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Reportage Auf Kommando lachen bei Kursus des Onkologischen Forums Celle
Mehr Reportage Auf Kommando lachen bei Kursus des Onkologischen Forums Celle
17:54 13.12.2017
Gemeinsam in der Gruppe zu lachen schafft eine Verbindung, haben die Teilnehmer des Lachyoga-Kursus in den Räumen des Onkologischen Forums festgestellt. Quelle: Oliver Knoblich (5)
Celle Stadt

Ina Wedemeyer, seit 2014 ausgebildete Lachyoga-Lehrerin, leitet den Kursus. Schon in unserem ersten Vorgespräch hat sie mir erklärt: „Beim Lachyoga darf jeder sein wie er will, man kann gar nichts falsch machen oder sich daneben benehmen – und wenn doch, macht es ja noch mehr Spaß darüber zu lachen. In unserer heutigen Zeit stehen viele Menschen unter enormen Stress – körperlich, mental und emotional – und haben in ihrem Leben eher weniger Gründe, herzhaft und ausdauernd zu lachen. Dabei reguliert Lachen unsere Stimmung innerhalb von Minuten und alles gelingt besser, wenn wir uns innerlich gut fühlen und gute Laune haben!“

Mit Intensiver Atmung wacher und fitter fühlen

So ganz hat mich die Theorie, über einander zu lachen, nicht überzeugt. Auf der anderen Seite bringen einen Lächerlichkeit, Komik und Albernheit ja tatsächlich oft zum Lachen. Jetzt bin ich gespannt auf die Praxis und stehe im Kreis mit einem Dutzend Menschen – die meisten Ü60 und weiblich – und atme tief ein und aus, bevor die Runde in ein „Ho Ho Hahaha“ einstimmt.

Die Theorie dazu: Beim Lachen wird die Atmung stakkatoartig unterbrochen. Durch ruckartige Bewe-gungen des Zwerchfells wird Atemluft aus der Lunge gestoßen. Generell wird bei den Lachyogaübungen auch intensive Atmung gefördert, so der Sauerstoffgehalt im Gehirn und im Körper verbessert, was dazu führt, dass man sich wacher und fitter fühlen.

Aha, also Atemübungen – die sind Teil von vielen Entspannungsprogrammen – aber was soll das Lachen? Ich öffne also meinen Mund, zieh bei „Hihihi“ meine Mundwinkel automatisch in die Breite und schaue, wie aufgefordert, dabei meinen Mitstreitern ins Gesicht. Und ganz automatisch geraten die Mundwinkel nach oben, zu einem echten Grinsen zwischen „Ha“, „Ho“ und „Hi“, sieht ja auch wirklich lustig aus … wie eine Horde Urmenschen. Mein Kopfkino geht los, meine lachhaften Atemübungen werden zu einem echten Anlächeln. Wir sitzen hier alle in einem Boot, machen uns wenn, dann alle gleichermaßen, zum Narren. Gemeinsam in der Gruppe zu lachen schafft eine Verbindung.

Auch das hatte Ina Wedemeyer prognostiziert: „Man nimmt den positiven Effekt sofort wahr, das Befinden verbessert sich schlagartig. Es ist schön zu sehen, wie sich die Menschen öffnen: Einige Übungen erfordern Mut und Überwindung. Sich einzulassen, verspielt und albern zu sein, ist sehr persönlich, ja intim für Erwachsene. Der Lohn sind Entspannung für Geist und die Seele. Lachjoga ist aber auch körperlich gesund: Forschungen haben belegt, dass durch das Lachen entzündungshemmende und schmerzstillende Substanzen freigesetzt, Stresshormone abgebaut und das Immunsystem gestärkt werden. Der Sauerstoffaustausch im Gehirn wird erhöht, das Herz-Kreislaufsystem in Schwung gebracht, die Atmung verbessert und der Stoffwechsel angeregt. Interessant ist, dass das Gehirn nicht unterscheiden kann, ob wir gespielt oder echt lachen, der positive Effekt ist derselbe.“

Nach der ersten Kursusstunde gibt es eine Pause zum Trinken und Plaudern, und ich nutze die Zeit für ein Gespräch mit Siegrid Jeserich und Maria Weinreich: „Oh ja, es ist immer wieder toll hier und man geht mit so einem entspannten, glücklichen Gefühl hier weg. Wir freuen uns auf jede Runde.“ Ein paar Schritte weiter stehen Ulla und Heiner Ewe. Ja, auch einer von ihnen kämpfe gegen den Krebs – eigentlich beide, denn als Partner sei man ja gleichsam betroffen. Aber nein, wer wie wo krank sei, spiele hier keine Rolle – und sei auch kein Thema. „Das ist ja gerade das Gute. Hier geht es nur um das Wohlbefinden. Den belasteten Alltag und die Sorgen kann man loslassen, dafür stehen Spaß und Wohlgefühl auf dem Plan. Mut und Stärkung, die man auch nach Hause mitnimmt. Wir lachen jetzt ganz bewusst und gezielt viel öfter miteinander.“

Erkrankt zu seinist keine Voraussetzung

Erfahren haben die beiden von diesem Lachyoga-Kursus aus der Zeitung. Ulla hatte es während einer Kur kennengelernt: „Ich fand es so befreiend, dass ich auch hier vor Ort nach so einem Angebot gesucht habe.“ Ähnlich kam auch der Kursus hier zustande: Eine Mitarbeiterin des Okologischen Forums Celle hatte an einem Lachyoga-Kursus bei Ina Wedemeyer teilgenommen und fand es eine gute Idee, speziell auch für Betroffene. Die Kooperation kam zustande und das Forum stellte den Raum zur Verfügung. Erkrankt zu sein war allerdings nie eine Voraussetzung an dem zehnteiligen Kursus mitmachen zu dürfen. „Jeder war willkommen“, so die Kursleiterin.

Von Doris Hennies