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Serien Traumserie: Sport als Schlüssel zur Integration in Celle
Mehr Serien Traumserie: Sport als Schlüssel zur Integration in Celle
18:00 07.03.2017
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Mein Traum: Sport ist ein perfektes Medium für ein friedliches Zusammenleben. Auf dem Platz werden Berührungsängste abgebaut und es zählt der Teamgeist, nicht die Nationalität oder die soziale Herkunft. Meinen Gegnern, aber auch dem Schiedsrichter muss ich mit Respekt begegnen. Wenn ich anderen Fußballspielern wieder in der Stadt begegne, habe ich gleich einen Anknüpfungspunkt. Neben dem laufenden Betrieb bei Inter Celle 07 habe ich schon einige Fußballturniere organisiert, bei denen der Spaß im Vordergrund stand. Zum Beispiel: "Kicken am Schloss", dem ersten Celler Jugendfußballevent für Respekt und Toleranz. Bei "Kicken für Integration" sind acht bunt gemischte Mannschaften aus Geflüchteten und Cellern angetreten. Verständigt haben sie sich alle auf Deutsch. Wenn sich alle auf Augenhöhe begegnen, habe ich mein Ziel erreicht.

Mein Weg dahin: Nach meinem Realschulabschluss habe ich nicht gleich einen Ausbildungsplatz als Autoverkäufer bekommen – obwohl meine Leistungen recht gut waren. Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass Integration nicht so gut läuft. Also habe ich gezwungenermaßen auf der Fachoberschule weiter gemacht. Ein Praktikum war der Einstieg für mich in die soziale Arbeit. Danach habe ich weiter in der Magnushütte gejobbt. Nun leite ich zusammen mit Dennis Seidel die offene Kinder- und Jugendarbeit (OkiJ) Altencelle.

Das Problem: Nur wenige Männer arbeiten als Sozialpädagogen. Und noch seltener kommt es vor, dass sie einen Migrationshintergrund mitbringen. Oft gehen diese jungen Männer in den handwerklichen Bereich – mit dem ich selbst nicht viel anfangen konnte. Bei Inter Celle sind wir immer auf der Suche nach neuen Trainern und Betreuern, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Dazu braucht man nicht unbedingt einen Trainerschein, aber Erfahrungen sind sinnvoll. Ein guter Trainer ist einer, der Kumpel aber auch Vorbild sein kann.

Das tue ich dafür: Auch ich versuche Jugendlichen ein Vorbild zu sein. Kinder schauen sich von Erwachsenen viele Denkens- und Verhaltensweisen ab. Viele Jugendliche wissen nach der Schule nicht, wohin mit sich. Bei der OkiJ zeigen einige Jungen immer wieder Interesse an meinem Beruf und können sich vorstellen, auf die Betreuerseite zu wechseln. Über die letzten zehn Jahre ist es mir gelungen, ungefähr acht junge Männer für ein Praktikum und für den Besuch der Fachoberschule begeistern.

Von Dagny Rößler