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Reportage Jedes Los zählt bei der Celler Weihnachtstombola
Mehr Reportage Jedes Los zählt bei der Celler Weihnachtstombola
13:52 17.12.2016
Celle

Der Himmel ist grau, die Temperaturen knapp über null Grad und vereinzelte Windböen lassen einen kurzzeitig erschauern. Eigentlich kein Wetter, bei dem man gern lange draußen bleibt. Und doch tummelt sich mitten in der Celler Innenstadt am Alten Rathaus eine Gruppe von Menschen. Zwischen ihnen sind vereinzelt welche mit grünen Leibchen und Eimern in der Hand auszumachen. Es sind Mitarbeiter der Celleschen Zeitung. In ihren Behältern findet sich der Grund für die Menschenansammlung: kleine gelbe Papierrollen. Die Lose der CZ-Weihnachtstombola. Die umstehenden Menschen greifen beherzt in die Eimer, ziehen ein oder mehrere Lose heraus und reißen sie energisch auf – in freudiger Erwartung eines Gewinns.

Nicht alle haben Glück beim Loseziehen, doch kaum einer bereut seinen Kauf. „Es ist schließlich für einen guten Zweck“, hört man immer wieder. Denn die Einnahmen von zwei Euro pro Los kommen der Aktion „Mitmenschen in Not“ zugute. Diese unterstützt Menschen, die unverschuldet in eine finanzielle oder seelische Notlage geraten sind.

Bereits zum 20. Mal findet die Tombola in dieser Woche statt. Los ging einst alles 1997 auf dem Weihnachtsmarkt in Wienhausen. 10.915 Euro kamen seinerzeit an zwei Tagen in die Kasse. Längst ist aus dem Wochenende eine Woche geworden und der Erlös hat sich in Richtung sechsstelliger Summen entwickelt. Insgesamt kamen dabei bislang mehr als 1,4 Millionen Euro für die Aktion „Mitmenschen in Not“ zusammen.Möglich ist dies durch die großzügige Unterstützung vieler Sponsoren. So wurden in diesem Jahr 9039 Preise zur Verfügung gestellt, die über die Lose einen neuen Besitzer finden. Am begehrtesten ist der rote Seat Mii 1.0, den das Autohaus Fischer und die CZ gemeinsam präsentieren.

„Die Gewinne sind ganz unten im Eimer, aber ich muss da ein bisschen aufpassen, dass nicht zu viele gezogen werden“, scherzt Chefredakteur Ralf Leineweber, während im Hintergrund das Glockenspiel erklingt. Eine Frau hat mit einem Augenzwinkern gefragt, wo denn die meisten Gewinne zu holen seien. In Wahrheit wurden die Lose am Vortag des Tombola-Starts unter notarieller Aufsicht gemischt und niemand weiß, in welchem Eimer sich welche Preise befinden. „Wir sind ja hier nicht auf dem Schützenplatz“, so Leineweber, der selbst den ganzen Tag als Losverkäufer im Einsatz ist.

Um die eigenen Chancen zu erhöhen, greifen viele Teilnehmer mehrfach zu. Außerdem gibt es ab zehn gekauften Losen eines gratis dazu. So hat es auch Maria Brase gemacht und gewonnen – gleich fünf ihrer elf Lose bescheren ihr einen Preis. „So viel habe ich noch nie gewonnen“, freut sich die Cellerin. Insgesamt zwei Bücher, einen Restaurantgutschein, ein Puzzle und die Chance, den roten Seat Mii bei der Schlussziehung am Sonntag zu gewinnen, nimmt sie mit nach Hause. „Ich finde die Aktion gut, denn auch mit den Nieten hat man etwas für den guten Zweck getan“, sagt Brase.

Auch Stefanie Diederichs hat Glück beim Loseziehen. Mit freudiger Erwartung reiht sie sich ein in die Schlange der glücklichen Gewinner, die sich im Alten Rathaus gebildet hat. Dort kann man seinen Preis bei den CZ-Mitarbeiterinnen Dörthe Rogalski und Stefanie Brennecke abholen. Und Diederichs wird nicht enttäuscht: Unter anderem einen Roman und ein Laufrad bekommt sie ausgehändigt. Das Laufrad soll ihr Patenkind bekommen – „das hat nämlich bald Geburtstag.“ Insgesamt zehn Lose hat Diedrichs in diesem Jahr gekauft, ist aber bereits seit etwa fünf Jahren regelmäßig dabei. „So viel Glück wie heute hatte ich noch nie“, sagt sie.

Anderen und auch sich selbst eine Freude machen, frei nach der Devise „Kaufen, reißen und gewinnen für den guten Zweck“ – das spiegelt den Geist der Weihnachtstombola wider. Zwei, die diesen Geist verkörpern, sind Renate und Uwe Hiestermann. Das Ehepaar aus Eicklingen kauft auf einen Schlag Lose für 300 Euro. „Ich wollte das Geld ohnehin spenden“, sagt Uwe Hiestermann. „Uns geht es nicht schlecht, anderen geht es deutlich schlechter – da kann man ruhig einen Teil von seinem eigenen Wohlstand abgeben.“ Seit vielen Jahren schon kauft er Lose der Weihnachtstombola. „Gewonnen haben wir bis jetzt nur kleinere Preise, aber darauf kommt es uns auch nicht an“, ergänzt seine Ehefrau. Die Lose möchte das Paar unter sich und seinen Kindern aufteilen. Auch sie sollen an dem großzügigen Griff in den Lostopf ihre Freude haben.

Aber nicht nur die Hiestermanns wollen helfen und gewinnen – das Interesse ist einmal mehr überwältigend. Die einen versuchen es mit einem oder zwei Losen, viele investieren auch gleich größere Summen. „Dank dieser tollen Resonanz werden wir am Ende wohl einen sechsstelligen Erlös eingespielt haben“, schätzt Chefredakteur Leineweber. Zuletzt war das im Jahr 2014 der Fall, als nach acht Tagen fast 101.000 Euro in der Kasse waren. Diesmal läuft der Verkauf ähnlich gut – bis zum Donnerstagabend sind bereits rund 89.000 Euro eingenommen worden. „Eine maßgebliche Rolle spielt dabei das Wetter, denn bei Regen sind weniger Leute auf der Straße, die Lose kaufen“, weiß Leineweber. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Lose nass werden und sich nicht mehr verkaufen lassen. Das aber wäre fatal, denn: „Die sind schließlich bares Geld für uns.“

Der Chefredakteur ist für seine Tätigkeit gut gerüstet. „Die Kollegen nennen mich den Aufschneider“, sagt er und zeigt auf die Schere vor seiner Brust. „Im vergangenen Jahr kam eine Frau zu mir und beklagte, sie könne die Lose nicht öffnen, weil ihre Hände zu kalt waren. Am nächsten Tag kam sie wieder und schenkte mir eine Schere.“ Diese trägt Leineweber beim Losverkauf nun immer bei sich.

Maßgeblich für den Erfolg der Tombola, die in dieser Form bundesweit ihresgleichen sucht, ist neben der Unterstützung durch die Sponsoren das Engagement der Verlagsmitarbeiter. Kollegen aus allen Bereichen und auch Ruheständler stellen sich stundenweise als Losverkäufer in den Dienst der guten Sache. Unterstützung kommt dazu auch in diesem Jahr wieder von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und Landrat Klaus Wiswe, die am Auftakttag halfen, die gelben Papierrollen unter die Leute zu bringen. Gleiches galt für Pastor Uwe Schmidt-Seffers und den katholischen Pfarrer Günther Birken. Und selbst der künftige Oberbürgermeister Jörg Nigge schlüpfte am Mittwoch in die Rolle des Losverkäufers.

Die CZ-Weihnachtstombola ist einmal mehr auf Erfolgskurs. Sollte am Ende tatsächlich ein sechsstelliger Betrag zusammenkommen, wäre es das dritte Mal in 20 Jahren, dass diese Grenze geknackt würde. Wer dabei mithelfen möchte und zugleich sich selbst und anderen eine Freude machen will, der sollte sich beeilen: Die Anzahl der Lose ist begrenzt und es sieht alles danach aus, dass bereits heute die letzten Exemplare verkauft werden. „Auch wenn nicht der ganz große Gewinn herausspringt: Wirklich verlieren kann man hier nicht“, versichert Ralf Leineweber. „Das Geld ist gut angelegt und bleibt in der Region.“