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Reportage Doppeltes Glück im Kreißsaal
Mehr Reportage Doppeltes Glück im Kreißsaal
21:19 18.08.2010
Hebamme Katrin Lutz zeigt Papa Frank Thölke, wie er seine Frau Sandra während der Wehen unterstützen kann. Quelle: Torsten Volkmer
Celle Stadt

An der Tür ein großes Bild von Mama mit dickem Bauch. Daneben ein Schild „Bitte einmal Klingeln“: Schon öffnet sich die Tür zum Kreißsaal, Hebamme Katrin Lutz hat heute Dienst. Sie strahlt, denn was heute noch bevor steht, ist auch für das geübte Kreißsaal-Team ein schöner Moment. Heute sollen Zwillinge auf die Welt kommen. Die werdenden Eltern sind schon im gelben Kreißsaal und richten sich langsam darauf ein, dass sie in wenigen Stunden ihre süßen Kleinen im Arm halten werden. Doch bevor die zwei Mädchen das Licht der Welt erblicken können, liegt noch ein anstrengender Weg vor Mama Sandra und Papa Frank Thölke.

„Nach intensiven Beratungsgesprächen mit dem Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Berghorn, haben wir uns dafür entschieden, die Zwillinge nicht wie es häufig bei Mehrlingsgeburten gemacht wird, per Kaiserschnitt holen zu lassen, sondern es auf natürlichem Weg zu versuchen. Wir glauben einfach, dass der Weg einer natürlichen Geburt für uns als Eltern gut und richtig ist und für die Kinder sinnvoll ist. Das wollen wir nicht missen und solange die Chance besteht, dass es auf natürlichem Weg klappen kann, wollen wir diese auch gerne wahrnehmen“, erklärt Sandra Thölke. Um ihren großen, prallen Bauch sind zwei CTG-Knöpfe aufgespannt, die die Herztöne überwachen, während die Wehen langsam anfangen stärker zu werden. Ein kurzer Blick zum Papa genügt und schon steht Frank Thölke an der Seite seiner Frau und nimmt ihre Hand. Sie atmet schwerer, das CTG schlägt aus. Dann – nach etwa einer Minute – ist es wieder vorbei. Sandras Gesichtszüge entspannen sich.

Werdender Papa steht

seiner Frau bei

Hebamme Lutz nutzt die Gelegenheit, um dem Papa zu zeigen, wie er seiner Frau bei der nächsten Wehe helfen kann: „Vielen Frauen hilft es, wenn Sie sie während der Wehe am Steißbein massieren. Denn dort oder auch in den Oberschenkeln spüren sie die Wehe oft besonders intensiv. Vielleicht versuchen Sie es mal mit dem Igelball“, erklärt sie Frank, der sich sichtlich über den Rat freut.

Denn dass Sandra seine Unterstützung gut gebrauchen kann, weiß er nur zu gut: Sie ist mit ihren Zwillingen bereits in der 37. Schwangerschaftswoche. Eine reife Leistung für eine werdende Mehrlingsmama, ihre Kleinen so lange im Bauch zu behalten. Denn die Mädchen haben in den letzten Wochen kräftig an Gewicht zugelegt und sollen beide knapp 2800 Gramm wiegen. Da hatte Mama Sandra eine ganze Menge mit sich herum zu schleppen.

„Ich bin unglaublich stolz auf meine Frau, dass sie das bis jetzt alles so toll und tapfer durchgestanden hat. Da werden wir die Geburt jetzt auch noch gut schaffen. Auch wenn wir beide natürlich sehr aufgeregt sind. Das sind unsere ersten Kinder und wir wissen nur aus Erzählungen, was uns noch bevor steht. Wir fühlen uns hier aber sehr gut aufgehoben. Die Hebammen und Ärzte sind immer da, wenn wir Fragen haben oder Hilfe brauchen. Das gibt schon sehr viel Sicherheit“, erklärt der werdende Papa.

Währenddessen im Hebammenzimmer: Die diensthabende Kreißsaalärztin Dr. Juliana Gekas und die Hebammen besprechen das weitere Vorgehen an diesem Tag. Die Patienteninnenakten werden gemeinsam besprochen. Dr. Gekas will sich an diesem Tag vom OP-Dienst befreien lassen, um ganz für die bevorstehende Zwillingsgeburt da sein zu können. Ein Kollege springt für sie ein.

Danach macht sich Hebamme Lutz auf den Weg zu den Thölkes: Die Wehen werden langsam stärker, jetzt kann Sandra während der Wehe nicht mehr sprechen. Sie ist völlig auf sich konzentriert und atmet tief, bis der Schmerz nachlässt. „Was halten Sie denn davon, wenn wir versuchen, ihre Wehenarbeit mit Hilfe von Akupunktur ein wenig zu unterstützen? Wenn wir die Nadeln gezielt setzen, können wir damit nämlich die Wehenaktivität fördern und auch etwas gegen den Schmerz tun“, schlägt die erfahrene Hebamme vor.

Sandra ist sofort einverstanden. Vorsichtig setzt Lutz die Nadeln an der richtigen Stelle. „Das tut überhaupt nicht weh, man muss nur aufpassen, wo die Nadeln sind, damit ich mich nicht darauf lege“, erklärt Sandra Thölke ihrem Mann.

Die Hebamme setzt sich einen Moment zu den Beiden. Einfach da sein und Sicherheit geben, das ist manchmal auch sehr wichtig. „Als Hebamme arbeiten zu können ist schon etwas Besonderes, da ist kein Tag wie der andere. Aber genau das ist auch das Aufregende. Dabei bedeutet es längst nicht, dass hier im Kreißsaal alle fünf Minuten ein Baby zur Welt kommt. Das dauert seine Zeit und unsere Aufgabe ist es, die Frauen und ihre Partner in dieser Zeit zu begleiten, ihnen Sicherheit zu geben. Das ist unwahrscheinlich wichtig. Dabei ist es ganz unterschiedlich, was den Frauen während der Geburt gut tut. Einigen hilft es, wenn wir möglichst intensiv und lange bei ihnen sind. Andere genießen es, auch einmal einen Moment alleine mit ihrem Partner zu sein. Wichtig ist nur, dass die Frau sich bei uns geborgen fühlt. Nur so kann sie loslassen“, erklärt Lutz.

Am Nachmittag dann der Schichtwechsel beim Kreißsaalteam: Hebamme Lutz kommt mit ihrer Kollegin Wiebke Suppe zu Sandra und Frank Thölke. Dort stellt Lutz den beiden ihre neue Ansprechpartnerin vor. „Wir haben es als sehr angenehm empfunden, dass beim Schichtwechel noch einmal beide Hebammen zu uns gekommen sind. So konnten wir uns nochmal mit beiden unterhalten“, erklärt Sandra.

Erschöpft aber glücklich:

Immer tief atmen

Man sieht ihr an, dass sie schon einige Stunden stärkere Wehenschmerzen hinter sich hat. Sie sieht erschöpft aber immer noch glücklich aus. Am CTG hört sie wieder eine Wehe kommen, nimmt die Hand ihres Mannes und beginnt tief zu atmen. So wie sie es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hat. Suppe bleibt so lange ruhig neben der Patientin stehen und wartet, bis die Anspannung sich löst und die Wehe wieder vorbei ist.

Die Wehen kommen jetzt in deutlich kürzeren Abständen. Die Geburt naht. Langsam packen die Hebammen zwei kleine Erstlingspakete aus: Body, Strampler und Mützchen liegen bereit für den Thölke-Nachwuchs.

Am nächsten Morgen findet man zwei überglückliche Eltern auf der Neugeborenenstation im Familienzimmer wieder. Papa Frank konnte bei seiner Frau und seinen Kindern übernachten. Müde sehen Sandra und Frank zwar aus, aber sie strahlen bis über beide Ohren. Jeder hält ein kleines Mädchen im Arm, das zufrieden und friedlich schläft und dabei manchmal kleine Sauggeräusche macht. „Hannah und Emilia geht es prächtig. Sie sind beide fit und gesund. Sogar so fit, dass sie gerne mal die Nacht zum Tag machen und fröhlich in ihren Bettchen schmatzen, während wir eigentlich schlafen wollen. Aber das macht nichts. Wir sind sehr glücklich, dass sie da sind und das alles so prima geklappt hat. Diesen Tag werden wir wohl niemals vergessen“, strahlt Mama Sandra.

Von Janine Jakubik