Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Reportage Auf dem Weg zum Musical-Star
Mehr Reportage Auf dem Weg zum Musical-Star
16:41 13.02.2019
Von Marie Nehrenberg
Jennifer, Ole und Emma (von links) gewannen bei der CZ-Verlosung jeweils einen Gutschein für den dreitägigen Workshop. Sie stellen sich unterschiedlichen Herausforderungen aus den Bereichen Tanz, Gesang und Schauspiel. Quelle: Marie Nehrenberg
Celle

„Stellt euch vor, ihr seid Neandertaler. Und dann macht ihr die passenden Geräusche dazu.“ Sabine Pflug sitzt gespannt an ihrem Keyboard und wartet. Ihr gegenüber stehen elf Schüler, die noch zu überlegen scheinen, ob die Aufgabenstellung ernst gemeint ist. Doch der erwartungsvolle Blick der Lehrerin spricht Bände. Sie meint es ernst. Und so bleibt der Gruppe keine Wahl und sie verwandelt sich geräuschvoll in eine Gruppe Höhlenmenschen.

Auf der Suche nach Talenten

Die merkwürdige Szene ist Teil vom Warm-up des dreitägigen Intensiv-Workshops der privaten Bühnenfachschule Stage School Hamburg. Sie bietet Ausbildungen in den sogenannten „Performing Arts“, also Schauspiel, Tanz und Gesang, an. Anja Launhardt und Sabine Pflug sind die Leiterinnen und müssen sich, bevor es ans Eingemachte geht, ein Bild vom Kenntnisstand der Teilnehmer machen. „Wir wollen neue Talente entdecken“, sind sie sich einig. Emma, Jennifer und Ole aus Celle träumen davon, zu eben diesen Neuentdeckungen dazuzugehören. Sie sind die Gewinner der CZ-Verlosung und können die kommenden zweieinhalb Tage kaum erwarten. „Als ich erfuhr, dass ich gewonnen hab', bin ich fast die Treppe runtergefallen, weil ich so aufgeregt war“, erinnert sich die 17-jährige Emma.

Choreografie ist kein Problem für Gewinner

Der erste Tag des Workshops dient zunächst der Bestandsaufnahme. „Als Erstes machen wir uns warm“, verkündet Launhardt. Die elf Schüler stellen sich vor die komplett verspiegelte Wand und beobachten die Tanzschritte, die die Trainerin zeigt. Erstaunlich schnell schaffen sie es, die kurze Choreografie zu verinnerlichen und nachzumachen. Doch Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum, denn Launhardt will noch einen Schritt weitergehen. „Das war einfach, jetzt kommt die Musik dazu.“ Jennifer, Emma und Ole meistern diese Herausforderung jedoch ohne große Anstrengungen. „Ich habe gerade im Tanzen schon einige Grundkenntnisse, deswegen war es für mich nicht so schwer wie erwartet“, berichtet der 18-jährige Ole.

Lampenfieber ist nichts Schlimmes

Die nächste Aufgabe hat es dann allerdings in sich: Einzelvorsingen steht auf dem Programm. Stöhnen bei den Teilnehmern, dem ein oder anderen steht die Angst ins Gesicht geschrieben. „Das hat mich unglaublich viel Überwindung gekostet“, gibt Jennifer zu. „Ich habe noch nie alleine vor jemandem gesungen, und dann gleich vor Dozenten der Stage School.“ Emma ist die Erste, die all ihren Mut zusammennimmt, ihre Noten schnappt und aufsteht. Doch als es ernst wird, versagen ihre Nerven. „Ich bin in Tränen ausgebrochen, weil ich einfach zu aufgeregt war.“ Doch ans Aufgeben denkt die Schülerin nicht eine Sekunde lang. Eine andere Teilnehmerin reicht ihr eine Packung mit bunt bedruckten Taschentüchern, die Tränen werden weggewischt. Beim zweiten Versuch meistert sie die Aufgabe erfolgreich und bekommt jede Menge Applaus von ihren Mitstreitern und den Lehrern. Für Emma ein wegweisendes Erlebnis. „Ich weiß nun ganz genau, wie mein Körper reagiert und dass ich keine Angst davor haben sollte, meine Stimme zu zeigen“, resümiert sie.

Ratschläge statt harter Kritik

Reihum stellen sich alle elf den aufmerksamen Augen und Ohren der Jury. Leiterin Anja Launhardt weiß genau, dass es nicht immer leicht ist, sich zu überwinden und vor Publikum zu performen. Sie redet behutsam auf ihre Schüler ein, stellt die positiven Fähigkeiten in den Vordergrund und bestärkt sie. „Das Wichtigste, was ich von Anja gelernt habe, ist, dass man aufhören sollte, sich selbst schlechtzureden“, erzählt Emma. Und so nimmt sich Launhardt nach jedem Solo-Auftritt Zeit und bespricht mit ihrem Schützling, was er noch verbessern kann. Es klingt allerdings aus ihrem Mund nicht wie Kritik, sondern eher wie ein gutgemeinter Ratschlag. „Die Dozenten nehmen sich wirklich Zeit für uns“, bestätigt Ole. Der 18-Jährige hat seit knapp zwei Jahren Gesangsunterricht. „Heute habe ich auf jeden Fall einiges dazugelernt, Anja konnte mir richtig gute Tipps geben, wie ich mich auf kreative Art und Weise steigern kann.“

Aufgeschlossenheit ist wichtig

Nach dem Vorsingen steht dann erstmal eine kurze Pause auf dem Plan. Zumindest für die Schüler. Die beiden Dozentinnen nutzen die Zeit, um erste Erkenntnisse auszutauschen. „Die Gruppe ist süß“, findet Sabine Pflug. Manchmal dauert es eine ganze Weile, bis die Jugendlichen auftauen und sich trauen, komplett aus sich herauszukommen. Anja Launhardt ist ebenfalls begeistert. „Die sind ja alle total lebendig und aufgeschlossen, das macht richtig Spaß.“

Üben bis zum Umfallen

Bis zum Abend heißt es dann einfach nur „Training, Training, Training“. Von Improvisationsübungen über Sprechtraining bis hin zu Schauspielmethodik ist alles dabei. Am folgenden Tag dreht sich alles um Tanz. „Darauf habe ich mich am allermeisten gefreut, weil das einfach meine Leidenschaft ist“, erklärt Jennifer, die mit ihren 16 Jahren die jüngste Teilnehmerin ist, freudestrahlend. Sie tanzt bereits, seit sie vier ist. Und auch für Ole und Emma ist dieser Teil des Workshops ein Highlight, obwohl er ihnen einiges abverlangt. Als Emma zum gefühlt hundertsten Mal versucht, die perfekte Pirouette zu drehen, ist sie der Verzweiflung nahe. „Es ist echt hart. Aber ich muss es so oft wiederholen, bis es klappt.“

Auftritt zum Abschluss

Als die Basics dann bei allen einigermaßen sitzen, ist es Zeit für die Königsdisziplin: Tanz und Gesang in Kombination mit einer Prise Schauspiel. Die Fachbezeichnung dafür ist „Musical Repertoire“. „Dabei kam ich ganz schön ins Schwitzen“, gibt Jennifer zu. „Während des Übens ist mir erst so richtig klar geworden, wie schwer es ein echter Musicaldarsteller haben muss.“ Bis zum späten Sonntagnachmittag üben die drei Celler, damit bei dem kleinen Auftritt vor Familie und Freunden auch alles glattläuft. „Das war ein krönender Abschluss“, resümieren sie. „Vor unseren Freunden und Verwandten zu zeigen, was wir in der kurzen Zeit gelernt habe, war wunderschön.“

Startschuss für Karriere

Für alle drei soll die Workshop-Zeit nur ein Startschuss sein für den weiteren Lebensweg. „Ich bin unheimlich dankbar für die Chance, die ich dank der CZ erhalten habe“, sagt Emma. „Ich muss mich noch verbessern, gerade beim Singen, aber ich hoffe, dass das alles mal ein Hauptteil meines Berufs wird.“ Auch Ole hat Blut geleckt. „Ich würde gerne noch weitere Workshops besuchen, auch mal länger als drei Tage, um herauszufinden, ob eine Ausbildung in dieser Richtung für mich in Frage kommt.“ Bereits einen Schritt weiter ist Jennifer. Die Schülerin aus Hambühren hat die Chance wahrgenommen und die Teilnahme am Workshop als Aufnahmeprüfung für die Stage School Hamburg werten lassen. „Ich bekomme in den nächsten Wochen Bescheid, ob es gereicht hat und ich einen Platz an der Schule bekomme.“

Informationen

Text Text bold Text italic

Schüler des Celler Hermann-Billung-Gymnasiums besuchen mit dem Museumsbus die Gedenkstätte Bergen-Belsen.

06.02.2019
Reportage Folgen für das Berufsbild - Institution im digitalen Wandel

Der Fortschritt hat Auswirkungen. Wissenschaftler diskutierten über die Bedeutung des Berufs in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt.

01.02.2019
Reportage Praktikum in Werkstatt - Bock auf Autos

Das KFZ-Handwerk sucht Auszubildende. Was erwartet einen bei der Arbeit in einer Autowerkstatt? CZ-Redakteur Michael Ende hat's ausprobiert.

Michael Ende 30.01.2019