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Serien Freifunk Celle: "Das Internet soll keinem gehören"
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16:51 20.01.2017
Celle Stadt

Mein Traum: Wenn ich meine Familie in Kanada besuche, setze ich mich gerne mit dem Laptop in ein Café und surfe kostenlos im Internet. Wenn ich in Celle mit dem Smartphone durch die Mauernstraße laufe, loggt es sich automatisch in Freifunk-Netzwerk ein und springt von einem Knoten zum anderen. Das sollte im ganzen Stadtgebiet so sein. Im Internet finde ich alles, was ich wissen will. Dort kann ich immer technische Informationen abrufen. Bei Youtube entscheide ich, was ich gucken möchte. Außerdem kann ich ständig mit meiner Familie skypen und von meinem Cousin die neuesten Babyfotos bekommen.

Das tue ich dafür: Die Idee von Freifunk ist schon etwa zehn Jahre alt. Bei Facebook habe ich ein Jahr lang nach Unterstützern in Celle gesucht. Den Aufruf hat Heiko Wundram gelesen. Zusammen haben wir im Oktober 2015 die Flüchtlingsunterkunft in Scheuen mit Freifunk versorgt, weil die Geflüchteten sonst von der Welt abgeschnitten gewesen wären. Unabhängig vom Geldbeutel sollte es für jeden möglich sein, Kontakt zu seiner Familie zu halten. Anfang März haben wir dann im Bunten Haus den Verein „Freifunk Celle“ gegründet.

Das Problem: Selbst auf der langen Reise nach Deutschland hatten die Flüchtlinge immer Empfang und dann kommen sie ins „gelobte Land“ und es gibt keinen, der freiwillig sein WLAN aufmacht. Uns ist es wichtig, dass der Zugang frei bleibt. Das Internet soll keinem gehören. In Deutschland gibt es nur vier große Provider. Wenn diese sich einig sind, wird es teuer für uns. Vor Freifunk gab es nichts in Celle, nur die Versprechen der Politik und einige Hotspots, wo nach 30 Minuten Schluss war. In einem neuen Gesetzesentwurf soll geregelt werden, dass Betreiber unverschlüsselter WLans nicht dafür haften müssen, wenn ein Gast illegale Inhalte herunterlädt. Schließlich verkaufen Baumärkte auch Äxte, ohne später für Unfälle haften zu müssen.

Der Weg dahin: Wenn ich auf die Karte von Freifunk gucke, sehe ich, dass im Moment 300 Leute online sind. Innerhalb eines Jahres haben wir in ganz Celle mehr als 140 Router installiert. In der Mauernstraße gibt es von der Piltzergasse bis zum Kleinen Plan flächendeckend freies WLan. Wer bei uns mitmachen will, braucht nur einen Router. Ich als Techniker bereite ihn vor, dann müssen ihn die Leute nur noch anstecken. Bei uns werden alle Daten verschlüsselt übertragen. Es gibt Router, über die sich 100 internetfähige Geräte einloggen können und die eine Reichweite von bis zu 150 Metern haben. Günstigere Router für Einsteiger reichen bis zu 15 Meter weit und können 30 Geräte versorgen.

Von Dagny Rößler