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Reportage Djursland: Wo Dänemark noch „wild“ ist
Mehr Reportage Djursland: Wo Dänemark noch „wild“ ist
11:13 09.09.2016
Von Michael Ende
Celle Stadt

Wenn Lars Engelbrechtsen seinen Kutter „Signe“ aus dem Hafen von Grenaa steuert, dann ist der Fischer zu Hause in seiner „guten Stube“. Hier in der Kattegatt (Katzenloch) genannten Meerenge zwischen Dänemark und Schweden kennt er jede Sandbank und jedes Riff – auch die ganz modernen. Zielstrebig hält Engelbrechtsen auf den neuen Windpark zwischen dem Festland und der Insel Anholt zu, stoppt in gebührendem Abstand von den Windmühlen und drückt auf die Hupe seines Kutters.

Sofort wirft das halbe Dutzend Angler, die den Tag auf der „Signe“ genießen, die Leinen aus. Spannende Sekunden, während die Köder in die Tiefe rauschen. Kurze Zeit später zappeln die ersten Fische an Deck: Dorsche, Makrelen, Köhler, Schollen, Knurrhähne, Heringe und giftig dreinblickende Petermännchen. Die Petrijünger freuen sich über den prima Fang, doch der alter Seebär Engelbrechtsen bemüht sich, ein bisschen verdrießlich dreinzublicken: „Pah. Das ist noch gar nichts. Vorgestern haben wir viel mehr gefangen.“ Leise pfeifend dreht er am Steuerrad und fährt zur nächsten Fangstelle in Sichtweite der Küste von Djursland.

Die dänische Halbinsel Djursland und das Kattegatt sind nur einen Katzensprung von Deutschland entfernt. Das 250 Kilometer lange blaue Band der abwechslungsreichen Küste bildet den Rahmen für eine reizvolle Landschaft mit dem Nationalpark Mols Bjerge und charmanten Städtchen, die zu einem Besuch einladen. Nur an wenigen anderen Orten in Dänemark findet man diese faszinierende Kombination aus hügeliger, von der Eiszeit geformten Landschaft, weiten Sand- und Kieselstränden und einer Natur, die geradezu „wild“ zu nennen ist.

Der 180 Quadratkilometer große Nationalpark Mols Bjerge wie geschaffen für Wanderungen, ausgedehnte Fahrradtouren oder Schwimmen und Sonnenbaden am Strand. Hier gibt es markierte Wanderwege, neu angelegte Fahrradwege und mehr als 100 Badestrände für jeden Geschmack. Ganz besonders urig lässt sich die Landschaft hoch zu Ross erleben. Wer zum Beispiel auf den wackeren Isländern des idyllischen Reiterhofs Vinkærgaard bei Krakær unterwegs ist, reitet durch Wälder und Wiesen, über sonnenbeschienene Hochebenen und durch dunkle Täler, töltet durch das seichte Wasser am Strand – ein unvergessliches Erlebnis.

Wer eher auf moderne „Action“ steht, wird im Djurs Sommerland, Skandinaviens größtem Freizeitpark seiner Art, fündig. Hier gibt es acht Themenländer, Dänemarks größte Achterbahnen, den riesigen Aqua-Park und mehr als 60 Attraktionen für kleine und große Spielkinder. Ein Tipp für einen Regentags-Ausflug ist der Randers Regnsskov. Dieser Regenwald ist eine der größten Touristenattraktionen Dänemarks. Hier können Besucher unter den gewaltigen Kuppeldächern die Regenwälder aus Südamerika, Asien und Afrika erleben. In diesem Mini-Universum wandelt man bei authentischem Tropenklima zwischen Riesenlianen, Brettwurzelbäumen, tosenden Wasserfällen und über 250 verschiedenen Tierarten.

Unterwasser-Abenteuer warten im Kattegatcentret in Grenaa. Ganz egal, ob Besucher es bevorzugen, alles von trockenem Grund aus zu beobachten oder sie lieber selbst ins tiefe Wasser zu den Haien eintauchen möchten – das Kattegatcenter hält ein Meer von Erlebnissen bereit. Hier gibt es über 250 verschiedene Tierarten aus der ganzen Welt - von faszinierenden Haien, flotten Heringen und bissigen Seewölfen bis hin zu farbenprächtigen Korallenriff-Bewohnern, giftigen Rotfeuerfischen und putzigen Seehunden.

Inoffizielle Hauptstadt Djurslands ist Ebeltoft. Schiefe Fachwerkhäuser, Kopfsteinpflaster und ungezählte blühende Stockrosen machen Ebeltoft zu einer der sehenswertesten Städte des Landes. Die Stadt erhielt Ihre Handelsstadtprivilegien im Jahre 1301, und sie ist damit Djurslands älteste Handelsstadt. Das stimmungsvolle Städtchen, das auf einer Anhöhe über der Bucht von Ebeltoft liegt, ist zu Recht ein Magnet für Touristen. Hier finden sie viele kleine Geschäfte, Kunsthandwerk und zahlreiche Modeboutiquen sowie viele ausgezeichnete Restaurants. In den schmalen Gassen der Stadt gibt es im Sommer auch an Abend ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm.

Ebeltoft hat mehrere Hafenbecken. Im Museumshafen liegt die historische Dreimast-Fregatte „Jylland“, mit 71 Metern das längste erhaltene Schiff seiner Art – ein maritimes Pendant zum Rathaus der Stadt, das als kleinstes Rathaus der Welt gilt. Ein Streifzug durch Ebeltoft wird schnell zu einer Zeitreise durch die Jahrhunderte. Stationen wie das original erhaltene alte Färber-Anwesen, das sich inmitten der Altstadt von der Hauptgasse bis hinunter zum Hafen erstreckt, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Eines fällt dem deutschen Besucher in Djursland auf: Ganz anders als beispielsweise an der dänischen Westküste sieht und hört man kaum andere Deutsche. Touristen stammen überwiegend aus Norwegen oder Dänemark selbst – und das ist ein gutes Zeichen. Die Dänen scheinen zu wissen, wo ihr Land am schönsten ist. Djursland gehört zweifellos zu den interessantesten Gegenden des Königreichs unter dem Dannebrog. Wer es entdecken will, sollte es bald tun – bevor sich der gemütliche Geheimtipp zum überlaufenen Renner entwickelt.

Michael Ende