Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Typen Celler Typ: Hochdeutsch als erste Fremdsprache
Mehr Typen Celler Typ: Hochdeutsch als erste Fremdsprache
15:19 03.04.2018
Quelle: Oliver Knoblich
Altencelle

„Op hoge Dieken, op even Stroten, meugt de Oostfresen plattdüütsch proten." Wer sich in Celle für Plattdeutsch interessiert, hat diese Worte sicher schon einmal gehört. Es sind die ersten beiden Verse des Gedichts „Plattdeutsch – so bunt wie Omas Kräutergarten“ von Jürgen Heitmann. Mit diesem Gedicht beginnt er jeden seiner Vorträge. Doch auch wer sich länger mit Heitmann unterhält merkt: Plattdeutsch liegt ihm im Blut. Seien es die Plattdeutschen Ausdrücke, die ihm immer wieder rausrutschen, oder die Begeisterung, mit der er über die Sprache spricht. „Platt ist meine Muttersprache“, erklärt Heitmann. Oder besser gesagt: seine Moder ehr Sprook – um genau zu sein das Elvmarschen-Platt.

Heitmann wurde 1936 in Winsen an der Luhe geboren. Mitten in jenem recht kleinen Gebiet, in dem eben genau diese Variation des Plattdeutschen gesprochen wird. Nur zwei Jahre später zog die Familie nach Altencelle, wo der 82-Jährige noch heute wohnt. Hier wurde er 1942 auch eingeschult. „Hochdeutsch war meine erste Fremdsprache.“, erinnert er sich. „Meine Mutter hat mit meinem Bruder und mir Platt gesprochen.“ Das sei jedoch vorbei gewesen, als sein Vater aus der Gefangenschaft nach Hause kam. „Damals hieß es noch, Platt mache dumm. Das ist natürlich Unsinn.“ Vielmehr habe das zweisprachige Aufwachsen es ihm später leichter gemacht, weitere Sprachen zu erlernen. Heute spricht Jürgen Heitmann nicht nur Platt und Hochdeutsch, sondern auch Englisch und Dänisch.

Durch Zufall Autor geworden

Mittlerweile ist die Sprache sein Beruf, aber das war nicht immer so. Seine Lehre hat Jürgen Heitmann bei der Sparkasse Blumlage gemacht. Hier hat er lange Jahre gearbeitet und ein Verständnis für Finanzen und Wirtschaft entwickelt. Doch wie kommt man vom Finanzwesen zum Schreiben?

Das war, wie so vieles im Leben, reiner Zufall. „Das muss 1996 gewesen sein“, erinnert Heitmann sich. „Wir kamen bei Eisregen nach dem Dänischkurs aus der Volkshochschule und ein paar von uns sind sofort hingefallen. Da ist mir eine Bemerkung auf Platt raus gerutscht.“ Eine Komilitonin, die ihn gehört hatte, habe ihm daraufhin die Ausschreibung für den Freudenthalpreis 1996 mitgebracht. „Da habe ich dann mit Schreiben angefangen.“

Mittlerweile ist Jürgen Heitmann unter dem Namen Guschen J. Heitmann als Autor erfolgreich. Viele seiner Texte erscheinen seit 2001 in unterschiedlichen Anthologien. „Platt ist eine Niesche beim Schreiben. Warum soll ich ein eigenes Buch schreiben, nur um dann hunderte Exemplare in der Garage liegen zu haben?“ Einfacher sei es, sich mit anderen Autoren zusammen zu tun und gegenseitig Werbung zu machen. Eine Lektorin für seine Texte, hat Heitmann gleich im Haus. „Meine Frau hat Platt immer von ihrer Großmutter gehört. Deswegen kann sie jetzt meine Texte gegenlesen.“ Das sei viel einfacher, als sie immer erst an jemanden von außerhalb zu schicken.

Und im Zweifelsfall benutzt auch ein Platt-Muttersprachler wie Jürgen Heitmann mal ein Wörterbuch. „Es gibt Ausdrücke, die weiß man einfach nicht.“ Tatsächlich gäbe es auch sehr viele verschiedene Platt-Wörterbücher, da die Sprache so viele verschiedene Dialekte hat. „Ich benutze aber wie viele Autoren den kleinen Sass.“ Danach würden sich die Meisten richten.

Mit seinen Kurzgeschichten und Gedichten hat Jürgen Heitmann auch schon an verschiedenen Preisausschreiben teilgenommen. Seinen bisher größten Preis erhielt der Celler 2009. Für sein Lyrikessay „so veniensch, dat monetenküseln“ wurde ihm der Klaus-Groth-Preis der Stadt Heide verliehen. In diesem Werk hatte Heitmann sich ausgiebig mit der Finanzkrise befasst. „Viele meiner Texte sind sehr kritisch. So eben auch dieser.“ Beim Schreiben kam ihm auch seine frühere Arbeit bei der Sparkasse zu gute. „Ohne das ganze Vorwissen, hätte ich diesen Text nie so schreiben können.“ Die Grenze zwischen Guschen J. Heitmann dem Schriftsteller und Jürgen Heitmann dem Sparkassen Angestellten ist also vielleicht doch kleiner, als gedacht.

Aber trotzdem sind diese beiden Berufe nicht alles, was Heitmann ausmacht. Auch unabhängig vom Schreiben beschäftigt er sich leidenschaftlich mit der Plattdeutschen Sprache und versucht diese zu fördern. Seit 2000 wirkt der Autor in verschiedenen Vereinen mit, darunter die Bevensen Dachfahrt, der Schrieverkring Weser-Ems, die Quickborn Gesellschaft und die Klaus-Groth Gesellschaft. Seit 2008 besucht er außerdem regelmäßig den Autorentreff Plattdüütsch in Mölln. Auch beim 2016 ins Leben gerufenen „Platt no Fi’erobend“ in Celle ist er jeden Monat dabei. Mit der Plattdeutschgilde arbeitete er bis 2012 ebenfalls regelmäßig zusammen.

Sein vielleicht größtes Engagement begann jedoch am 11. Mai 2005. „Ich übertrage Ihnen hiermit die Aufgabe, als Beauftragter für die plattdeutsche Sprache im Gebiet der Stadt Celle zu wirken“, hieß es in dem Brief, den er damals vom Oberbürgermeister erhielt. Seitdem bemühte Heitmann sich, auf die Sprache aufmerksam zu machen. Dabei entstanden Veranstaltungen wie „Jazz & Platt“ bei Kunst & Bühne, sowie zahlreiche Lesungen und Vorträge in der Celler Synagoge, im Beckmann-Saal und im Boomann-Museum. Bis 2014 bekleidete er das Amt des Plattdeutschbeauftragten, bevor er am 26. Februar schließlich in der Ruhestand ging, um sich wieder verstärkt dem Schreiben zu widmen.

Das alles lässt vermuten, dass Plattdeutsch einen großen Teil seines Lebens ausmacht. Aber natürlich sitzt auch Jürgen Heitmann nicht den ganzen Tag zu Hause und schreibt. „Ich betreue regelmäßig eine Walking Gruppe, mit der ich gemeinsam spazieren gehe“, erzählt er. Insgesamt sei er seit über 60 Jahren beim MTV Eintracht Celle engagiert und habe bereits verschiedene Sportarten ausprobiert. „Aber“, so Heitmann, „da gibt es natürlich noch ganz viele Leute, die sich viel mehr engagieren und mehr leisten.“ Er sei ja in erster Linie kein Sportler.

Egal ob beim Schreiben oder beim Walken, ein Ende ist für den ehemaligen Plattdeutschbeauftragten bisher nicht in Sicht. „Manchmal vergesse ich, dass ich schon 82 bin“, gibt er lachend zu. Seine Liebe zur Plattdeutschen Sprache ist natürlich bis heute ungebrochen. Und daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern. Große Illusionen davon, insbesondere das Interesse jüngerer Leute zu wecken, macht sich Jürgen Heitmann allerdings nicht. „Es gibt in verschiedenen Gegenden Bemühungen Plattdeutsch zu fördern“, weiß er. Besonders in Ostfriesland und Schleswig-Holstein gebe es mehrere Grundschule und Kindergärten, die Platt anböten. Dass das auf die Dauer viel bringen wird, glaubt er trotz all seiner Liebe zum Platt jedoch nicht. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Platt aussterben wird.“ Harte Worte von jemandem, der sich selbst so stark für diese Sprache einsetzt.

Von Lea Kraft

Beide brennen. Ilse Schleisieck brennt für das Winser Kulturcafé „nebenan“. Und Hartmut Schleisieck brennt für diese im weiten Umkreis wohl einzigartige kirchliche Einrichtung, in der Kirche, Kunst und Kultur verbunden und neue Formen der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit praktiziert werden. Beide Schleisiecks sind seit über einem Jahr getreu dem Arbeitstitel „Treffpunkt – Café – Musik – Ausstellungen“ ehrenamtlich engagiert.

27.02.2018

Bronze, Silber oder Gold: Manfred Rubisch hat sie alle. „Schauen Sie mal,“ sagt er und öffnet behutsam die kleine Schatulle, die seine Auszeichnung für 50-jähriges ehrenamtliches Engagement im Malteser Hilfsdienst beherbergt. Er deutet auf die fein gearbeitete Anstecknadel, die neben der goldenen Verdienstmedaille auf dem weißen Polster liegt. „Die ist gerade ganz neu aufgelegt worden – ich glaube, ich bin der Erste in der Bundesrepublik, der sie in dieser Ausführung erhält.“

30.01.2018

Dem einen wurde die Heimat genommen, der anderen der Bruder. 74 Jahre ist Werner Köster tot. Nun traf seine Schwester auf seinen ehemaligen Schulfreund. Kurt W. Roberg ist mittlerweile 93 Jahre alt, die Cellerin Hanna Masche (geborene Köster) auch schon 88. Das Treffen fand an historischer Stätte statt: in der kleinen Wohnung in der Siedlung St.-Georgsgarten des Bauhaus-Architekten Otto Haesler, in der Hanna und Werner schon als Kinder aufwuchsen. Kurt W. Roberg, seit kurzem Ehrenmitglied der Jüdischen Gemeinde Celle, musste als Jude Weihnachten 1938 aus Celle fliehen. Da war er gerade einmal 14 Jahre alt.

Andreas Babel 12.12.2017