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Reportage Auf Spur der Wölfe
Mehr Reportage Auf Spur der Wölfe
10:44 19.12.2018
Von Christian Link
Ja, wir sind im Rudel da: Wolfshunde wandern mit ihren Frauchen und Herrchen durch die Südheide bei Wietze. Quelle: Christian Link
Wietzetze

Auf einem Feldweg westlich von Wietze hat sich ein eindrucksvolles Rudel versammelt. Fast 20 Tiere warten darauf, dass es los geht – ab in den Wald. Man könnte sie fast für Wölfe halten, wenn sie nicht angeleint neben Frauchen oder Herrchen stehen würden. Und während ihre Halter vor der Nikolaus-Wolfshundewanderung untereinander plaudern, beschnuppern sich die Wolfshunde, spielen miteinander und knüpfen Freundschaften. Doch ausgerechnet ein Mann in Tarnkleidung sticht aus der Menge hervor. Er hat als einziger gleich zwei Hunde dabei und meidet mit seinen Tieren das übrige Rudel.
Der Grund dafür heißt Emma. „Sie ist eine kleine Zicke, die auf andere Hunde relativ aggressiv reagiert“, erläutert ihr Herrchen Thomas Müller und findet das angesichts ihrer bewegten Vergangenheit nicht überraschend. Denn obwohl Emma „der schönste Hund des Wurfes“ war, hatte der zweijährige Wolfshunde-Mischling wenig Glück. Nachdem sie ihre Züchterin bei Frankfurt/Oder verließ, wurde sie von verschiedenen Hundehaltern durchgereicht, die offenbar mit dem Tier überfordert waren.
Schließlich landete Emma in einem Tierheim in Basel. „Sie war total abgemagert und depressiv. Man konnte jede Rippe bei ihr zählen“, erinnert sich Müller, der die Hündin auf einer Tierschutz-Seite bei Facebook entdeckte. Der 48-Jährige wurde sofort hellhörig, denn: „Das war genau der Hund, den meine Frau haben wollte.“ Seit Oktober hat Emma wieder ein richtiges Zuhause beim Ehepaar Müller in Walsrode, wo die Hündin außerdem mit ihrem Bruder Odin Rübezahl wiedervereint ist. Müller: „Die beiden haben von der ersten Sekunde an gespielt. Ich bilde mir ein: Die haben sich wiedererkannt.“
Der 45 Kilogramm schwere Odin Rübezahl, den Müller nur liebevoll „Rübe“ nennt, ist zwar deutlich größer als seine ältere Schwester, die mittlerweile 27 Kilo auf die Waage bringt und immer noch nicht ihr Normalgewicht erreicht hat. „Aber zu Hause ist Emma der Chef im Ring“, sagt ihr Herrchen. Das überrascht nicht, denn bei „Rübe“ schlägt das Schäferhund-Erbe eher durch als bei seiner Schwester. „Rübe ist ein ganz lieber, sehr offener und aufgeschlossener Charakter“, so Müller. Eine gute Nase habe der Wolfshund auch, aber auf die Jagd will der 48-Jährige seinen „Rübe“ wegen Verwechslungsgefahr lieber nicht mitnehmen.
Emma knurrt und bellt. Ein Artgenosse hat sich in ihre Nähe gewagt. Bruder „Rübe“ wirft seiner Schwester erst einen überraschten Blick zu, dann stimmt er in das Gebelle pflichtbewusst ein. Doch das Herrchen ruft die beiden sofort zur Ordnung. „Emma versucht auszutesten: Wie weit kann sie mit uns allen gehen. Und dann läuft da vorne auch noch ein Rüde, der gut riecht“, erklärt Müller und versichert: „Nach einer halben Stunde werden die beiden ruhiger.“
Im Gegensatz zu Emma verhalten sich die anderen Wolfshunde bemerkenswert still. Vor allem Suri, die 75 Zentimeter große nordamerikanische Wolfshündin, strahlt Ruhe aus. Und einen Verehrer hat die Schönheit mit dem wilden Raubtierblick auch gefunden. Nach einem kurzen Bad in einem kleinen See fällt ihr ein verliebter Artgenosse regelrecht um den Hals. Der zweijährige Saarlooswolfhund Cha Tonga stößt bei der achtjährigen Hundedame offenbar auf Gegenliebe, doch nach einem kurzen, stürmischen Gerangel beenden die beiden Hundehalter die Romanze auch schon.
Suri gehört zu Christian Berge, der die Wolfshundewanderungen organisiert. „Meine Motivation ist es, die Hundehalter zu vernetzen.Viele kennen sich über Facebook, aber durch so eine Wanderung bekommt man auch mal ein richtiges Gesicht dazu“, sagt Berge. Die Szene ist nicht groß. Nur rund 100 Wolfshunde gibt es laut Landwirtschaftsministerium überhaupt in Niedersachsen. Berge: „Die Leute sind alle auf die eine oder andere Art Individualisten. Ansonsten ist es bei uns aber auch nicht anders als im Kleingärtnerverein.“
Der leidenschaftliche Hundehalter ist seit 30 Jahren von Wolfshunden begeistert und hat zu Hause in Buchholz/Aller mehrere Tiere. „Aber wenn ich den Reiseleiter gebe, reicht ein Hund. Sicherheit geht vor“, sagt Berge. „Wunderschön und ruhig“ findet er die wolfsähnlichen Tiere, die sich laut Berge von anderen Hunden vor allem durch ihre höhere Selbständigkeit unterscheiden.
Manchmal wird Berge gefragt: Was kann man mit einem Wolfshund machen? Seine Antwort: „Hunde sind Sozialpartner.“ Dass der Wolfshund ein Modehund werden könnte, glaubt der Jurist nicht.
„Wolfshunde sind ursprünglicher und natürlicher als andere Hunde“, bestätigt auch Michael Mohmeyer, der von der Eigenständigkeit der Tiere fasziniert ist. An der Wanderung nimmt er mit seiner siebenjährigen Saarlooswolfshündin Naala teil, für die er damals extra 1400 Kilometer in die Bretagne gefahren ist, um sie vom Züchter zu holen. Seit 2015 lebt die Familie Mohmeyer in Hornbostel und hat mittlerweile fünf Tiere.
Ein Herz für kleine Hunde hat die zweijährige Kim. Der finnische Wolfshund, ein sogenannter Tamaskan, spielt zu Hause in Schmarbeck-Grube am liebsten mit dem kleinen Collie-Mischling Jojo von nebenan. „Ihren kleinen Freund liebt sie heiß und innig“, erzählt Frauchen Gabi Hatrath. Dabei war Kim „völlig unverträglich“, als sie das Ehepaar Hatrath vor einem knappen Jahr aus einem thüringischen Tierheim geholt hat. Doch das hat sich total geändert. „Sie ist unheimlich wissbegierig und lernt gerne Tricks“, sagt Hatrath. Ob Kim – wenn sie alt genug ist – in die heimische Tamerlan-Zucht aufgenommen wird, ist allerdings noch unklar.
Kurz vor Schluss der Wanderung stoßen Serina Sanft und ihr schwarzer Wolfshund Silas hinzu. Silas ist noch nicht viel gelaufen, hechelt aber ganz wild. „Er ist sehr aufgeregt, weil er nicht damit gerechnet hat, so viele andere Hunde zu treffen“, erläutert sein Frauchen. Die Friseurmeisterin ist extra aus Bremen gekommen.
Silas ist zwar zu 75 Prozent ein Amerikanischer Wolfshund, aber eher zurückhaltend und unsicher. Das war nicht immer so. „Ich bin aus drei Hundeschulen rausgeflogen“, sagt Sanft.Doch seitdem Silas nach dem Prinzip „Natural Dogmanship“ trainiert wird, habe er sich „um 180 Grad“ verändert. Bei der Methode des niederländischen Hundeerziehungsberaters Jan Nijboer wird besonders auf die Instinkte des Tieres eingegangen. Futter kriegt Silas nicht aus dem Napf, sondern er muss es sich beim Gassigehen erschnüffeln. „Danach ist er fix und fertig, Nasenarbeit ist anstrengender als alles andere“, sagt Sanft. Zehn Minuten intensives Schnüffeln seien etwa so anstrengend wie zehn Kilometer wandern.
Wie das aussieht, zeigt sich wenig später. Die etwa zehn Kilometer lange Wanderung durch den Wietzer Wald ist nach gut drei Stunden beendet. Frauchen und Herrchen sind geschafft, einige Hunde fallen erst einmal erschöpft ins Gras. Thomas Müller ist durchgeschwitzt. „Ich glaube, Emma und Rübe sind jetzt fertig“, sagt er. Vor allem seine Hündin hat genug. „Der längste Spaziergang für die Kleine war bisher nur fünf bis sechs Kilometer.“

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