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Spot(t) Eisenoxidzeit
Mehr Spot(t) Eisenoxidzeit
14:18 09.11.2017
Von Michael Ende
Celle Stadt

Schleifen, kratzen, polieren, spachteln, versiegeln, einfetten, hoffen. Da hat man schon zu tun, wenn man kein Rost-Fan ist. Wer den Eisenfraß hingegen mag, der hat es leichter. Denn der Handel mit rostigem Metall boomt. Ich habe das selbst kürzlich auf einem Markt beobachtet. Der dortige Rost-Händler machte gute Geschäfte, weil immer mehr Leute es schick finden, sich rostige Sachen in den Garten zu stellen. Das sieht dann ein bisschen so aus wie ein verwilderter, überwucherter Schrottplatz – und es ist halt mal was Anderes. Denn es ist ja Rost-Kunst. Künstlich herbeigeführter Rost also. Rost mit Sinn, sozusagen. Kultur-Rost. Vielleicht prägt das Vorzeige-Gammel-Metall sogar mal eine Epoche: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, Eisenoxidzeit. Und dann hat es auf dem Markt geregnet, und die ganzen rostigen Eisenteile wurden nass. Klingt banal, oder? Aber man muss mal nachdenken: Dadurch, dass der Kunst-Rost jetzt von schnödem Alltags-Rost angegriffen wird, korrodiert die ganze gewollte Rost-Schönheit. Und auf einmal ist das nicht mehr Garten-Kultur, sondern nur noch schnöder Eisen-Schrott. Oder? Kann man seine Garten-Rostlauben eigentlich gegen Korrosion behandeln oder gegen Durchrostung versichern? Wäre es doch schade drum, wenn man jahrelang seine Rost-Schätze pflegt und der ganze Schamott dann verrostet.