktioniert das System, so Welsch, dann vertreten Jobsharer sich gegenseitig sogar in Urlaubs- und Krankheitsausfällen. „Damit gewinnt der Arbeitgeber in der Rechnung einhalb plus ein einhalb ergeben anderthalb Arbeitskraft“.

Von Doris Hennies