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Reportage Celler Stimmen für "Luther"
Mehr Reportage Celler Stimmen für "Luther"
16:06 29.03.2017
Celle Stadt

In der Lobetal-Aula in Wietzenbruch zischt und schnalzt es aus rund 200 Mündern. Die Augen konzentriert auf den Mann am Podium gerichtet, die Ohren gespitzt und voller Tatendrang, werden die ersten stimmlichen Aufwärmübungen absolviert. Aus den ambitionierten Sängern wird hier, in der Hauptprobe, zum ersten Mal der gesamte Chor des Luther-Oratoriums zusammengeführt, der in der Congress Union Celle auftreten wird.

„A … E … I… O… U…“: Kirchenmusikdirektor Wolfgang Teichmann von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover hat die Führung übernommen und gibt, nach abgeschlossenem „Warming Up“ den ersten Einsatz für das erste Lied. Der aus Laien gebildete Chor wird in der Aufführung ein Ensemble von 13 professionellen Musicaldarstellern ergänzen – deren Beiträge kommen heute hier vom Band. Im Auftrag der Stiftung Creative Kirche in Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Deutschland und weiteren Partnern haben der Komponist Michael Kunze und der Dramaturg und Texter Dieter Falk dieses neue Oratorium geschrieben und in 20 musikalischen Chorstücken zusammengesetzt. 20 Einheiten, die es jetzt durchzuarbeiten und zusammenzufügen gilt. „… Ein schöner Schluss-Akkord“, lobt der Chorleiter, nur an der Taktung muss man noch feilen – es gab Änderungen im Arrangement des Komponisten, die noch nicht auf allen Notenblätter verzeichnet sind.

„Das Ganze ist eben ein sehr lebendiges, dynamisches Projekt“, kommentiert Ingfried Schawohl amüsiert. „Da gibt es auch von den Machern des Oratoriums noch hin und wieder Korrekturen.“ Schawohl ist Leiter des eigens für die Aufführung entstandenen Projektchors. Dieser bildet mit rund 75 Mitgliedern den Kern des gesamten Oratoriumchors in Celle. Der „Rest“ setzt sich aus anderen Chorgemeinschaften aus der Region sowie verschiedenen Einzelpersonen zusammen. Hier wird der vielschichtige Patchworkteppich jetzt zu einem Ganzen zusammengefügt. Ein gemeinsames Projekt für die Gemeinschaft.

Die Hauptprobe ist, neben der Generalprobe am Vormittag vor der Aufführung, die einzige tatsächliche Gesamtprobe des Chors. Die Vorarbeiten dafür, dass es so überhaupt erfolgreich gelingen kann, wurden in den einzelnen Gruppen seit Monaten erbracht. „Wir haben Anfang 2016 damit begonnen, nachdem wir mit öffentlichen Aufrufen in unterschiedlichen Medien für die Zusammensetzung eines „Projektchors“ zum Lutheroratorium geworben hatten. Mit dem vorliegenden Noten- und Textmaterial begannen wir dann Schritt für Schritt die einzelnen Teile zu erarbeiten“, erklärt Ingfried Schawohl . Zur Veranschaulichung, und um die entsprechenden Einsätze üben zu können, gab es den Part der Profis und der Musiker von Anfang an auf CD. Auch jetzt füllen Gesang, Text und Musik von der Scheibe die „Lücken“ zwischen den Choreinsätzen und liefern so die Einsätze, die speziell geprobt werden.

„Die meisten der Sänger haben bereits in Hannover mitgesungen – es ist tatsächlich wie ein Fieber, das ansteckt und das man nicht missen möchte“, so Schawohl. Auch seine Frau Anja gehört dazu und unterstützt ihn – ehrenamtlich wie er selbst – vor allem was die Organisation betrifft. „Es macht mich doch stolz, dass die jüngste und die älteste Sängerin, die in Hannover schon dabei waren, aus unserem Celler Projektchor sind. Überhaupt ist dieses Mitsingprojekt wunderbar generationsübergreifend."

Mit Mariska – mit sieben Jahren die Jüngste – singen ihre beiden Geschwister und ihre Mutter im Chor. „Ich finde es so aufregend mit all den vielen anderen vor Publikum zu singen. Das hat richtig Spaß gemacht, und auf den Auftritt in Celle freue ich mich besonders, weil da noch mehr Freunde und Leute im Publikum sitzen, die uns kennen.“ Ingrid Radzuweit ist mit 87 die älteste Sängerin. „Ich hatte zuerst Zweifel, ob ich das auch wirklich schaffe. Es ist ja nicht nur der Gesang, sondern auch die lange Zeit zu stehen, die Kondition verlangt. Aber die Aufgabe hat mich so gereizt, dass ich nicht widerstehen konnte und jetzt bin ich sehr froh, dass ich es gewagt habe. Das gibt einem auch mental Kraft und ist eine Bestätigung, was man noch alles angehen kann. Also ruhig mal was Neues angehen und sich trauen.“

Von Doris Hennies