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Typen Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann tankt in Hermannsburg Kraft
Mehr Typen Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann tankt in Hermannsburg Kraft
08:39 12.09.2017
Von Christopher Menge
Kirsten Lühmann hält auf ihrem Grundstück in Hermannsburg neun Hennen, zwei Hähne und sechs Küken. Quelle: Oliver Knoblich
Hermannsburg

Als Bundestagsabgeordnete hat man viele Termine, gerade zu Wahlkampf-Zeiten hetzt Kirsten Lühmann von Veranstaltung zu Veranstaltung. Umso schöner ist es dann, wenn man zu Hause richtig entspannen kann. Lühmann hat sich dafür einen Whirlpool angeschafft, der in einer Buchenlaube steht. Ihr Mann Jürgen, mit dem sie seit 1988 verheiratet ist, hat in den Holzfußboden das Becken eingelassen. Nach einem stressigen Tag steigt Lühmann in das 38 Grad Celsius warme Wasser und liest ein paar Seiten aus dem Buch "Uhl Noir: Der Uelzen Krimi“ von Carsten Schlüter. Nach einiger Zeit legt sie das Buch zur Seite, stellt den Sprudel an und schließt die Augen oder blickt auf den Wald. "Das ist total entspannend", sagt Lühmann.

Viel Zeit zum Ausruhen hat die 53-Jährige aber auch zu Hause in Hermannsburg nicht. Die drei Töchter Miriam, Sarah und Rebecca sind zwar schon erwachsen, aber an dem hundert Jahre alten Bauernhaus und dem zugehörigen Garten ist immer etwas zu tun. In diesem Jahr fällt die Ernte der Kreike, einer Pflaumenart, besonders üppig aus. "Ausgerechnet zum Wahlkampf", sagt Lühmann lachend. "Ich habe schon zehn Liter Saft eingekocht. Zudem muss man jeden Tag fegen."

Und auch im Haus ist einiges zu tun. Lühmanns mittlere Tochter Sarah ist mit ihrem Mann, den beiden Töchtern und einem Hund in eine Haushälfte gezogen. "In der Hälfte gibt es zwei Bäder und eine Küche", erzählt Lühmann, "wir haben im Moment beides nicht, aber wir bekommen das hin." Neben Sarah ist auch Tochter Miriam Hermannsburg treu geblieben. Sie wohnt mit ihrer Familie nur 500 Meter vom elterlichen Haus entfernt. "Ich kann gut verstehen, dass die beiden hier geblieben sind", sagt Lühmann "Hier ist es einfach wunderschön – ich liebe es hier."

Ihre sechs Enkeltöchter können so in einer tollen Umgebung groß werden. "Die Region ist lebens- und liebenswert", sagt Lühmann, die es bedauert, dass "viele die Dinge in ihrer Umgebung gar nicht kennen". "Das Wildgatter im Uelzener Stadtwald ist zum Beispiel kostenlos – das ist doch genial", sagt Lühmann, die 1983 als eine der ersten uniformierten Schutzpolizistinnen ihren Dienst beim Land Niedersachsen begann. Nach einem Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin stieg sie in den gehobenen Polizeidienst auf. Zuletzt arbeitete Lühmann bis 2002 als Sachbearbeiterin beim Polizeirevier Bergen.

Nach Jahren in der Kommunalpolitik sitzt die Hermannsburgerin nun seit 2009 im Bundestag. 22 Wochen pro Jahr ist seitdem eine 42 Quadratmeter große Wohnung in Berlin ihr Zuhause. Während sie in der Bundeshauptstadt mit dem Fahrrad zwischen Reichstag und den anderen Regierungsgebäuden hin und her fährt, nutzt sie den Zug, um zurück in die Heimat zu kommen. "Je nachdem, was ich vorher für Termine habe, fahre ich von Celle oder Unterlüß los", erzählt Lühmann. "Mir ist es auch schon mal passiert, dass ich auf dem Rückweg am falschen Bahnhof ausgestiegen bin."

Und das, obwohl sie sehr strukturiert arbeitet. Am Anfang der Woche bespricht sie mit ihren Mitarbeitern die Termine der nächsten sieben Tage. Jeden Morgen plant sie dann den konkreten Tag. Zuvor liest sie aber die Zeitung – von vorne bis hinten – und frühstückt gerne im eigenen Garten. Während ein kleiner Roboter den Rasen mäht, informiert sich Lühmann über das Lokal- und Weltgeschehen. Die Frühstückseier kommen von den eigenen Hühnern.

Neun Hennen, zwei Hähne und sechs Küken leben in dem Stall in Lühmanns Garten. "Den kleineren Hahn würde ich gerne abgeben, denn er wird von dem großen immer über den Hof gejagt, wenn er sich den Hennen nähert", erzählt Lühmann, während sie ihre Hand voller Körner einem Huhn entgegen streckt. "Das ist sehr zutraulich, aber sehr wählerisch", sagt Lühmann. Der Beweis lässt nicht lange auf sich warten: Das Huhn pickt sich die Sonnenblumenkerne heraus und schmeißt die anderen Körner auf den Boden.

Obwohl Lühmann sich in Hermannsburg pudelwohl fühlt, zieht es sie auch mal in die Ferne. In diesem Sommer besichtigte sie mit ihrem Mann bei einer achttägigen Mittelmeer-Tour die griechische Insel Delos und die Ruinenstadt Butrint in Albanien, die 1992 zum Weltkulturerbe ernannt wurde. "Hier haben die verschiedenen Religionen nebeneinander gelebt", sagt Lühmann. "Warum können das die Menschen nicht auch heute?"

Kampf für soziale Gerechtigkeit

Für die ehemalige Polizistin ist es daher ein Unding, was teilweise im Internet passiert. "Was beispielsweise bei Facebook für Hass-Posts geschrieben werden, kann doch nicht sein", sagt Lühmann, die mit dem Thema "Soziale Gerechtigkeit" bei den Wählern punkten will. "Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern oder den USA geht es uns gut, doch auch bei uns gibt es Menschen, die wir nicht aus der Armut bekommen", sagt Lühmann. Zudem sei das Thema Alterssicherung ein Thema, das jetzt angegangen werden müsse. "Auch junge Menschen machen sich darüber unheimlich viele Gedanken", sagt die Bundestagsabgeordnete. "Zudem machen sie sich wegen der prekären Beschäftigungsverhältnisse Sorgen." Die Energiewende sei außerdem ein sehr wichtiges Thema.

In der nächsten Legislaturperiode will sich Lühmann dafür einsetzen, dass Celle in das Bundesprogramm zum Bauhaus-Jubiläum aufgenommen wird, die Ausweitung der Gedenkstätte Bergen-Belsen in der Niedersachsen-Kaserne begleiten und den Bundeswehrstandort Wietzenbruch sichern. "Bei der Ostumgehung steht die Planung, und das Geld ist da – jetzt müssen die Richter entscheiden", sagt Lühmann.

Ganz oben auf Lühmanns Liste steht außerdem die Umsetzung der Bahntrasse "Alpha E". Und auch zur geplanten Autobahn 39 hat sie als Verkehrspolitikerin eine klare Meinung: "Naturschutz ist unheimlich wichtig, aber wir dürfen ihn nicht über den Menschenschutz stellen."

Lühmann steht auf Platz zehn der Landesliste und hat somit gute Chancen, wieder in den Bundestag gewählt zu werden. (me)