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Reportage Handwerker über den Dächern der Celler Altstadt
Mehr Reportage Handwerker über den Dächern der Celler Altstadt
14:52 23.07.2014
Ein Arbeitsplatz über den Dächern der Altstadt Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

Mit dem Zollstock werden Maße präzise gemessen und übertragen. Die Säge trennt kreischend den Balken an der gewünschten Stelle. Späne wirbeln auf, der Duft nach frisch geschnittenem Holz breitet sich aus. „Das ist ein aufgesatteltes Dach, das früher mal steiler war“, beschreibt Martin Lage seinen Arbeitsbereich ganz oben auf dem Celler Schloss. Der Zimmerer aus Erfurt hobelt gerade Passstücke, die unter den Sparren präzise eingebaut werden. „So hält es länger“, sagt der 25-jährige Handwerker, der zusammen mit seinen Kollegen Tony Rumpf und Martin Hientzsch die zurzeit wohl schönsten Arbeitsplätze in der Celler Altstadt hat: Der Blick ins Grüne im Norden. Im Osten das Bomann-Museum und dahinter der Turm der Stadtkirche St. Marien. Im Süden das Oval, auf dem am Wochenende die Celler Schützen in ihren grauen Röcken feierlich und mit Musik aufmarschiert sind. Beim Blick in den Westen sehen die Handwerker ihr letztes Arbeitsfeld. Dann ist die Bauzeit von voraussichtlich knapp vier Jahren rum: Für 2016 ist die stadtseitige Fassade des Ostflügels vorgesehen, im Folgejahr die des Südflügels.

In diesem Jahr muss das Land Niedersachsen insgesamt rund 700.000 Euro in die Sanierung des historischen Gemäuers stecken. Jetzt sei im Schloss die Sanierung der Heizzentrale inklusive der Erneuerung von zwei Kesselanlagen fällig, erläutert Wilhelm Wickbold, Leiter des Staatlichen Baumanagements Lüneburger Heide. 200.000 Euro seien dafür veranschlagt. Im Dach des Ostteils der Nordfassade sei der Wurm drin: Für seine Sanierung seien zunächst 295.000 Euro eingeplant. Am Schloss sollten auch die Fassade und Fenster saniert werden sollten. Kostenpunkt: ungefähr 200.000 Euro.

Fassadensanierungim Uhrzeigersinn

Pünktlich rückten die Gerüstbauer mit ihren geräumigen Lastwagen an, um die neun Etagen der Arbeitsplattformen zu errichten. „Das war genau am 24. Juni", stellt das Staatliche Baumanagement Lüneburger Heide fest. Und wenig später begannen die Dacharbeiten. Die Reihenfolge der Fassadensanierung wird im Uhrzeigersinn erfolgen. „Mit dem Lauf der Sonne“, ergänzt Architekt Marten Meyer-Bothling, der zusammen mit seiner Kollegin Yvonne Motyl die regelmäßige Besprechung mit den einzelnen Gewerken auf der Baustelle leitet.

Wasserflaschen begleiten die Männer auf die rund 30 Meter hohen Arbeitsebenen. Es ist immer ein langer Weg, um zum unten parkenden Firmenfahrzeug zu gelangen. Hier oben zwischen altem Mauerwerk und Dachstuhl muss das Nötigste dabei sein: Wasser. Die Temperaturen beanspruchen den ganzen Körper. Kühler Wind macht die Arbeit erträglicher.

Einige Treppen tiefer befidnet sich das Baubüro. Hier kommen die Männer der einzelnen Firmen und Gewerke zur Frühstückszeit zusammen. Nicht immer alle zur gleichen Zeit, aber regelmäßig. Jetzt ist im Schloss die Sanierung der Gaszentralheizung einschließlich der Belüftung vorgesehen. „Schon im letzten Jahr haben wir die Regelungsanlagen erneuert“, sagt die Ingenieurin für Versorgungstechnik, Yvonne Motyl. Jetzt sei die Erneuerung von zwei Kesselanlagen und der Verteiler geplant.

„Die Arbeiten, die jetzt im Nordflügel stattfinden, beinhalten die Sanierung der historischen Dachwerke“, heißt es vom Staatlichen Baumanagement Lüneburger Heide. Es handelt sich um den östlichen Teil. Das Dach ist zweistufig aufgebaut und die Pfettenanschlüsse im Bereich der Traufen sind statisch zu ertüchtigen: „Das heißt Hölzer müssen teilweise ergänzt werden, wo sie geschädigt sind. In geringen Teilen ist Schädlingsbefall festgestellt worden. Der wird beseitigt und durch entsprechende Hölzer nach historischer Art ersetzt.“

Die Sanierung, die jetzt vorgenommen wird, ist von langer Hand geplant. „Natürlich sieht man tiefer in die Substanz, wenn das Dachwerk geöffnet wird.“ Da sei man vor Überraschungen nie gefeit. „Die halten sich aber hier in sehr geringem Maße“, atmet Architekt Meyer-Bothling auf. Das teilweise historische Material der Bekleidungselemente wird vor Ort auch wieder verwendet, um den historischen Eindruck weiterhin aufrecht zu erhalten.

Gerüst soll im Oktober weg sein

Die Sanierung der Dachwerke soll im Laufe der Theaterferienzeit abgeschlossen werden. „Das heißt, der Plan ist, dass wir bis Mitte August damit durch sind", so Meyer-Bothling. Danach schließen sich die Arbeiten der Fassadensanierung an, die witterungsbedingt nicht länger als bis Oktober stattfinden können. „Unser Plan ist, im Oktober auszurüsten.“

Noch zieht Björn Hauff die langen Planenstücke nach oben. Weiter unten werden sie mit Kabelbindern abgedichtet. Das Außenmauerwerk wird in den nächsten Tagen mit Hochdruckreinigern gesäubert und anschließend wieder mit frischer Farbe versehen.

Ein paar Stufen weiter unten, im dritten Obergeschoss, sind Timo Keller und seine Kollegen dabei, neue Zimmer zu schaffen. Hier saß bisher die Intendanz des Theaters. Jetzt werden hier die OSB-Platten aus Spanholz an stabilen Rahmen befestigt, mit Dämmmaterial versehen und anschließend mit Gipskartonplatten verkleidet.

Dass während des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft, bei dem ganz Deutschland gejubelt hat, ein dickes Baustromkabel gekappt und gestohlen wurde, bleibt nur am Rande eine Facette, die zu Stress und Ärger bei den Verantwortlichen führt. Aufhalten kann sie das nicht.

Lothar H. Bluhm

Von Lothar H. Bluhm