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Reportage Wo der Spaß aufhört
Mehr Reportage Wo der Spaß aufhört
12:41 09.08.2017
Christian Bartsch entfernt eine Flasche aus einer Schaukel. Eingeschmierte Spielgeräte und Müll bereiten ihm und seinen Kollegen zusätzliche Arbeit. Quelle: Jonas Peisker
Celle Stadt

Bei Ankunft auf einem der Spielplätze der heutigen Runde ist die Bilanz der vergangen Woche wieder einmal ernüchternd. Abdulhadi Alo sammelt eine ganze Tüte voller Müll ein, sowie zahlreiche Einzelteile. Unter der Schaukel wurde eine Schachtel Eislöffel ausgekippt, sodass dutzende Plastikteile nun verstreut zwischen dem Rindenmulch liegen. Ein Spielgerät ist vollständig mit Schaum eingeschmiert und unbenutzbar. „In der Ferienzeit könnte man eigentlich jeden Tag Müll sammeln“, meint Christian Bartsch, Vorarbeiter der Kolonne, der seit acht Jahren beim Grünflächenamt arbeitet. Er weiß, dass dies nicht der einzige Platz in diesem Zustand ist.

Abfalleimer ziehenHausmüll an

„Die Müllproblematik ist schlimmer geworden, seit die Gebühren gestiegen sind“, sagt Heiko Müller, Gärtnermeister beim Grünbetrieb der Stadt Celle, „mittlerweile stehen fast keine Mülleimer mehr auf den Spielplätzen, weil die Leute Hausmüll da reinwerfen. Denjenigen, die die Plätze wirklich mit ihren Kindern nutzen wollen, macht es meist auch nichts aus das bisschen, was sie haben, wieder mitzunehmen.“ Die wenigen Abfallbehälter, die es noch gibt, quellen meist nach wenigen Tagen über und verteilen ihren Inhalt in der Umgebung. Zwar heben Flaschensammler schon manche Flasche auf. Solche ohne Pfand sowie Glasscherben bleiben allerdings liegen.

Wo genau der Vandalismus zu finden ist, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Manchmal beschweren sich Anwohner über nächtliche Parties. Der Spielplatzkolonne bleibt dann wenig anderes übrig, als hinterher die Alkoholflaschen und Verpackungen aufzuräumen. Gegenstände wie Spritzen weisen gelegentlich auf Drogenkonsum hin. Eine Maßnahme ist, die umgrenzenden Sträucher niedriger zu schneiden, sodass der Platz besser einsehbar ist. Doch dass stört nicht nur Randalierer, sondern auch die Kinder, die dort in Ruhe spielen wollen. Die laute Party wird dann das nächste mal einfach auf einem anderen Platz veranstaltet.

Randale gibtes überall

„Die Spielplätze aufzuräumen gehört zu unserem Beruf. Mal einen Eisbecher aufzusammeln ist überhaupt kein Problem. Aber solche Sauereien sind nicht in Ordnung“, meint Gerd Hasselmann mit Blick auf das eingeschmierte Spielgerät. Auch Graffitis findet die Kolonne regelmäßig. Manchmal kann sie diese noch entfernen, oft hat die Farbe die Oberflächen jedoch schon zu stark angegriffen. Auf einem Spielplatz in Wietzenbruch zeigt Christian Bartsch zeigt auf ein Klettergerüst. „Hier gab es mal einen Kokos-Strick. Der wurde immer wieder angekokelt bis wir ihn schließlich entfernen mussten.“ Ein Korb an einer Schaukel wurde aufgeschlitzt und musste geflickt werden. Es gibt kaum einen Spielplatz, der von der Randale verschont wird.

Durch den Vandalismus sind die beiden Spielplatzkolonnen mit je drei Arbeitern etwa eineinhalb Tage statt des eigentlich vorgesehen einen Tages pro Woche mit der Kontrolle beschäftigt. Das bedeutet, dass sich die Zeit, die durch die Verschmutzung verloren geht, auf knapp 100 Arbeitsstunden monatlich summiert. Zeit, die besser genutzt werden könnte, um die Grünflächen zu pflegen zum Beispiel. Dies ist insbesondere der Fall, seit Saisonkräfte eingespart wurden und die Spielplatzkolonnen in den Sommermonaten mit je einer Person weniger auskommen müssen.

Die Kolonne muss klare Vorschriften einhalten, um die Sicherheit der Spielplätze zu garantieren. Einmal pro Woche findet eine Sichtkontrolle statt, bei der offensichtliche Mängel erkannt werden. Hier werden auch die Absprungbereiche der Geräte, die meist aus Sand oder Rindenmulch bestehen, auf gefährliche Gegenstände hin durchhakt. „Besonders wenn sich diese Bereiche direkt neben Asphaltflächen befinden, können Glasscherben von weggeworfenen Flaschen im Sand sein“, weiß Christian Bartsch.

Zusätzlich beurteilt der Grünbetrieb vierteljährlich alle Spielgeräte auf ihre Funktion, etwa auf morsche Holzbalken. Als wäre dies noch nicht genug, werden außerdem alle Geräte einmal pro Jahr bis auf die Fundamente freigegraben, um ihre Stabilität sicherzustellen. Heiko Müller sagt: „Unsere Spielplätze sind sicher. In 20 Jahren, die ich hier arbeite, ist bei der ordnungsgemäßen Benutzung von Spielgeräten noch nichts passiert.“

Kampfhunde beißen in Schaukelbretter

Die Spuren von besonders unverantwortlichem Verhalten haben Christian Bartsch und seine Kollegen an Schaukelbrettern gefunden. Hundebesitzer machen damit ihre Tiere scharf, die sich dann in den Spielgeräten verbeißen. Die Bissspuren der Hunde sind auf manchen Schaukeln deutlich sichtbar. „Wenn es keine scharfen Kanten gibt, tauschen wir die Bretter nicht aus“, meint Bartsch resigniert, „wir können das ja schließlich nicht jede Woche machen.“ Auch wenn es offensichtlich erscheint, begreifen die dafür verantwortlichen Hundebesitzer anscheinend nicht, dass es höchst gefährlich ist, Hunde auf Schaukeln abzurichten. Es kann zu schweren Unfällen kommen, wenn einmal ein Kind auf der Schaukel spielt.

Dass eine kleine Minderheit die Celler Spielplätze missbraucht, bedeutet nicht, dass es keine verantwortungsvollen Mitbürger gibt, denen die Grünflächen wichtig sind. Zu ihnen gehört Eva Kohls, eine Anwohnerin eines Spielplatzes in der Blumlage. Die Seniorin kümmert sich regelmäßig, um die Sauberkeit des Spielplatzes und erleichtert damit dem Grünflächenamt die Arbeit. Die Spielplatzkolonne freut sich über das Engagement. Christian Bartsch meint: „Nette Leute gibt es eben auch noch.“

Von Jonas Peisker