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17:50 12.02.2010
Celle Stadt

Jörg Schuster hat derzeit einen unangenehmen Job. Der CDU-Kreistagsabgeordnete aus Faßberg betreibt Lobbyarbeit, um die Schulen in seiner Gemeinde zu retten. „Man versucht die Stellen zu finden, die unseren Argumenten Gehör schenken“, beschrieb es Schuster in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Doch niemand aus der Mehrheitsgruppe im Kreistag, so scheint es, will den Argumenten Schusters und denen der Gemeinden folgen. In der Ratssitzung gab es den einstimmigen Antrag zum Erhalt des vollen Schulstandortes. „Wir brauchen die Schule in der Fläche. Nur Faßberg wird von der Reform so hart getroffen, obwohl die Landesregierung plant, dass Haupt- und Realschüler zusammen unterrichtet werden können. Warum soll uns diese Chance nicht gewährt werden?“, fragte Volker Nickel, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Er weiß sich da einig mit der SPD im Kreistag. „Man muss diese Reform abwarten. Außerdem fehlt uns ein Schulentwicklungsplan, der verschiedene Varianten aufzeigt“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Kirsten Lühmann.

Die Faßberger führen auch die Geburtenzahlen ins Feld und verweisen auf ihre Sonderposition als Standortgemeinde. Das sieht auch die Bundeswehr so: „Ihre Sorgen bezüglich negativer Auswirkungen im Falle von Entscheidungen gegen einen Schulstandort Faßberg teile ich ohne Einschränkung“, schreibt Oberst Rainer Steinohrt, Kommandeur der Technischen Schule der Luftwaffe und Standortältester. Auch die Gemeinde Unterlüß plädiert für einen Aufschub um zwei Jahre, um die Entwicklungen abzuwarten. Die Gemeinde befürchtet deutliche Standortnachteile, die auch der Kreiselternrat teilt und sich deshalb ebenfalls für den Erhalt von einer Schule pro Gemeinde ausspricht.

Der Kreis teilt diese Sichtweise jedoch nicht. „Das Argument des Standortnachteils wird von allen Kommunen ins Feld geführt“, sagte der Erste Kreisrat, Matthias Krüger. Er hält die Entscheidung über die künftige Ausrichtung trotzdem jetzt und nicht erst in zwei Jahren für geboten. „Wir brauchen einen gewissen Vorlauf. Eine Entscheidung müsste jetzt fallen, wenn sie zum kommenden Schuljahr umgesetzt werden soll.“ Dass die Reform nur den Nordkreis und nicht die anderen Bereich des Landkreises trifft, ist für Krüger in der niedrigen Zahl der Schüler begründet. „Nur in diesem Bereich gibt es die Kombiklassen“, sagte Krüger. In ihnen werden Jahrgänge zusammen unterrichtet.

Die Realschule in Faßberg soll zur Außenstelle von Hermannsburg werden, weil dann das verpflichtende Ganztagsangebot ausgeweitet werden kann. Allerdings ist das ein Angebot auf Zeit. Sollte es in Bergen ein Ganztagsangebot an der Realschule geben und die Berger Schüler dorthin gehen, würde Faßberg als Standort aufgelöst und die Schüler müssten nach Hermannsburg.

Von Tore Harmening