Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Reportage "Das war eine Geile Zeit"
Mehr Reportage "Das war eine Geile Zeit"
18:05 26.01.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Auf einer Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern und mit einem Angebot von 10.725 Artikeln hält die 51-jährige Betreiberin, Maike Premper, die letzte Videothek Celles am Laufen. Seit 2012 führt sie das Geschäft an der Welfenallee und verleiht neben Filmen und Spielen auch Beamer und verkauft Snacks und Getränke für einen entspannten Filmeabend.

„Der Einbruch für alle kam vor allem im letzten Jahr. Durch das Internet und Angebote wie Amazon Prime oder Netflix“, sagt Premper. Begonnen hatte der Niedergang der Branche schon früher. Bereits als Premper 2005 in die Branche mit den verleihbaren Filmen einstieg, hatten ihre Bekannten Sorgen. „Es gab damals schon welche, die gefragt haben, ob ich mir das wirklich antun will. Ja, habe ich diesen Leuten gesagt, weil es mir einfach Spaß macht.“

Premper ist ein herzlichen Mensch, der den freundlichen Kundenkontakt braucht, um sich bei der Arbeit wohlzufühlen. So wird auch fast jeder Kunde, der bei ihr in die Filiale kommt, geduzt. „Ich bin einfach vom Typ her sehr locker und es ist sehr familiär geprägt. Das ist hier ja nicht so wie im klassischen Einzelhandel.“ Prempers offene Art spiegelt sich auch in ihrem Laden wieder: Helle weite Gänge durchzogen von vielen bunten Covern der Filme und Spiele, die sie verleiht, zeichnen die freundliche Atmosphäre ihres Verleihs aus.

Gerne erinnert sie sich zurück an früher, als die Videotheken noch so voll waren, dass man an den Wochenenden zu zweit hinter der Theke stand und die Kunden eine Schlange durch den ganzen Laden bildeten, um sich die neuesten Filme auszuleihen. Heute stehen Premper und ihre drei Angestellten auch am Wochenende jeweils allein in der Videothek. Nur ihre beiden Hunde leisten Premper hinter dem Tresen Gesellschaft, während sie auf Kunden wartet.

„Früher kamen die Leute nicht nur zum Leihen, sondern auch zum Quatschen. Man hat mit den Stammkunden über alles mögliche geredet. Der ein oder andere Kunde kam auch mal mit persönlichen Dingen zu einem. Das war eine geile Zeit. Dann kam das Internet.“ Doch das persönliche und familiäre seien die Gründe, weshalb die Kunden auch heute noch kämen. Und nicht zu letzt profitieren nicht alle Menschen vom Internet: Kunden wie Melanie Dürsel zum Beispiel. Sie bedauert die Entwicklung der letzten Jahre. „Das Internet macht alles kaputt und die Leute, die kein Internet haben, gucken in die Röhre. Ich selbst habe nur Internet auf dem Handy und würde es deshalb sehr schade finden, wenn diese Videothek auch noch pleite geht.“

Auch der 17-jährige Janos Büsing kommt nach der Schule gerne in die Videothek von Premper, um sich Filme zu leihen. „Ich komme regelmäßig, weil ich einen Beamer zu Hause habe. Deshalb nützen mir Online-Angebote nichts, weil das Internet in Nienhagen zu schlecht ist und die Qualität der Filme, die ich über das Internet schaue für den Beamer nicht ausreicht.“

Andere Kunden, die die Angebote von Anbietern wie zum Beispiel Amazon Prime ausprobieren, kämen teilweise auch zur Videothek zurück, sagt Premper. „Es gibt einige, die diese Dienste ausprobieren und dann merken, dass die neuesten Filme meist gar nicht so schnell zugänglich sind, wie sie dachten, oder, dass diese dann noch einmal extra Geld kosten. Doch diese Leute sind in der Minderheit.“

In Zukunft würden wohl immer mehr Menschen ihre Filme über das Internet schauen. „Alles hat sich verändert. Am Anfang habe ich gedacht, ich mache das bis zur Rente. Heute befürchte ich, dass das nichts mehr wird.“