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Reportage Celler Sternsinger unterwegs
Mehr Reportage Celler Sternsinger unterwegs
18:41 05.01.2017
Celle Stadt

Das Sternsingen geht auf die Erwähnung der Weisen in der Bibel zurück. Aufgrund der Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe wird von den Heiligen Drei Königen gesprochen. Der Brauch des Sternsingens reicht in Deutschland bis in das 16. Jahrhundert zurück. In diesem Jahr folgten die Sternsinger dem Leitwort „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit“. Die gesammelten Spenden des mittlerweile 59. Dreikönigssingens gehen an notleidende Kinder in Kenia und in andere Projekte in aller Welt. Die Sänger gehen für den guten Zweck von Tür zu Tür. Und dafür sind sie auch bereit, sich während ihrer Ferien auf den Weg zu machen. „Wir wollen armen Kindern helfen“, betont die neunjährige Eva-Lotta, „dafür kann man ja wohl mal singen gehen.“

Seit November proben die Kinder und Jugendlichen für ihren großen Auftritt. Mit der Segnung, die die Sternsinger im Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag erhalten haben, sind sie seit Mittwoch unterwegs. In öffentlichen Einrichtungen, Pflegeheimen, Firmen und auch bei zahlreichen Familien, um in Liedern und Gebeten von der Geburt Jesu, seiner Liebe und Menschenfreundlichkeit zu singen.

Dem Zufall überlassen die Sternsinger nichts. Die Kostüme wurden schon zu Hause angezogen, damit es schnell losgehen kann. Und so stehen pünktlich um 9 Uhr neun „Heilige Drei Könige“ im Pfarrheim. Doch nicht alle tragen eine Krone auf dem Kopf. „Die Sternträger tragen nur ein Tuch“, weiß die neunjährige Rahel zu berichten. Stolz trägt der siebenjährige Peer den langen Stab mit dem großen goldenen Stern vorweg. Für ihn ist die Teilnahme eine Premiere. Zwar sei er etwas nervös gewesen, aber er habe zu Hause jeden Tag geübt. „Da wurde ich immer besser“, erklärt der Siebenjährige. Im vergangenen Jahr noch sei die Gruppe der katholischen Kirchengemeinde Celle auch bei ihm gewesen – und nun ist er selbst unterwegs. Die Aufgabe, den Stern vorweg zu tragen, ist beliebt. Doch welcher nun der begehrteste „Job“ beim Sternsingen ist, da sind sich die Teilnehmer uneinig. „Kaspar ist am beliebtesten", sagt Paul (9), „der hat den wenigsten Text.“

Nebenbei werden noch Schminktipps verteilt. „Zuerst eine Creme auftragen, dann lässt sich die schwarze Farbe leichter entfernen“, erklärt die 13-jährige Maria. Und sie muss es wissen, denn sie ist schon seit acht Jahren dabei. Konrad (7) lässt sich von dieser Erfahrung jedoch nicht beeindrucken und weigert sich partout, unter der schwarzen Schminke noch eine Schicht Creme auftragen zu lassen.

Den Auftakt machen die Sternsinger in der Kindertagesstätte St. Ludwig – ein "Heimspiel" für so manchen Sänger. Denn viele von ihnen haben die Einrichtung selbst besucht. Das motiviert ungemein. Und schon beim ersten Lied „Von Tür zu Tür“ zeigen sie nicht nur ihr Gesangs-, sondern auch ihr Fremdsprachentalent. „Mungu awabariki nyumba hii“ lautet der Refrain, das ist Suaheli, die Landessprache Kenias. Die Zeile bedeutet: „Gott segne dein Zuhause.“ Ihr Bruder Konrad habe die CD, auf denen sich alle Lieder der Sternsinger befinden, in seinem Zimmer immer gehört, sagt Rahel. „Da habe ich mir die Aussprache anhören können“, erklärt die Neunjährige.

„Wer macht den Text?“, geht ein leises Raunen durch die Reihen. „Die Großen zum Anfang“, flüstert die Organisatorin. „Vom Himmel kommt ein Stern daher“, spricht Finja (13) laut und deutlich. Als Sternträgerin leitet sie die Texte der „Heiligen Drei Könige“ ein. Ihren Text haben die Kinder vorher fleißig geübt, aber um nochmal ganz sicherzugehen, bedienen sie sich einer kleinen Hilfe. „Ein Spickzettel“, verrät Eva-Lotta. Aber benötigen tue den eigentlich keiner, denn ihre Gruppe habe mehrjährige Erfahrung. Und tatsächlich: Auf der Rückseite des Sterns blitzt ein kleines weißes Blatt hervor. „Ich stehe direkt neben dem Stern“, ergänzt die Neunjährige lachend. In winziger Schrift ist der Sprechtext abgedruckt, nicht wirklich lesbar, aber er vermittelt ein Gefühl der Sicherheit.

Einmal in Fahrt, sind die Sternsinger nicht mehr zu bremsen. Da wird so kräftig gesungen, dass schon einmal die Gabendose zu Boden fällt oder sich die Krone auf dem Kopf selbstständig macht. Plötzlich kann die Jüngste unter den Königen, die fünfjährige Anna, nichts mehr sehen. Die etwas zu große Krone ist ihr vor die Augen gerutscht. Aber kein Problem für die Fünfjährige – schließlich kann sie ihren Text auswendig. Doch trotzdem bekommst sie schnell Hilfe von einem anderen König, der ihr schnell die Krone wieder richtet.

Auf dem weißen Türrahmen ist die weiße Kreide schlecht zu sehen. Kein Hindernis für die Sternsinger. Kreide ist in jeder Farbe vorhanden, jede wurde eigens vorher gesegnet. Finja hat keine Probleme, die Buchstaben 20*C+M+B*17 mit der roten Kreide zu zeichnen. Bei Paul (9), der gut drei Köpfe kleiner als Finja ist, wird schnell ein Stuhl hervorgezaubert, damit er den Segen über die Tür des Mitarbeiterzimmers in der Kindertagesstätte St. Ludwig schreiben kann. „Christus Mansionem Benedicat“, erklärt Maria, wofür die Buchstaben stehen. „Das heißt: Christus segne dieses Haus“, fügt sie hinzu.

"34 Sternsinger – so viele hatten wir noch nie“, sagt Knolle. Doch damit treten auch schon logistische Probleme auf. Während sich die Kinder in den vorherigen Jahren die Kostüme selbst aussuchen durften, musste diesmal eine feste Zuteilung erfolgen. „Wir hatten genau 34 Mäntel, aber bei den Gewändern mussten wir uns schon welche von den Messdienern leihen“, erklärt die Organisatorin lachend. Sie habe die Kleidungsstücke der Größe nach sortiert und dann die Kinder entsprechend der Größe aufgereiht. Dieses Verfahren erfreute nicht alle Sternsinger zugleich. So erfreut sich der braune Mantel keiner großen Beliebtheit. Auch die Farbkombination grün-blau trifft auf keine große Vorliebe. Doch ein tatsächliches Problem stellt die Kleiderordnung für keinen der Teilnehmer dar.

Nicht nur hierbei ist eine gut durchdachte Logistik gefragt, sondern auch bei der Beförderung der Sternsinger. Am heutigen Tag stehen sieben Pflegeheime, die sich über das gesamte Stadtgebiet erstrecken, auf dem Zettel. Nicht nur für die Kehlen der jungen Sänger ein hartes Programm, sondern auch für ihre Füße. „Wie viele Busse brauchen wir?“, fragt Knolle, „muss noch jemand zusätzlich fahren?“ Auf der kurzen Autofahrt herrscht ausgelassene Stimmung. Obwohl es mittlerweile schon die fünfte Einrichtung ist, die die Sänger an diesem Vormittag ansteuern, singen sie noch voller Elan. Doch im Kleinbus wird nicht „Seht ihr unseren Stern dort stehen“ geübt, sondern der aktuelle Charthit „Holz“ gesungen. Pater Andreas Tenerowicz hat die Kontrolle über das Radio an die jungen Sternsinger abgegeben. „Unser Stern ist ja auch aus Holz“, erklärt Konrad lachend, „dann darf man auch sowas singen.“ Mit runtergekurbelten Fenstern und lauter Musik wird das nächste Pflegeheim angesteuert.

Auf den traditionellen Weihrauch wird an diesem Tag verzichtet. „Der Geruch ist für viele nicht so angenehm“, erklärt Tenerowicz. Doch die Sänger wissen eine andere Erklärung. „In den vorherigen Jahren haben wir den Feueralarm ausgelöst“, erläutert Maria. Bei den folgenden Besuchen bei der CZ, beim Oberlandesgericht, im Kreistag und im Neuen Rathaus werde aber der Weihrauch wieder ordentlich zum Einsatz kommen. Für die nächsten Tage stehen noch die Familienbesuche an. Doch Aufregung stellt sich bei Paul nicht ein. Doch nach kurzem Überlegen fügt er jedoch hinzu: „Vielleicht der Besuch in der Stadtkirche.“ Doch nicht weil dort so viele Menschen seien, sondern weil die Besucher des Gottesdienstes den „richtigen Text bestimmt kennen“.