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Typen Annegret Pfützner: die Celler Vorzeige-Grüne
Mehr Typen Annegret Pfützner: die Celler Vorzeige-Grüne
16:57 29.09.2017
Von Christian Link
Celle Stadt

Die Vorzeige-Grüne steht gerade sinnbildlich für die Ziele ihrer Partei. Dass sie ins Parlament einzieht, ist trotzdem unwahrscheinlich. In der Landesliste rangiert sie weit hinten.

Nachdem sie ihre Kindheit auf einem idyllischen Bauernhof zwischen Diepholz und Osnabrück verbracht hat, kann Pfützner beide Seiten verstehen: Landwirte und Tierschützer. "An der Landwirtschaft wird viel Geld verdient, in der Landwirtschaft dagegen nicht", sagt sie und wirbt für fairere Preise. Trotz 35 Hektar Anbaufläche sei der jahrhundertealte Familienbetrieb inzwischen unrentabel geworden. Ihr Bruder – ein studierter Agrartechniker – verdiene sein Geld heute als Taxifahrer. Und auf den Ackern werde jetzt nur noch Mais angebaut. Im Agrarsektor laufe einiges schief.

Insbesondere bei der Tierhaltung gebe es viele Missstände. "Wir müssen viel mehr das Tierwohl berücksichtigen. Sie dürfen nicht nur als Produktionsmittel betrachtet werden", fordert Pfützner. Die derzeit vorgeschriebenen Stallgrößen seien alles andere als artgerecht und die industrielle Milchtierhaltung führe zu einer "schrecklichen Ausbeutung".

"Auf dieser begrenzten Erde ist ein unbegrenztes Wachstum nicht möglich", sagt Pfützner und sucht nach Alternativen zum Turbokapitalismus. Die Folgen von Digitalisierung und Automatisierung sieht sie äußerst kritisch, trotzdem fordert sie einen besseren Breitband-Ausbau. "Wir brauchen diese Infrastruktur unbedingt", weiß die Mitarbeiterin des Wissenschaftsladens Hannover.

Eigentlich ist Pfützner gelernte Medizinisch-technische Assistentin (MTA) für Röntgendiagnostik. Doch nach einer beruflichen Auszeit zugunsten der Familie schulte sie zur Umweltberaterin um. "Ich habe gerne als MTA gearbeitet, aber mein Herz schlug woanders. Es ist ein Privileg, wenn man selbstbestimmt arbeiten und das machen kann, was man für wichtig erachtet", sagt die überzeugte Umweltschützerin.

Die 66-Jährige lebt in ihren Einfamilienhaus in Lachtehausen zwar in gutbürgerlichen Verhältnissen, sie weiß aber auch, dass es vielen nicht so gut geht. "Wir brauchen für junge Leute verlässliche und stabile Rahmenbedingungen", sagt die dreifache Mutter. Dass es junge Familien schwer haben, eine gesicherte Existenz aufzubauen, weiß sie noch aus eigener Erfahrung. Und die Voraussetzungen hätten sich seit damals nicht verbessert.

Bei den Sozialsystemen müsse ebenfalls nachgesteuert werden. "Da gibt es zu viel Bürokratie und wir müssen gerechtere Verhältnisse schaffen", so Pfützner. Über ein bedingungsloses Grundeinkommen müsse man zumindest nachdenken. "Was die soziale Absicherung betrifft, stehen wir vor richtig großen Herausforderungen."