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Mittendrin Zwischen Lehren und Lernen: Referendare am Studienseminar Celle
Mehr Mittendrin Zwischen Lehren und Lernen: Referendare am Studienseminar Celle
11:02 27.10.2017
In Fachseminaren müssen angehende Lehrer wie Sabrina Kukla selbst noch einmal die Schulbank drücken. Das Referendariat dauert 18 Monate. Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

„Natürlich ist er das“, betont Angelika Spanholtz, Leiterin des Celler Studienseminars für das Lehramt an Gymnasien. „Referendare sind Lehrer, die ihr Lehramtsstudium erfolgreich absolviert haben und nun, ausgerüstet mit einem umfangreichen theoretischen Wissen, an einem Studienseminar und einer Ausbildungsschule mit der Berufspraxis konfrontiert werden. Das Referendariat schlägt sozusagen eine Brücke zwischen der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung.“

90 Referendare befinden sich gegenwärtig am Studienseminar Celle im sogenannten Vorbereitungsdienst – einige von ihnen konnten bereits ganz unterschiedliche Unterrichtserfahrungen sammeln, andere stehen tatsächlich das erste Mal vor einer Klasse. „Egal, wie hoch der Praxisanteil im Studium auch war: Man weiß nicht, ob es der richtige Beruf für einen ist, bevor man nicht selber unterrichtet hat“, sagt Alix von Rössing, derzeit im ersten Semester ihres Referendariats, das insgesamt 18 Monate dauert. „Später wird man nie mehr die Zeit haben, sich selbst so intensiv zu reflektieren – hier entwickelt man sozusagen seine Lehrerpersönlichkeit.“

„Wir wollen nichts anderes, als uns selber zu professionalisieren“, ergänzt Andreas Gerloff, Referendar für Politik und Wirtschaft sowie Geschichte am Celler Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium. Im dritten Semester seines Vorbereitungsdienstes steht Gerloff kurz vor der Staatsprüfung – der letzten Hürde, die die jungen Lehrer zum Abschluss ihres Vorbereitungsdienstes noch meistern müssen. „Meiner Professionalität als Lehrer bin ich auf jeden Fall schon ein ganzes Stück näher gerückt“, erklärt er. „Die Reflektionsfähigkeit, die man hier erwirbt, ist eine Kernkompetenz, die man für diesen Beruf braucht.“

Wie kommuniziere ich mit meinen Schülern? Wie führe ich ein Elterngespräch? Und wie plane ich eigentlich eine Unterrichtstunde? Im Vordergrund der Ausbildung am Studienseminar Celle steht die Aneignung fachdidaktischer sowie pädagogischer Kompetenzen. „Ohne die 18 Monate Vorbereitungsdienst würde man wahrscheinlich untergehen“, meint Kai Florin. Er unterrichtet Physik und Sport am Ernestinum in Celle. „Als Lehrer werden wir ja quasi auf das wertvollste Gut der Menschheit losgelassen. Hier lernt man, mit dieser Verantwortung umzugehen.“

Im Spannungsfeld zwischen Lehren und Lernen ist das Referendariat aber nicht immer ganz einfach. „Wir sind wie Zwitter“, findet Julia Keunecke, angehende Deutschlehrerin am Hölty-Gymnasium. „Wir bekommen Noten und geben selber welche.“ Denn an ihren Ausbildungsschulen halten die 90 Referendare von Anfang an vollwertigen Unterricht ab – und müssen gleichzeitig in den Fachseminaren selbst noch die Schulbank drücken. „Wir befinden uns in einer eineinhalb Jahre dauernden Prüfsituation“, sagt von Rössing. „Immer beobachtet, immer bewertet.“ „Dabei sind wir erwachsene und vollständig ausgebildete Menschen, die erwarten, in ihrer Persönlichkeit unterstützt zu werden“, fügt Mathematik-Referendarin Larissa Korte hinzu. Man müsse als Lehrer eben sein eigenes Selbstbewusstsein finden, sagt Keunecke mit Nachdruck. „Am wichtigsten ist mir, dass meine Schüler was lernen und dass sie das gerne tun.“

Jana Pospeschill hat ihre Zeit am Celler Studienseminar als durchweg konstruktiv in Erinnerung. „Ich hatte eine hervorragende, individuell auf mich zugeschnittene Begleitung“, erzählt sie. „Es lief immer alles auf Augenhöhe ab.“ Als Lehrerin für Deutsch und Musik hat Pospeschill im Juni die Staatsprüfung abgelegt – und ihre Traumstelle am Immanuel-Kant-Gymnasium in Lachendorf ergattert. „Es ist schon was anderes, wenn man plötzlich kein Referendar mehr ist“, verrät sie und schmunzelt ein bisschen. „Aber ich habe alles gelernt, was ich jetzt in der Schule brauche.“ Sie sehe das Lehren als Berufung an, nicht als Beruf. „Im Umgang mit den Schülern wird es nie langweilig, man lernt immer etwas Neues.“

Von Christina Matthies