Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Reportage Herr der verlorenen Dinge
Mehr Reportage Herr der verlorenen Dinge
17:33 12.01.2017
Celle Stadt

Die Tür geht auf und ein junger, etwas gehetzt wirkender Mann kommt in das Zimmer E57 im Neuen Rathaus. Er hat es eilig, überreicht einen Schlüsselbund an Sachbearbeiter Achim Kremberg und verschwindet so schnell, wie er gekommen ist. Eine Szene, die Kremberg an manchen Tagen sehr oft erlebt. Mit einem Unterschied: Die Menschen kommen und bringen ihm alles Mögliche. Handys, Brillen, Portemonnaies, selbst Ölgemälde, Trampoline und manchmal sogar auch Geld. Denn Achim Kremberg ist der zuständige Sachbearbeiter des Celler Fundbüros.

„Etwa ein Drittel von den Sachen, die abgegeben werden, finden zurück zu ihrem Besitzer“, sagt Kremberg. Der Rest kommt erst einmal ins Lager. Ein halbes Jahr bleiben die registrierten Fundsachen dort, dann werden sie per Online-Auktion versteigert, wenn der Finder auf seinen Besitzanspruch verzichtet. „Dabei kann es passieren, dass Sie ein teures Fahrrad für 20 Euro ersteigern“, sagt Kremberg.

Vor allem Fahrräder würden immer wieder im Fundbüro abgegeben. Etwa 200 Drahtesel lassen sich in den Hallen des Fahrradlagers vom Fundbüro finden „Und es werden jeden Tag mehr“, sagt Kremberg. Selten würde sich jemand melden, der ein Fahrrad vermisst. Selbst neue und hochwertige Modelle reihen sich beim Fundbüro aneinander, so dass es in der Lagerhalle des Rathauses wirkt, als würde man in einem gut sortierten Fahrradladen stehen.

Dann klingelt das Telefon von Kremberg. Ein Mann, der tatsächlich nach seinem verschwundenen Fahrrad fragt. Ein Modell der Marke Mercedes Benz in dunkler Farbe wird vom Anrufer vermisst. Kremberg nimmt den Anruf entgegen und schaut kurz in seinem Computer nach. Die Recherche kommt zu einem ernüchternden Ergebnis für den Anrufer. Ein entsprechendes Modell ist vorhanden, aber in einer anderen Farbe. Das verlorene Fahrrad ist nicht beim Fundbüro. Kein Glück für den Anrufer.

Doch es geht auch anders: „Kurz vor Heiligabend hatte eine junge Mutter ihr Portemonnaie mit 365 Euro verloren“, erzählt Kremberg. „Eine Schülerin hatte es gefunden und hergebracht. Ich hatte die Sachen gerade ins System eingegeben, da rief die Besitzerin an. Die Dame hat ihre Sachen wiederbekommen und konnte Weihnachtsgeschenke kaufen. Und die ehrliche Schülerin konnte sich über einen Finderlohn freuen.“ Weihnachten war für die junge Mutter gerettet. Solche Geschichten freuen Kremberg, der die Fundsachen nicht nur verwaltet. Soweit es ihm möglich ist, versucht er die Besitzer auszumachen und zu kontaktieren. Dabei ähnelt seine Arbeit der eines Ermittlers. Nur, dass er nicht versucht, den Dieb zu finden, sondern umgekehrt – den ursprünglichen Besitzer. „Wir sind bürgerfreundlich und versuchen, immer was zu machen. Ich bin immer froh, wenn ich was rausgeben kann. Das freut mich und die Besitzer.“

Michael Ottinger