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Reportage "Gombo Okra“ für alle
Mehr Reportage "Gombo Okra“ für alle
17:23 08.06.2016
Celle Stadt

Die Sonne scheint und es ist warm – für Celler Verhältnisse. Die Frauen aus Afrika tragen beim Eintreffen im oberen Stock der Familienbildungsstätte in Celle noch Seidenstrümpfe und Jäckchen. Für die gewohnten Temperaturen von der Elfenbeinküste fehlen noch einige Grade. Ein scheues, zögerliches Lächeln haben sie zur Begrüßung im Gesicht. Bis ihnen auch warm ums Herz wird, dauert es noch ein paar Stunden.

Der Einfachheit halber einigt man sich gleich zu Anfang auf das "Du“ und deshalb stehen auf den Anklebe-Etiketten fürs Shirt auch nur die Vornamen. Christiane und Rozenne sind heute die afrikanischen Küchenchefinnen und haben das Sagen. Es gibt „Gombo Okra“ für alle, ein Rezept mit frischen und gefrorenen Okraschoten, Zwiebeln, Tomaten, Reis und Rindfleisch samt ein paar exotischen Gewürzen – aber nur milde, versichern die Rezeptgeberinnen: „Bei uns zu Hause ist das viel schärfer.“ Dass davon die Menschen hier rote Köpfe und keuchende Hustenanfälle bekommen, haben sie schon gelernt.

Nach dem Willkommens-Trank verschwinden die beiden erst einmal, um sich kochtauglich umzuziehen, während der „Rest“ von Freiwilligen in Küchenpersonal und Tischdecker aufgeteilt werden – die Küche würde alle 18 Leute gar nicht fassen. Zu den Gastessern gehören auch eine Handvoll Kinder, die gleich für eine Bastel- und Mal-Aktion von Tischkarten eingespannt werden und später im Garten herumtollen, während die Großen schweißtreibende Arbeit verrichten.

Für das Gombo wird unter anderem eine riesige Menge Zwiebeln gebraucht und die sind so beißend, dass sie schon beim Schälen eine ganze Reihe von Küchenhelfern zum Weinen bringen. Damit nicht das gesamte Küchenteam unfreiwillig in Tränen ausbricht, wird das Kleinschneiden dann auf die Terrasse verlegt.

Zwischen Tischdekoration und kühlen Getränken erläutert Egle ihre ursprüngliche Idee: „Es ist wichtig, eine gewisse Alltäglichkeit herzustellen. Christiane und Rozenne lernen fleißig Deutsch, aber die neue Sprache muss auch eingesetzt werden – und das ohne pädagogische Kontrolle. Bei einem gemeinsamen Projekt, an dem alle an einem Strang ziehen, klappt eine lockere, ungezwungene Unterhaltung – notfalls auch mal mit Händen und Füßen – viel leichter." Das ist jedoch nur ein Aspekt der Initiative. „Hier wartet eine Aufgabe für sie. Sie sind die, die das Rezept und das Zepter in der Küche in der Hand haben. Es ist nicht nur ein sprachlicher Erfolg, andere mit einzubinden und Aufgaben zu verteilen. Es gibt einem auch das Gefühl von Stärke und Selbstbestimmung, das die Menschen auf der Flucht schon lange nicht mehr hatten", so Egle Preine.

An Humor fehlt es den beiden Frauen von der Elfenbeinküste nicht. Zwischen anwachsendem Geplauder in einem Mix von Deutsch, Englisch und Französisch und zahlreichen kleinen Missverständnissen, die inzwischen mit lauten Lachanfällen und komischen Grimassen beantwortet werden, wird geschnippelt, angebraten und gekocht.

Im Saal hat inzwischen Wilfrid – Musiker und afrikanischer Flüchtling - die Anlage zum Laufen gebracht und alte deutsche Schlager aufgelegt. Da kommt natürlich Protest und verschmitzt greift er dann doch zur mitgebrachten CD mit „passenderer“ Musik.

Auf einer der Terrassenbänke sitzt Mavis – ebenfalls aus Afrika – und zeigt auf dem Handy stolz die aktuellsten Bilder ihrer kleinen Tochter. Das Interesse der anderen Frauen und die netten Kommentare tun ihr sichtlich gut und motivieren sie zu den ersten kurzen Geschichten. Der Austausch von Müttern über ihre Sprösslinge klappt in jeder Situation und bringt auch jede Menge Situationskomik mit sich. Als schon mehr als nur ein Magen vernehmlich zu knurren anfängt und der leckere Geruch nach gekochtem Rindfleisch, kernigem Reis und Tomatengemüse die Geduld zu strapazieren anfängt, ist es endlich so weit.

Während die beiden Hauptakteurinnen wieder in ihre schicken Kleider schlüpfen, werden Schüsseln und Platten befüllt. Der afrikanische „Abend der Gastfreundschaft“ war nur die Feuertaufe für eine geplante ganze Reihe von solchen Veranstaltungen. Ab September soll es einmal im Monat so ein gemeinsames Kochen und Essen mit Flüchtlingen geben – erst einmal nicht multikulti-gemixt, um jeweils einer Kultur aufmerksamer gerecht zu werden. "Wir werden nicht mehr als 25 Leute in den Saal bekommen - mehr Kapazität schafft auch die kleine Küche der Fabi nicht", so Magda Meyer-Schulte. "Neben den Koch-Abenden sind auch andere Aktionen und Aktivitäten zur Förderung von Integration angedacht. Auf unserer Homepage haben wir einen interkulturellen Aufruf an Frauen gestartet, die selbst neue Ideen für gemeinsame Veranstaltungen haben und Ausbildungen, Hobbys oder Interessen haben, die sie gerne mit anderen teilen möchten." Genaue Daten und die Anmeldungsmöglichkeit bei der Fabi werden, wenn Genaueres feststeht, gesondert veröffentlicht. Infos gibt es aber schon jetzt über Egle Preine, Telefon (05141) 9090380 oder via E-Mail unter egle.preine@evlka.de.

Von Doris Hennies