Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Reportage Richtig helfen
Mehr Reportage Richtig helfen
16:33 14.09.2016
Celle Stadt

Mit Erster Hilfe ist es wie mit allem anderen: Nur durch regelmäßige Übung wird man sicher und verliert die Scheu vorm Eingreifen. Unsicherheit dagegen lähmt. Der häufigste Grund, dass ein Mensch im Notfall keine Erste Hilfe leistet, ist die Angst davor, etwas falsch zu machen und dem Verletzten mehr zu schaden als zu helfen. Notfallmediziner betonen, der Nutzen der Ersten Hilfe ist wesentlich größer als nichts zu tun. Im Zweifelsfall rettet man Leben. Der Ersthelfer kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Aber unterlassene Hilfeleistung ist strafbar, denn in Deutschland ist jeder Bürger gesetzlich zur Ersten Hilfe verpflichtet.

Die Rettungsdienste bieten allgemeine Kurse, aber auch Kurse mit unterschiedlichen Schwerpunktausrichtungen an. Und der Bedarf ist groß. Allein der DRK Kreisverband Celle hat im vergangenen Jahr über 700 Erste-Hilfe-Kurse mit insgesamt 5339 Teilnehmern durchgeführt. Die Basismaßnahmen sind bei allen Kursen gleich.

Wunden nicht mit Wasser auswaschen

Die Altstädter Schule verfügt über ein Ganztagsangebot. Die meisten Schüler verbringen viel Zeit in der Schule, so dass das Thema Krankheit und Verletzungen zum Schulalltag gehört. Kursleiterin Lina Rüpke, hauptamtliche Erste-Hilfe-Ausbilderin des Kreisverbands Celle, ermunterte die Teilnehmer. Themenwünsche zu äußern und Fragen zu stellen. Dieses Angebot wurde rege angenommen, da natürlich alle über Erfahrungen mit Verletzungen und Krankheiten von Schülern verfügen. Die Wundversorgung stellte sich dabei als ein Themenschwerpunkt heraus. Gerade auf dem Schulhof kommt es häufiger zu dreckigen Schürfwunden. „Soll man nun die Wunde mit Wasser auswaschen oder nicht?“ wollte Lehrerin Janina Schmitt wissen. „Früher hat man solche Wunden immer mit Wasser ausgewaschen“, nickte Rüpke, “doch man spült den Dreck dadurch tiefer in die Wunde hinein. Auf keinen Fall ausspülen. Ganz groben Schmutz vorsichtig abstreifen. Sonst nichts. Den Rest macht der Arzt.“

Viele Themenbereiche wurden in Gruppen erarbeitet. So erhielten die Gruppen im Bereich der Wundversorgung die Aufgabe, unterschiedliche Verbände anzulegen. „Ihr wisst viel mehr, als ihr denkt“, ermunterte Rüpke die etwas ratlos dreinblickenden Teilnehmer. Und sie behielt recht: „Den Knieverband muss man immer abwechselnd am Ober- und am Unterschenkel fixieren“, erklärte Christina Voigt, pädagogische Mitarbeiterin, während sie den Verband an einem anderen Gruppenmitglied demonstrierte. Alle Gruppenmitglieder legten die geforderten Verbände an. „Das bringt ja richtig was“, stellte Lehrerin Sandra Steffens- Mittelberg fest und setzte verschmitzt dazu. „Ist aber anstrengend.“ Während der Gruppenarbeit wanderte Lina Rüpke von Gruppe zu Gruppe, gab Hilfestellungen und Erklärungen, so dass alle Verbände bei der Vorstellung im Plenum richtig saßen.

Viel Spaß hatten die Teilnehmer, als in Bezug auf die Unfallprävention die eigene Schule unter die Lupe genommen wurde. „Wo sind die Verbandskästen und die Feuerlöscher? Sind die Fluchtwege gut ausgeschildert? Kennt ihr die wichtigsten Fluchtwege? Gibt es besondere Gefahrenbereiche im Außenbereich? Wissen alle Mitarbeiter, an welcher Stelle die Krankentrage deponiert ist?“ Gerade die letzte Frage rief staunende Heiterkeit hervor. Dennoch wurde die Trage gefunden, und sie wird in Zukunft an zentraler Stelle und gut sichtbar aufbewahrt.

Fallbeispiele aus dem Alltag von Kindern

Für alle Themenschwerpunkte wurden neben den allgemeinen Grundkenntnissen die besonderen Umstände bei Kindern erarbeitet. So gab es Verbandzeug in kleinen Größen, die Fallbeispiele stammten immer aus dem Alltag von Kindern wie zum Beispiel Hitzschlag beim Kind, Fieberkrämpfe, Unterkühlung oder Atemnot durch einen verschluckten Gegenstand, der in die Luftröhre geraten ist. Und immer wieder wurden Notfälle durchgespielt – damit sich das Schema einprägt: Falls nötig, Verletzte mit dem Rettungsgriff aus der Gefahrenzone bringen, Verletzte auf Atemtätigkeit überprüfen, Bewusstlose in die stabile Seitenlage bringen. Schnell den Notruf absetzen, denn der Notruf ist ein wesentlicher Teil der Ersten Hilfe. Möglichst weitere unverletzte Personen ansprechen, in die Hilfe einbeziehen. Hat ein Patient Atemstillstand, vor Beginn der Reanimation auf jeden Fall den Notruf veranlassen. Ist man allein, sollte man erst den Verletzten eine Minute lang reanimieren, dann selbst den Rettungsdienst verständigen und danach mit der Wiederbelebung fortfahren.

Training an Kinderpuppen

Vor dem obligatorischen Training der Reanimationsmaßnahmen bei Atemstillstand, die aus der Kombination von Herzdruckmassagen und der Mund-zu-Mund-Beatmung bestehen, stand erstmal der Zusammenbau der Gesichter der Phantome, da jeder Teilnehmer natürlich jeweils mit einer eigenen desinfizierten Gesichtsmaske arbeitete. Zehn Baby- und Kinderpuppen sowie fünf Erwachsenenphantome standen zur Verfügung. Wichtig ist, dass die Verletzten auf einer festen Unterlage liegen. Der Brustkorb muss von Bekleidung befreit werden, damit der Druckpunkt mittig im Brustbereich auf Höhe der Brustwarzen gefunden wird. Während man bei Erwachsenen den Kopf für die Mund-zu-Mund-Beatmung überstreckt, bleibt der Kopf von Babys in der Neutralposition und bei Kindern reicht eine leichte Überstreckung. Außerdem beginnt man bei Erwachsenen mit der Druckmassage, und bei Babys und Kindern startet man mit fünf effektiven Beatmungen.

Und dann ging es los: Alle Kurs-teilnehmer mussten an den drei unterschiedlichen Phantomen die Kombination aus 30 Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen über einen längeren Zeitraum durchführen. Bei Außentemperaturen um 30 Grad merkten alle Kursteilnehmer, dass das einen schon fordert. Aber keiner musste vorzeitig aufgeben. Im Ernstfall muss die Reanimation bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes durchgehalten werden.

Defibrillator auch für Laien geeignet

Zum Schluss demonstrierte Rüpke noch die Funktion eines automatisierten Defibrillators, der für Laienhelfer geeignet ist und die teilweise in öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise Flughäfen und Schwimmbädern deponiert sind.

„Das war wirklich richtig gut“, resümierte Schulleiterin Martina Smutek. „Gerade die Schwerpunktausrichtung auf Bildungs- und Betreuungseinrichtungen hat für uns sehr hilfreiche Anregungen und Tipps ergeben. Die Reanimationsübung an Kinderpuppen war uns völlig neu und sehr aufschlussreich. An unserer Schule wird alle zwei Jahre ein Erste-Hilfe-Kurs für alle Mitarbeiter durchgeführt, damit wir immer auf dem neuesten Stand sind. Außerdem bringt es sehr viel Freude, sich mit allen Mitarbeiterinnen und unserem Hausmeister gemeinsam in einem Bereich fortzubilden, der für uns alle Sinn macht.“

Von Petra Senftleben