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Spot(t) Kunst am Bau
Mehr Spot(t) Kunst am Bau
12:26 09.08.2017
Von Michael Ende
Celle Stadt

Die Sommersonne tauchte die Szenerie in warmes Licht, und unwillkürlich dachte ich an meinen alten Freund Vincent, der den Zauber der Provence so brillant eingefangen hat. Seine Maltechnik inspirierte mich wie eh und je: der kräftige, ausdrucksvolle Pinselstrich, der pastose Farbauftrag, die virtuose Umsetzung bemerkenswerter Ideen. Ich tobte mich so richtig aus. Der Pinsel flitzte über den Malgrund, die Farbe spritzte und tropfte – egal. Ein bisschen Pollock war halt auch dabei. Mein Temperament beeindruckte diejenigen, die vorbei kamen und mir über die Schulter schauten. „Da tropft noch was, und da kann man den Untergrund noch sehen“, meinte zum Beispiel meine Frau. Ich wertete das als Anerkennung: „Das muss so.“ 0815-Malereien gibt es woanders. Bei mir nicht. Als ich nach Stunden schweißtreibenden Schaffens endlich fertig war, trat ich zurück und betrachtete mein Werk. Oh ja. Ich war zufrieden. Sehr zufrieden. Und an die Spitz-, Tropf- und Flecktechnik, die nun mal zu meiner künstlerischen Handschrift gehört, wird sich irgendwann auch meine Frau gewöhnen. „Hauptsache, die Fenster sind erst mal gestrichen“, meinte sie konziliant zu meinem Opus. Recht hat sie. Ich scheine sie sogar zum Mitmachen inspiriert zu haben: Sie will da demnächst noch mal „drübergehen“. Was immer das auch heißen soll.