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Reportage Familienzirkus in Celle
Mehr Reportage Familienzirkus in Celle
15:43 30.12.2016
Celle Stadt

Im großen Wagen der Familie Köhler treffen sich die großen und kleinen Künstler zum Mittagessen. Es gibt Currywurst und Pommes, Kartoffeln und Fleisch. Ein Kamin lodert neben dem großen Tisch und an der Wand, die wie eine gemauerte Steinwand aussieht, hängen alte Fotos. Sie zeigen Artisten, die unter dem Sternenhimmel des Zirkuszeltes schweben. Vor dem Kamin liegt Zirkushund Ted, der das Geschehen beobachtet. Gegenüber vom Tisch steht ein Weihnachtsbaum, der mit bunten Kugeln geschmückt ist. Der Wagen erinnert an ein großes und gemütliches Wohnzimmer. „An unseren Weihnachtsbaum kommen nur echte Wachskerzen“, erzählt Klaus Köhler, Direktor vom Circus Belly. An Weihnachten sitzen alle zusammen, essen, erzählen und feiern das Fest der Liebe zusammen. Für die Kinder gibt es Geschenke. „Wir Erwachsenen schenken uns nichts. Die Gesundheit ist für uns das Wichtigste“, so Köhler. Um Mitternacht an Heiligabend geht es zum anderen Teil der Zirkusfamilie – den Tieren. Nach dem Brauch „Brot und Salz – Gott erhalt’s“ bekommt jedes Tier ein Stück Brot, über das ein wenig Salz gestreut wurde. „Wir wünschen jedem Tier Gesundheit – das ist bei uns Tradition“, sagt der Zirkusdirektor.

Artisten und Tiere –jeder gehört zur Familie

Der Circus Belly ist ein Familienbetrieb. Viele Artisten und Helfer im Hintergrund stammen aus der Familie Köhler. Trotzdem gehören zum Zirkus auch Künstler aus anderen Familien und der ganzen Welt. Vor allem zu den Essenszeiten treffen sich alle, beraten über Ideen für neue Nummern und tauschen sich über neue Erlebnisse aus. Für große gemeinsame Aktionen oder Urlaub bleibt keine Zeit. „Es muss immer jemand beim Zirkus und den Tieren bleiben“, erklärt Klaus Köhler. Die Frauen fahren manchmal mit den Kindern schwimmen oder besuchen den Heidepark. „Mein Urlaub ist, mich ein paar Stunden nur mit meinen Tieren zu beschäftigen“, so Köhler. Wenn der Zirkusdirektor zwischen den Vorstellungen, Proben und organisatorischen Aufgaben etwas Zeit hat, verbringt er die Zeit gern mit seinem Freund, dem Schimpansen Robby. „Außerdem reisen wir durch ganz Deutschland und lernen die Schönheit des Landes kennen“, sagt er. Ausflüge in umliegende Dörfer lassen sich ab und zu in den Zirkusalltag integrieren.

Wie eine riesige Familie leben die Artisten im Circus Belly zusammen, arbeiten gemeinsam und feiern ihre Erfolge. „Der Zusammenhalt ist riesengroß“, sagt Magier Erwin Erdmann. „Die Zirkusfamilie ist meine zweite Familie.“ Nathalie Hoffmeyer kümmert sich um die Tiere und sorgt dafür, dass alle Requisiten bei der Show am richtigen Platz stehen. „Einer für alle und alle für einen – das gilt hier wirklich“, sagt sie. „Wenn jemand Hilfe braucht, sind sofort alle da und auf jeden ist zu hundert Prozent Verlass.“ Schlagzeuger Mouez Feriani sagt: „Die Zirkusfamilie bedeutet für mich Nächstenliebe. Sie behandeln jeden, als wäre er ein Teil der Familie.“

Ein neuesFamilienmitglied

Der Starjongleur Rogério Piva aus Brasilien ist erst seit einem Monat im Circus Belly und ist schon ein fester Bestandteil der Familie. Die Kommunikation mit den anderen Artisten läuft auf Englisch. Der Brasilianer ist schon fest in die Familie integriert. Er erzählt von seinen Erfahrungen, lacht mit der Familie und spielt mit den Kindern. „Er ist ein Welten-Verbesserer“, sagen die Anderen über ihn. Piva möchte den Leuten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Der Jongleur hat in Brasilien und Afrika viel erlebt und zeigt seine Erfahrungen in der Manege. Am meisten freuen sich die Artisten über das Funkeln in den Augen der Zuschauer, das sie nach den Vorstellungen sehen. „Das Lob der Besucher ist sehr wichtig und bedeutet uns sehr viel“, so Erdmann.

Auch die Kinder genießen schon den Applaus. Dennoch – es steht ihnen frei, auch etwas Anderes zu machen. Die meisten wollen aber ein Teil der großen Vorführung sein. „Die Kinder freuen sich immer auf ihre Nummern“, sagt Aron Köhler, der als Jack Sparrow über das Seil balanciert und als Clown die Leute zum Lachen bringt. Seinem einjährigen Sohn Roberto hat Aron Köhler schon ein erstes Kunststück beigebracht, das der kleine Junge stolz präsentiert. Roberto steht auf der Hand seines Vaters und klatscht fröhlich in die Hände.

Das neue Jahr wirdgemeinsam begonnen

Im Restaurationszelt wird gemeinsam gegessen, Musik gespielt, getanzt und Silvester gefeiert. „Die Wagen von den Löwen und Tigern werden geschlossen und das Zelt mit den Pferden und Lamas wird dicht gemacht“, erklärt der Zirkusdirektor Klaus Köhler. „Dann gibt es wenige Probleme mit den Silvesterraketen.“ Meist steigen diese in einiger Entfernung zum Zirkuszelt, sodass das Knallen nicht nah und allzu laut ist. „Der ungewohnte Lärm bedeutet natürlich Stress für die Tiere. Zum Glück dauert das Spektakel nicht lang, sodass die Tiere sich bald wieder beruhigen können.“ Weil am Neujahrstag alle für die Vorstellung fit sein müssen, bleibt die Feier immer im Rahmen. Für 2017 wünschen sich die Artisten des Circus Belly vor allem Gesundheit für Mensch und Tier. „Es wäre schön, wenn wir den Erfolg, den wir in Celle erleben, auch im nächsten Jahr so fortsetzen können“, sagt der Magier Erwin Erdmann.

Celle als Weihnachts- und Silvesterort gefällt den Künstlern sehr gut. „Das ist hier unser zweites Zuhause“, sagt Aron Köhler. Die Artisten freuen sich jedes Jahr, in Celle zu gastieren. In der Vorweihnachtszeit gehen sie gern auf den Weihnachtsmarkt oder bummeln durch die Altstadt. Dieses Jahr ist er Weihnachtszirkus schon das 16. Mal in Celle. „An Heiligabend war die Vorstellung fast komplett ausverkauft“, freut sich Klaus Köhler. Wer die Zirkusfamilie vom Circus Belly einmal selbst erleben und kennenlernen möchte, kann noch bis zum 8. Januar die Vorstellungen in Celle besuchen.

Von Marie Schiller