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Reportage Die etwas andere Modenschau
Mehr Reportage Die etwas andere Modenschau
13:06 05.12.2018
Mit viel Freude liefen die Damen während der Modenschau in der Paul-Klee-Schule über den Laufsteg. Quelle: Doris Hennies
Celle

Tief durchschnaufen, Kopf hoch, Rücken gerade – und los: Corinna Hanke schreitet über den roten Teppich des Laufstegs in der Aula der Paul-Klee-Schule in Celle. Applaus brandet auf, sie stellt sich in Pose, lächelt, dreht sich und schlendert – von Kopf bis Fuß ein Model – wieder zurück. Kaum ist sie durch den Vorhang, zeigt sich ein ganz anderes Bild: Aufregung, Hektik, ein kreatives, aber auch angeregtes Durcheinander. Corinna schlüpft aus den hochhackigen Schuhen, knöpft im Laufen die Jacke auf. Schnell geht sie zum Kleiderständer – erst raus aus dem alten, dann rein ins neue Outfit. Die Modenschau der drei Celler Secondhand-Geschäfte „Neufundland“, „Kaufladen“ und „Allerhand“, getragen vom Verein „MitWirkung“, ist in vollem Gange. Der Saal ist ausverkauft – etliche Gäste müssen sich mit Stehplätzen begnügen.

Es ist die fünfte Modenschau, die der gemeinnützige Verein auf die Beine gestellt hat – mit zunehmend wachsendem Zuspruch. „Wir wollen in erster Linie damit zeigen, dass man auch für wenig Geld modisch und gut angezogen sein kann“, so Koordinatorin Beate Hörnemann. „Secondhand ist in. Längst sind Sachen aus zweiter Hand nicht mehr nur für Menschen, die sich Neues nicht leisten können. Mit dem wachsenden Bewusstsein für knapper werdende Ressourcen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit hat 'Wiederverwertung' einen ganz neuen Stellenwert bekommen“. Alles, was auf dem Laufsteg gezeigt wird, stammt aus dem Fundus der drei Celler Geschäfte – und der füllt sich über gespendete Sachen stets aufs Neue. „Worüber wir sehr froh sind. Es ist eine Win-win-Situation. Die einen wissen, dass ihre vielleicht mal geliebten Stücke nicht im Reißwolf landen, sondern andere Menschen froh machen – und die anderen bekommen die Chance, für wenig Geld ein modernes, individuelles Outfit zu erwerben.“

Viele Menschen
sind Stammkunden

Gudrun Frischmuth ist an der Reihe, lächelnd präsentiert sie ihre „Alltagskombination“, schält sich aus dem Mantel, präsentiert die Handtasche. Sie ist schon ein „alter Hase“ in Sachen Model und von der ersten Schau an dabei. Seit acht Jahren gehört sie zum Team der Ehrenamtlichen im Kaufladen in der Blumlage. „Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass man freiwillige Helfer sucht. Meine Kinder waren aus dem Haus, ich suchte eine sinnvolle Aufgabe für mich – also hab ich mich gemeldet, mir die Sache angesehen und drei Tage „Probe gearbeitet“, hat prima geklappt. Es macht auch heute noch viel Spaß. Viele Menschen kommen als Stammkunden in den Laden. Bei uns gibt’s ja auch ’ne Tasse Kaffee für einen Plausch. Die Arbeit hier hat mich selbstbewusster gemacht und sie dient – fast nebenbei – auch noch einem guten Zweck. Was will man mehr?“ Die Rentnerin aus Steinhorst arbeitet jeden Donnerstagvormittag und jeden zweiten und dritten Samstag im Monat. Der Anfahrweg ist ihr dafür nicht zu weit. „Ich verbinde es meist mit einem Besuch bei meiner Mutter im Pflegeheim.“

Von den Schuhen bis zum Hut ist alles, was präsentiert wird, aus den Spendenkartons, die das Team an den Vorbereitungsabenden zusammengetragen und mit viel Spaß durchsucht hat, um die besten, passendsten Zusammenstellungen zu finden. Im Anschluss an die Modenschau ist alles zu erwerben – selbst die Kunstperlenkette gehört dazu. Der Komplettpreis für jedes Ensemble wird vom Conférencier des Abends – Gunnar Schleipen – stets angekündigt. Es sind Preise von 20 bis 30 Euro. „So ist es einfacher“, erklärt Beate Hörnemann. Wer einen Teil des Ganzen nicht haben möchte – etwa weil die Schuhgröße ihm nicht passt –, der gibt es einfach an den Fundus zurück. Mantel, Hose und Oberteil sind auch so zu diesen Preisen ein Schnäppchen. Auf dem Programm der diesjährigen Modenschau stehen Landhausmoden, Alltagsensembles, Abendroben. Zwischenrein zeigt die dem Verein angegliederte „Kostümwerkstatt Alte Schmiede“ ihre selbst geschneiderten Arbeiten aus dem Mädchen- und Frauenprojekt. Und Schülerinnen der GS Winsen präsentieren individuelle Taschen aus ihrem „Upcyclingprojekt“.

„Recycling und Upcycling“ sind voll im Trend. Nicht nur Schnäppchenjäger haben dieses Revier für sich entdeckt. Junge Leute schätzen die ausgefallenen Stücke für wenig Geld, Individualisten stellen sich daraus ihren persönlichen „Style“ zusammen. Zwischen all den Sachen kann man immer etwas finden, das in den Mainstream-Kollektionen aktueller Mode gerade nicht vorhanden ist. Heute ist es Menschen nicht mehr peinlich, „getragene“ Kleidung anzuziehen. Heute kann man ganz selbstbewusst zu Secondhand stehen.

Corinna Hanke lässt sich hinter der Bühne ein letztes Mal in ein Cocktailkleid helfen. Seit April 2017 gehört sie zum ehrenamtlichen Team im jüngsten Laden „Allerhand“ in Vorwerk. „Das Thema Mode und die Beratung unserer Kunden macht mir viel Freude. Ich wollte schon lange dabei sein. Als sie Helfer für den neuen Laden suchten, hab' ich mich sofort gemeldet – und es noch keine Minute bereut. Es ist jedes Mal wieder spannend, die gebrachten Tüten und Kartons auszupacken. Ich staune immer wieder, was wir für tolle Sachen haben – und das eingenommene Geld fließt in soziale Projekte. Das ist doch genial.“ Bärbel Sachmerda von „Bärbel’s Haarmoden“ zupft noch ein letztes Mal an Corinnas Frisur und trägt zwei Pinselstriche Puder auf – dann kann sie raus ins Rampenlicht. Auch das Friseur- und Make-up-Team gehört zum Kreis all derer, die die Modenschau unterstützen und möglich machen – unentgeltlich.

Neun Models haben an diesem Abend 50 Outfits gezeigt. 570 Euro Erlös wurden eingenommen. Die sind an den Schulverein der Paul-Klee-Schule gegangen – zur Unterstützung von Schülerprojekten. Bei 2 Euro Eintrittsgeld und den günstigen Ensemblepreisen ist das eine ganze Menge.

Immer ehrenamtliche
Hilfe gesucht

„Mit der Modenschau wollen wir hauptsächlich auf unsere Läden aufmerksam machen. Auch dort werden die Einnahmen – abzüglich der Erhaltungskosten – regelmäßig auf soziale Einrichtungen verteilt. Die Menschen in den Teams arbeiten alle ehrenamtlich – in der Regel etwa drei bis vier Stunden einmal in der Woche. Wir freuen uns über jede Spende – auch im Haushaltswarenbereich – und können immer weitere Unterstützung gebrauchen. Gerade jetzt suchen wir dringend jemanden, zumindest als Aushilfe, der uns im 'Neufundland' unterstützt – dort gibt es wegen Erkrankung eine Lücke, die wir schließen möchten“, so Beate Hörnemann.

Kontakt

Fragen und Meldungen über
Telefon (05141) 8879773 oder
(0172) 9185034.
Weitere Infos über Hompages
www.neufundland-celle.de
www.kaufladen-celle.de
www.allerhand-celle.de

Von Doris Hennies

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