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Mittendrin Young Americans begeistern mit Tanz und Gesang Celler Schüler
Mehr Mittendrin Young Americans begeistern mit Tanz und Gesang Celler Schüler
14:41 08.05.2014
Der Workshop löste bei den Schülern große Begeisterung aus. Quelle: Anne Friesenborg
Celle Stadt

Der YouTube-Hit der Band Ylvis, "What does the fox say", schallt laut durch die große Sporthalle des Ernestinums. Auf einmal ist die Turnfläche gefüllt mit umherspringenden und tanzenden Schülern. Genauso schlagartig wie sie gekommen sind, verschwinden sie auch wieder hinter der Bühne.

Wer nun als Außenstehender den Saal betritt, mag sich wundern. Alle Eingeweihten jedoch wissen: Es ist der zweite von drei Workshop-Tagen der "Young Americans", einer Künstlergruppe aus Kalifornien, die aus jungen Leuten im Alter von 18 bis 25 Jahren besteht. Gemeinsam tourt die bereits 1962 gegründete Gruppe durch die USA, Japan und Europa und vermittelt in ihren Workshops die besondere Mischung aus choreografisch anspruchsvollen Tanzeinlagen und Gesang im Rahmen eines pädagogischen Konzepts.

Innerhalb von drei Tagen studieren die "Young Americans" mit den 125 teilnehmenden Ernestinern der Klassenstufen fünf bis elf eine komplette Bühnenshow ein, die am letzten Tag aufgeführt wird. Die Idee hinter dem Konzept: Das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen wird deutlich gestärkt und die Gemeinschaft gefestigt. Außerdem bekommen die Workshop-Teilnehmer viele kreative Anreize, so dass eigene künstlerische Begabungen entdeckt und gefördert werden.

Mittlerweile haben sich die Kinder wieder inmitten der Turnhalle eingefunden. Gemeinsam mit den "Young Americans" werden sie nun in drei Gruppen aufgeteilt: Blau, Grün und Violett. Zwei der drei Gruppen verlassen die große Turnhalle und verteilen sich mit ihren Gruppenleitern andernorts auf dem Schulgelände. Zurück bleibt nur die grüne Gruppe mit den jüngsten Teilnehmern.

Gruppenleiterin Amber sucht sich erst einmal einen Dolmetscher, um die etwaige Sprachbarriere zu überbrücken. Gemeinsam mit einer der Schülerinnen erläutert sie dann ihr Anliegen: "Stellt euch vor, ihr wärt ein sechs Jahre altes Mädchen. Was habt ihr mit sechs Jahren gerne gemacht, wer wolltet ihr sein?" Aus dem bunten Gewirr aus Kindern entsteht nach und nach eine Szene aus dem Musical "Matilda", musikalisch untermalt durch das Stück "When I grow up".

Maurice Meuschel hat im vergangenen Jahr sein Abitur am Ernestinum absolviert und ist der Initiator des Projekts. Er selbst hat 2006 an einem der Workshops der "Young Americans" teilgenommen und war begeistert. Sein Vorschlag, die Künstlergruppe ans Ernestinum zu holen, stieß weitgehend auf offene Ohren. Und so begann vor vier Monaten die Planung und Realisierung des Projektes. "Die Stimmung hier ist von Anfang an sehr gut," berichtet er am ersten Tag des Workshops. "Die Young Americans bringen Charisma, eine große Magie und vor allem Energie mit, was sofort auf die Schüler übergegangen ist."

Jeffrey Polk, Supervisor der "Young Americans", ist begeistert von der Atmosphäre des Celler Gymnasiums und dessen Schülern: "Wir genießen die Arbeit mit den Schülern und ihr Talent. Uns gefällt es hier sehr gut, es ist einer der besten Kontakte, die wir je hatten." Das will schon etwas heißen, denn die Gruppe tourt bereits seit 14 Jahren in Europa.

"Die Schüler lernen sehr schnell," erzählt Meuschel weiter, "es hat ungefähr fünf Minuten gedauert, bis sie den ersten Tanz konnten." Von den "Young Americans" könne jeder alles, erläutert er das Trainingskonzept. Diese teilten sich dann auf die Schülergruppen auf. Es ist ein wirksames "Learning by doing"-Prinzip: Die "Young Americans" tanzen oder singen etwas vor, die Schüler machen es nach.

In der Turnhalle geht es turbulent weiter. Die nächste Gruppe probt ihr Stück "At the end of the day" aus dem Musical "Les Misérables". Die Schüler kommen herein. Plötzlich hat man das Gefühl, es würden Minusgrade in der wohltemperierten Halle herrschen: Schlotternd und bibbernd positionieren sie sich inmitten der Halle und beginnen zu singen. Mitten in der Szene werden sie unterbrochen und bekommen noch einen Tipp für ihre Mimik: "Fixiert euch auf einen bestimmten Punkt auf der Tribüne dort oben," rät einer der "Young Americans". "Schließt einen Moment die Augen und denkt an etwas, das euch glücklich macht. Dann öffnet eure Augen wieder und schaut dort hinauf."

Ruth Rode (15) ist Teil der Szene. "Anfangs ist es ziemlich chaotisch," berichtet sie von den Proben. "Man muss sich erst einmal einfinden und gucken, wo man hin muss, aber am Ende weiß man, wohin man in der Szene gehört."

Ihre Freundin Sabrina Ammann (15) singt ebenfalls einen Solopart und ist begeistert von den "Young Americans": "Sie sind alle so nett, offen und gesprächig. Total motiviert und extrovertiert," fasst sie zusammen.

"Hoffentlich kommen sie nächstes Jahr wieder," meint Audrey-Lynn Struck (16). Das Arbeiten und die tolle Atmosphäre gefallen ihr besonders: "Sie bringen einen dazu, sich zu überwinden und über sich hinaus zu wachsen."

Dass das Konzept aufgeht, sieht man spätestens bei der phänomenalen Abschlussshow. Die erste Stunde lang zeigen die "Young Americans" ihr Können und ziehen dabei das Publikum in ihren Bann. Hits wie "I'll be there," "Hallelujah" und "You raise me up" sorgen zwischenzeitlich für echte Gänsehautmomente.

Dann sind endlich die Schüler des Ernestinums an der Reihe: Selbstbewusst und energiegeladen stehen sie Seite an Seite mit den Künstlern aus Amerika auf der Bühne und lassen es krachen. Am Ende des Abends hält es niemanden mehr auf den Sitzen und der Applaus dauert noch lange an.

Von Stefanie Franke