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Serien Traum einer Cellerin: "So leben, dass andere überleben"
Mehr Serien Traum einer Cellerin: "So leben, dass andere überleben"
15:53 13.01.2017
Sabine Seifert hat dieses Bild zum 60. Geburtstag von ihren Enkeln geschenkt bekommen. Es veranschaulicht die Liebe der Cellerin zur Natur und ihren Wunsch nach Gerechtigkeit. Denn erst wenn sich alle Kinder gleichermaßen einbringen können, kommt die Schönheit der Welt besonders zur Geltung. Quelle: Dagny Rößler
Celle Stadt

Mein Traum: Schon als Kind habe ich von mehr Gerechtigkeit auf der Welt geträumt, dass jeder Mensch auf der Welt ein möglichst glückliches Leben führen kann. Ich habe viel darüber nachgedacht, da meine Mutter früh gestorben ist. In meiner Stieffamilie fühlte ich mich oft alleingelassen und ungerecht behandelt. Doch im Glauben konnte ich Kraft schöpfen. Mit 16 Jahren habe ich den Schreibwettbewerb der Lions gewonnen, bei dem es um Frieden in der Welt ging. Ich habe mich dafür mit Mahatma Ghandi und seinem gewaltlosen Widerstand beschäftigt. Meine Tante war mächtig stolz und begleitete mich ein Wochenende lang nach Berlin – das war damals der Gewinn.

Das tue ich dafür: Ich versuche, so einfach wie möglich zu leben, damit andere überleben. Bei all meinem Handeln versuche ich an die Auswirkungen zu denken. Ich habe kein Auto, fliege so wenig wie möglich. Ich kaufe regionale Produkte am liebsten frisch vom Wochenmarkt. Meinen Tee und Kaffee kommt aus dem Weltladen. Statt Papiertaschentüchern benutze ich welche aus Stoff und verzichte auf Flüssigseife und Weichspüler. Außerdem engagiere ich mich seit Jahrzehnten im sozialen Bereich. Bei den Maltesern habe ich die Ausbildung zur Integrationslotsin gemacht und eine syrische Familie begleitet. Seit kurzem gebe ich einem jungen yezidisch-kurdischen Paar Deutschunterricht.

Das Problem: Wir leben auf einer Insel der Glückseligen und sind so überfressen, dass wir viele Dinge gar nicht mehr schätzen können. Die Werbung zeigt uns, was wir angeblich alles im Haushalt brauchen. Doch bei vielen Neuerungen mache ich einfach nicht mit. Zum Beispiel habe ich kein Smartphone, weil bei der Herstellung wertvolle seltene Erden gebraucht werden. Diese schürfen Kinder in Afrika mit bloßen Händen. Vielen sind solche Zusammenhänge beim Klima nicht bewusst, weil sie sich zu wenig in Zeitungen und Büchern informieren.

Der Weg dahin: Wir müssen die Hintergründe für Armut und Fluchtbewegungen auf der Welt verstehen und uns dieses Wissen anlesen. Wenn es irgendwo Armut auf der Welt gibt, hat das auch auf uns Auswirkungen. Das sehen wir täglich in den Nachrichten, wenn verzweifelte Afrikaner sich in Schlauchbooten auf den Weg zu uns machen. Wenn es von vornherein gerecht zu gehen würde, würde unsere Welt anders aussehen. Ich engagiere mich seit Jahrzehnten bei „Brot für die Welt“, weil die Organisation unter anderem Kleinbauern in vielen Ländern langfristig zur Eigenständigkeit verhilft. Bei einer Begegnungsreise in Swasiland konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ verwirklicht wird.

Von Dagny Rößler