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weitere Serien "Kinder aus der Heese fühlen sich im Laden wie zu Hause"
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17:39 02.10.2017
Anette Hübbe hilft Marlon (10) bei den Hausaufgaben. Die 62-Jährige ist seit fünfeinhalb Jahren Leiterin des Kinder- und Jugendtreffs an der Rostocker Straße.  Quelle: Michael Schäfer
Celle-Heese

Mit dem Fußball unter dem Arm steht der neunjährige Fernando in der Tür. „Kommst Du mit raus?“, fragt er Marlon. Doch der beugt sich mit Diakonin Anette Hübbe gerade noch eifrig über seine Schulhefte. „Erst die Hausaufgaben“, mahnt sie, „dann könnt ihr spielen.“ Es ist Donnerstag, 14 Uhr: Zeit für die Hausaufgabenhilfe im „Laden“, dem Kinder- und Jugendtreff der Paulusgemeinde Celle. An vier Tagen in der Woche bieten Hübbe und ihr kleines Team nicht nur Unterstützung bei Mathe, Deutsch & Co, sondern versorgen die Kindern zudem mit einem warmen Mittagessen. „Ich komme seit drei Jahren in den ‚Laden‘“, erzählt Marlon. „Es gefällt mir gut, weil wir alle nett zueinander sind und viel spielen – Fußball und das Kartenspiel ‚Schwimmen‘ mag ich am liebsten.“ Die Eltern des Viertklässlers sind beide berufstätig. „Anette hilft mir hier bei den Hausaufgaben“, sagt der Zehnjährige.

Der Kinder- und Jugendtreff der Paulusgemeinde kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Bereits 1989 wurde der „Laden“ im Rahmen des Projekts „Hilfe für Kinder und Jugendliche langzeiterwerbsloser Eltern“ im Celler Stadtteil Heese eröffnet. „Unsere Kirchengemeinde wollte etwas für diese Kinder tun“, erklärt Hübbe. „Seinen Namen verdankt er übrigens dem Umstand, dass er ursprünglich mal in einem leerstehenden Tante-Emma-Laden hier im Viertel entstanden ist, den die Beteiligten damals selbst renoviert haben.“ Die Besucherzahlen machten aus dem Projekt bald eine feste Einrichtung. 2002 bezog der „Laden“ schließlich seine heutigen Räumlichkeiten in der Rostocker Straße – Spenden hatten es ermöglicht, neben dem Gemeindezentrum der Pauluskirche ein eigenes Haus für die Kinder- und Jugendarbeit zu errichten.

„Inzwischen hat sich viel gewandelt“, sagt Hübbe. „Der Grundgedanke ist aber immer noch, Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien zu unterstützen.“ Montag bis Donnerstag ab 12 Uhr steht der „Laden“ deshalb für alle offen, die Hilfe bei den Schulaufgaben benötigen. „Die Kinder treffen nacheinander hier ein, sobald die Schule aus ist. Dann machen wir uns sofort an die Hausaufgaben, damit wir jedes Kind einzeln betreuen können.“ Um halb zwei gibt es ein ausgewogenes, warmes Mittagessen, zu dem sich alle gemeinsam hinsetzen. „Mir ist wichtig, dass wir uns dabei unterhalten, dass die Kinder erzählen können, wie ihr Tag gewesen ist“, betont Hübbe. „Viele kennen das gar nicht mehr, dass sich die ganze Familie zu einer Mahlzeit am großen Tisch versammelt.“ Für das Mittagessen wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben, die Hausaufgabenbetreuung selbst ist kostenlos – finanziert wird der „Laden“ durch den Kirchenkreis sowie die Stadt Celle.

„Ich krieg hier immer was zu essen“, freut sich Kira, die mit ihrer Zwillingsschwester Chiara erst seit dem neuen Schuljahr in den Kinder- und Jugendtreff der Paulusgemeinde kommt. Und im „Laden“ habe sie immer genug Zeit, ihre Hausaufgaben zu machen, fügt die Siebenjährige hinzu. „Sie helfen mir hier gerne, und das finde ich nett.“ „Bei Anette wird man schneller mit den Hausaufgaben fertig“, findet Fernando. „Außerdem macht es Spaß, hier zu sein.“

„Dass man gebraucht wird, ist eigentlich das Schönste“, meint Hübbe. „Die Kinder fühlen sich hier zuhause. Zu sehen, dass sie in der Schule Fortschritte machen, ist toll.“ Dass die Hausaufgabenhilfe nicht mit Nachhilfe verwechselt wird, ist dem Team ganz wichtig. „Wir unterstützen lediglich bei den Schulaufgaben. Und das hilft den meisten Kindern schon sehr, weil sie die Hausaufgaben dann sehr intensiv machen.“ Auch der soziale Umgang miteinander sei wichtig. „Sie glauben ja gar nicht, was man bei einem normalen Kartenspiel alles voneinander lernen kann“, sagt Hübbe und lacht.

Von Christina Matthies