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Reportage Die Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum in Celle
Mehr Reportage Die Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum in Celle
16:41 22.12.2016
Celle Stadt

Den richtigen Weihnachtsbaum für die liebe Familie zu finden, ist gar nicht so einfach. Er soll so groß sein, dass er gut ins Wohnzimmer passt. Die Nadeln sollen frisch riechen, kräftig grün leuchten und dürfen nicht zu schnell abfallen. Die Zweige müssen gleichmäßig gewachsen sein, damit die Christbaumkugeln an ihnen baumeln können. Und auch die Spitze sollte wie eine erhabene Krone aussehen. Natürlich muss auch entschieden werden, welche Baumart in diesem Jahr die auserwählte sein soll. „Am meisten werden die Nordmanntannen gekauft“, erklärt Hauke Lehmann. Seit mittlerweile elf Jahren bietet er auf seinem Bauernhof in Klein Hehlen eine große Auswahl an Weihnachtsbäumen an. „Die Blautanne wird aber immer beliebter, weil sie einen angenehmen Duft nach Wald und einem Hauch Zitrone im Raum verströmt“, ergänzt der Senior-Chef Hans Hermann Lehmann. Im Durchschnitt sind die gekauften Bäume zwischen 1,80 Meter und zwei Metern groß. Manchmal werden sogar fünf Meter hohe Bäume verkauft.

Dritte Anlaufstelle des Tages

Erst am Wochenende vor Heiligabend machen sich die meisten Leute auf Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum. „Ich bin schon seit dem Vormittag unterwegs und das ist hier meine dritte Stelle, wo ich einen Baum suche“, erzählt Matthias Seiring, der den Baum für seine Familie aussucht. Der anspruchsvolle Weihnachtsbaumkäufer soll dieses Jahr einen kleineren Baum mit nach Hause bringen, unter dem aber trotzdem alle Geschenke Platz finden sollen. Entschieden hat er sich am Ende für eine 1,80 Meter hohe Nordmanntanne, die nicht zu breit gewachsen ist und genug Abstand zwischen den Zweigen für die Lichterkette und Kugeln bietet.

Nachdem die Tanne erfolgreich ausgesucht wurde, bringt Seiring sie zu Hasan Aykurt, der den Baum mit einer Säge anspitzt, damit er in den Weihnachtsbaum-Ständer passt. Da packen auch die Lehmanns mit an. Anschließend wird der Baum in einem Netz verpackt, um ihn handlich für den Transport zu machen.

Einzelne Äste werden genau justiert

Ihren Baum verpackt hat auch schon Ulrike Hentrich, die mit ihrem Mann und den beiden Söhnen Richard und Arvid zum Bauernhof Lehmann gekommen ist. „Der Baum hat zu uns gesagt, dass er der richtige ist. Also haben wir den mitgenommen“, erklärt Michael Eberle. Der Weihnachtsbaum wird im Wohnzimmer der Familie aufgestellt und gemeinsam mit roten und weißen Kugeln und Holzdekorationen geschmückt. „Oft bearbeiten wir den Baum vor dem Schmücken, damit er perfekt zu uns passt. Da wird ein Ast an einer Stelle abgesägt und an einer anderen wieder am Stamm befestigt“, so Hentrich.

Sohn Richard hat eine ganz besondere Geschichte zu erzählen. Der Elfjährige hat vor einigen Jahren einen kleinen Baum mit halb vertrockneten Wurzeln auf der Straße gefunden. „Alle haben gesagt, dass der Baum das nicht überleben wird“, erzählt der Junge, der seinen Fund zuerst in der Sandkiste eingepflanzt, gegossen und liebevoll gepflegt hat. Wie durch ein Wunder wuchs der Baum und überlebte von Jahr zu Jahr. „Jetzt ist er sogar schon so groß wie ich“, sagt Richard stolz. Ihren Weihnachtsbaum sucht die Familie jedes Jahr zusammen aus, das ist inzwischen Tradition.

„Oft haben die Frauen das letzte Wort bei der Baumauswahl“, weiß Hans Hermann Lehmann. „Oder die Männer kommen alleine“, ergänzt sein Sohn Hauke Lehmann. Die beiden erzählen, dass eine Nordmanntanne etwa acht bis zehn Jahre wachsen muss, bis sie auf dem Hof verkauft wird. Hans Hermann Lehmann gibt Tipps, wie der Weihnachtsbaum lange schön und frisch bleibt: „Der Baum sollte nicht zu nah an der Heizung stehen und auch möglichst keine Zugluft abbekommen. Am besten wird er lange draußen liegen gelassen. Optimal wäre es, den Baum alle zwei Tage feucht abzuspritzen, da über die Nadeln das Wasser am besten aufgenommen wird.“

Einzelne Männer oder Frauen, Familien mit Kindern oder ganze Gruppen aus über dreißig Personen – auf dem Bauernhof Lehmann in Klein Hehlen treffen sich viele Leute, um ihren Lieblingsbaum zu finden. In den ganzen Jahren erleben die Lehmanns immer wieder kuriose Geschichten. Einmal kam ein Mann auf den Hof, der eigentlich schon einen Weihnachtsbaum nach Hause gebracht hatte.

Frau zerschlägt Baum mit Axt

„Seine Frau war aber so wütend, dass sie den Baum mit einer Axt zerschlagen hat“, erzählt der Senior-Chef. Es musste natürlich ein neuer Baum her, den der Mann bei den Lehmanns gefunden hat. „Danach ist er jedes Jahr wiedergekommen“, so Hans Hermann Lehmann. Manchmal kommen auch abends, wenn es schon dunkel ist, Leute, die einen Baum kaufen wollen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet machen sie sich auf den Weg und leuchten durch den Bestand und die schon gefällten Bäume. Ob der gefundene Baum bei Tageslicht auch so gut aussieht, wie im Schein der Taschenlampe bleibt fragwürdig. „So haben wir schon einige Bäume verkauft, die wir niemals ausgesucht hätten“, meint Hauke Lehmann und lacht.

Extra Baumhülle für das Auto

Transportiert werden die Tannenbäume häufig mit dem Auto. Manche Menschen holen ihren Lieblingsbaum aber auch mit dem Bollerwagen, mit dem Fahrrad oder sogar zu Fuß ab. Familie Wieczorek schiebt ihren ausgesuchten Baum vorsichtig in den Kofferraum ihres Autos. Sie haben sogar eine spezielle Tannenbaumhülle, die das Autoinnere vor Verschmutzung schützt. Wie etwa 80 Prozent der Käufer haben sie sich für den ersten Baum entschieden, den sie in der Hand gehalten haben. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Joachim Wieczorek, der den Baum am Stamm festhält und ihn langsam dreht, sodass seine Frau ihn von allen Seiten begutachten kann. „Wichtig war, dass der Baum in unser Wohnzimmer passt und nicht zu viel Platz wegnimmt“, erzählt Ursula Wieczorek, während sie an ihrem heißen Glühwein nippt. Bei Temperaturen von knapp über null Grad wärmen sich die Wieczoreks mit einer warmen Bratwurst und einer heißen Tasse Glühwein am Lagerfeuer auf. Weihnachtliche Musik ertönt aus einer Lautsprecherbox und mit Blick auf die noch nicht verkauften Weihnachtsbäume kehrt weihnachtliche Stimmung auf den Hof. Ab und zu schleicht eine rot-getigerte Katze zwischen den Bäumen und den Besuchern hin und her. Mit einem leisen „Miau“ hofft sie auf ein kleines Stück der saftigen Bratwurst.

Von Marie Schiller