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Reportage Eine Runde Ultimate Frisbee beim MTV Eintracht Celle
Mehr Reportage Eine Runde Ultimate Frisbee beim MTV Eintracht Celle
05:13 21.02.2018
Das Ultimate Frisbee nichts mit "ein-bisschen-die-Scheibe-hin-und-her-werfen" zu tun hat, bekam CZ-Volontär Michael Ottinger von Fabian Fleischer (rechts) beigebracht.   Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Die weiße Scheibe fliegt durch die Nacht. Sie beschreibt eine leichte Kurve, bevor sie sich Richtung Erde senkt. Mein Blick ist auf das runde Plastik fixiert. Ich renne, die kalte Luft brennt in meinen Lungen. Schweiß rinnt mir in die Augen, obwohl das Thermometer Temperaturen um die null Grad anzeigt.

Kurz bevor das tellerförmige Wurfgeschoss auf den Boden aufschlägt, klatschen meine Hände zusammen – in der Mitte die Scheibe. Ich habe sie gefangen und möchte sie direkt einem meiner Mitspieler zuwerfen. Doch die winken ab. Was ich in der Hitze des Spiels gar nicht bemerkt habe, ich stehe bereits in der Endzone und habe damit gerade meinen ersten Punkt im Wurfscheibensport erzielt.

„Super gefangen“, ruft mir Trainer Fabian Fleischer zu. Erst bin ich verwirrt, doch nachdem mich ein paar meiner Teamkameraden abgeklatscht haben, realisiere ich, was gerade passiert ist – und die Glückshormone in meinem Körper explodieren. Es ist ein intensives Hochgefühl und die Droge dazu heißt: Ultimate Frisbee.

Fleischer ist 19 Jahre alt und Spielertrainer des Ultimate Frisbee Teams „Catch‘em All“ vom MTV Eintracht Celle. Jeden Dienstag und Donnerstag von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr trainiert er die rund 18 MTVE-Frisbeesportler im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Nun führt er mich an die Grundlagen heran. Und die beginnen simpel, doch die Lernkurve ist steil. So steil, dass ich es nicht für möglich gehalten hätte, tatsächlich einen Punkt zu machen.

Lektion 1: Richtig Werfen will gelernt sein

Dabei bin ich zunächst sehr entspannt in dieses Probetraining gestartet. Denn seien wir mal ehrlich: Ultimate Frisbee? Ist das überhaupt ein richtiger Sport? Ein bisschen die Scheibe hin und her werfen, kann doch nicht so schwer sein. Oder? Wie viele, die Ultimate Frisbee nicht kennen, habe ich zuerst so gedacht. „So ging es mir auch“, sagt Fleischer. Das sei wohl auch der Grund, warum viele Mannschaften Nachwuchsprobleme haben. „Am Anfang nimmt es keiner ernst.“

Das liegt wohl auch daran, dass viele, und so auch ich, Frisbee nur aus dem heimischen Garten kennen. Meistens stand ich dabei auf einem Fleck. In einer Hand ein Bier, in der anderen die Scheibe. Und nach jedem Wurf hatte ich genügend Zeit, die Steaks auf dem Grill zu wenden. Jetzt stehe ich inmitten eines großen Platzes. Ich habe Stollenschuhe an den Füßen und renne mir die Lunge aus dem Hals. Schnell wird mir klar: Ultimate Frisbee hat nichts mit „ein-bisschen-die-Scheibe-hin-und-her-werfen“ zu tun.

Das merke ich bereits bei der ersten Aufwärmübung. Wir laufen mehrere Runden im Otto-Schade-Stadion. Fleischer läuft mit guter Laune vorneweg. Einmal springt er nach jedem dritten Schritt, dann geht es rückwärts weiter. Wir sollen es ihm gleichtun, und schon nach kurzer Zeit bereue ich, nicht öfter auf den Kuchen zum Nachtisch verzichtet zu haben.

Nach einigen Dehnübungen beginnen dann die Grundlagenwürfe. Paarweise werfen wir uns die Scheibe zu. Das erinnert mich noch an die Frisbee-Erfahrungen aus meinem Garten. Doch das ändert sich bald. Was bei den Rückhandwürfen bei mir noch ganz ordentlich aussieht, erinnert bei den Vorhandwürfen eher an eine Slapstickeinlage. Die Frisbee-Scheibe eiert durch die Luft, beschreibt schiefe Bögen und landet überall, nur nicht bei Tim Eickmeier, meinem Trainingspartner. „Das ist am Anfang ganz normal“, macht er mir Mut. Und tatsächlich, nach einigen weiteren Würfen fliegt die Scheibe immer gerader, kommt sogar fast bei ihm an. Mit den ersten Erfolgserlebnissen kommen die Endorphine.

So präzise und schnell wie bei Eickmeier, der bereits seit über vier Jahren dabei ist, fliegen die Vorhandwürfe zwar auch am Ende der Übung nicht, „aber es wird langsam“, sagt Trainer Fleischer. „Die Kraft kommt aus dem Handgelenk und der Trick ist, die Scheibe über den Mittelfinger fliegen zu lassen“, weiht er mich in die Geheimnisse des Vorhandwurfs ein. Das Sportgerät halte ich dabei im „Pistolengriff.“ Der heißt so, weil meine Finger dabei die Form einer Handfeuerwaffe einnehmen.

Lektion 2: FalschFangen tut weh

Neben dem Werfen lerne ich auch, wie man die Scheibe richtig fängt. Denn geübte Spieler werfen mit ordentlich Schmackes. Wer da nicht die richtige Fangtechnik hat, kann sich auf blaue Flecke einstellen, wie auch ich schnell und schmerzhaft lernen darf. Anstelle die Scheibe mit beiden Händen zu fangen, greife ich reflexartig mit nur einer Hand zu. Das Wurfgerät prallt an meinen Fingern ab und landet in meinem Gesicht. Ultimate Frisbee ist nichts für Weicheier.

In Grundzügen ähnelt die Sportart dem American Football: Teams bestehend aus sieben Spielern stehen sich auf einem Feld gegenüber, das in etwa die Länge und die halbe Breite eines Fußballplatzes hat. Am jeweiligen Ende befindet sich die Endzone eines jeden Teams. Die Spieler müssen das 175 Gramm schwere Wurfgerät in der Endzone des gegnerischen Teams fangen. Soweit so American Football mit Plastikscheibe. Doch anders als beim amerikanischen Ballspiel dürfen die Spieler, die die Scheibe in der Hand halten, nicht mehr weiterlaufen. Nur noch ein Ausfallschritt, ähnlich wie beim Basketball, ist erlaubt. Außerdem: Ultimate Frisbee ist eine Sportart, die ohne Körperkontakt auskommt – und ohne Schiedsrichter.

Lektion 3: Fairness wird großgeschrieben

Entscheidend ist hierbei, das Prinzip „Spirit of the game“. Die Spieler legen höchsten Wert auf Fairness. Strittige Szenen werden auf dem Platz unter den Beteiligten ausgemacht. Wenn die sich nicht einigen können, werden die anderen Mitspieler hinzugezogen. Um die Fairness gebührend zu ehren, bekommt am Ende eines Turniers nicht nur die beste Mannschaft einen Pokal, sondern auch die fairste.

Das Prinzip trägt gute Laune aufs Feld. Der Umgang im Team ist locker. Beim Training wird viel gelacht. Anders als bei vergleichbaren Teamsportarten herrscht vor, während und nach den Spielen eine fröhliche und freundliche Atmosphäre. „Das hat mich veranlasst, mit Ultimate Frisbee anzufangen. Am Ende feiert man miteinander. Es gibt nicht dieses starke Konkurrenzdenken wie in anderen Sportarten“, erzählt MTVE-Spieler Henrik Stohmann.

Das soll jedoch nicht heißen, beim Ultimate Frisbee herrsche nur Friede, Freude, Eierkuchen. Die Sportart ist sehr laufintensiv und die taktische Tiefe kennt keine Grenzen. Hinzu kommt eine Vielzahl an Fachbegriffen wie „Drops“, „Heads“ und „Cuts“, an die ich mich zunächst gewöhnen muss.

Doch bevor mir der Kopf zu sehr schwirrt, beruhigt mich Trainer Fleischer. Im laufenden Spiel würde ich das alles schon lernen. „Ich schmeiß dich einfach ins kalte Wasser.“ Oder an diesem Abend eher aufs Eis. Der gefrorene Rasenplatz bietet nämlich keine idealen Bedingungen. Ultimate Frisbee spielt sich am besten bei strahlendem Sonnenschein. Doch auch in der kalten Nacht lässt es sich laufen, fangen und werfen. Außerdem hält die Bewegung warm.

Und so renne ich über den Platz, versuche, mich vom meinem Gegenspieler zu lösen. Meine Mitspieler werden alle dicht gedeckt. Plötzlich wirft einer einen hohen Pass. Ich sprinte los. Bevor die Scheibe landet, hechte ich auf sie zu und lege eine ungelenke Rolle hin. Meine Mitspieler fragen, ob alles in Ordnung sei. Ich winke ab. Meine linke Hand brennt und weist Abschürfungen auf. Mein rechter Oberarm fühlt sich geprellt an und mein rechtes Knie ist aufgekratzt. „Selbst Schuld“, denke ich mir. Der harte Boden lädt nicht zu solchen Turnübungen ein. Doch sobald die Scheibe in der Luft ist, packt mich der Ehrgeiz und ich vergesse alles andere um mich herum. Der Jagdtrieb setzt ein. Ich will sie fangen. Ich will dieses Hochgefühl. Wie sehr ich es wollte, daran wird mich der Muskelkater am nächsten Tag erinnern. Aber der ist in diesem Moment noch fern. Also rappele ich mich auf, werfe und renne weiter.

Es ist schon ironisch. „Oft können sich Kinder das Spielzeug, das industriell in ihren Ländern gefertigt wird, selbst gar nicht leisten“, sagt Kathrin Panne. Es ist Sonntagvormittag, kurz nach halb zwölf, und die Kuratorin des Bomann-Museums steht vor einer der Glasvitrinen in der diesjährigen Sonderausstellung „WeltSpielZeug – von Ideen, Erfindern, Müll und Kunst“. Darin befindet sich Spielzeug aus plattgewalzten Dosen, Blech, Draht, Sardinenbüchsen oder Plastiktüten: Ein Flugzeug, ein Hubschrauber, ein bunt bemalter Bus – ja sogar ein selbstgebasteltes Radio aus Pappe ist dabei. „Alles, was Sie hier sehen, haben Kinder aus Abfall gefertigt“, erzählt Panne. „Eine unglaubliche Kreativität, die sie da entwickelt haben.“

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