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Serien Raritäten in der Papiermacherstube
Mehr Serien Raritäten in der Papiermacherstube
17:02 25.06.2012
Muse(h)enswert: Papiermuseum Lachendorf Quelle: Lothar H. Bluhm
Lachendorf

Für Hugo Bergmann ist völlig klar, dass die Steuerbanderole im Wert von 37.300 Deutscher Mark das Exponat ist, das jeder sehen sollte. „Das ist das teuerste Papier aus Lachendorf“, steht für den ersten Vorsitzenden des Fördervereins Lachendorfer Papiergeschichte fest. Zwar kann Bergmann rund 2000 Ausstellungsstücke zeigen, die hier in den vergangenen vier Jahren zusammen getragen wurden, seine Entscheidung für die Papierbanderole ist aber klar: „Umgerechnet zirka 19.000 Euro ist der Wert dieser Steuerbanderole.“ Damit ist sie das teuerste Einzelsteuerzeichen, das je von der Bundesdruckerei ausgegeben wurde. „Gedruckt auf Drewsen-Spezialpapier in Lachendorf.“

Das ehemalige Häuslingshaus auf dem Ole Drallen Hoff zeigt in drei Räumen Exponate von der Erfindung des Papiers bis zu speziellen Verfahrenstechniken der Papierherstellung. „Herzog Ernst der Bekenner hat die Papiermühle in Lachendorf errichtet, um den steigenden Papierbedarf in seiner Kanzlei zu decken“, erzählt Bergmann, der selbst über 50 Jahre in dem Unternehmen gearbeitet hat. „Heute ist es die älteste noch selbstständige produzierende Papierfabrik in Deutschland.“

Die Steuerbanderole, die auch den Aufdruck „Rauchen gefährdet die Gesundheit“ zeigt, wurde 1997 für die kubanische Zigarrenmarke „Cohiba“ gedruckt. „Dabei handelte es sich um eine kubanische Jubiläumszigarre, die bei einer großen Gala im Cabarett Tropikane in Havanna angeboten wurde.“ Der Preis pro Kiste mit 50 Zigarren betrug 37.500 Mark, der Einzelpreis lag also bei 746 DM. „Die darin enthaltene Tabaksteuer je Kiste betrug 1865 D-Mark“, nennt Bergmann den Steueranteil. „Gemessen an dem Wert des Steuerzeichens hätte ein Quadratmeter dieses Papiers den Gegenwert von umgerechnet rund 9,5 Millionen Euro“, rechnet der frühere kaufmännische Angestellt akribisch vor: „Schauen Sie es sich an“, ermuntert er Besucher, sich ein Bild von der Rarität in der Lachendorfer Papiermacherstube zu machen.

Papier ist auf den ersten Blick ein alltägliches Produkt. Papier ist aber auch Träger und Bewahrer von Schriften und Abbildungen und kann Wissen weitergeben. Weil Papier heutzutage immer verfügbar ist, mache man sich auch nicht viele Gedanken darüber. „Aber die Erfindung, Entwicklung und Verbreitung waren entscheidend für den weltweiten Aufstieg. Wir können in unserem Haus der Papiergeschichte sehr viel bieten.“ Über 470 Jahre Papierherstellung in Lachendorf sind hier zu sehen: Steuerbanderolen, Briefmarken, Banknoten, Lohnsteuerkarten oder Reisepässe. Die Lachendorfer Papierfabrik liefert Spezialpapiere für unterschiedlichste Verwendungen und die Papiermacherstube gibt einen Überblick über die Vorgänger des Papiers. Gründungen, Schließungen und natürlich darüber, welchen Stellenwert Lachendorfer Feinpapiere weltweit haben. „Wir haben Videos, wir informieren über die Herstellung, über die Rohstoffe wie Zellstoffe, Hadern und Lumpen, über Schriften und über die Fabriken in Celle und Silkeborg.“

Von Lothar H. Bluhm