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Typen Celler Typ hatte kleinen Bauernhof im Kleingarten
Mehr Typen Celler Typ hatte kleinen Bauernhof im Kleingarten
18:06 22.05.2018
Petar Glamocanin am Tor zu seiner Gartenlaube in der Kiebitzsee-Kolonie. Seine Parzelle wurde von Vereinsmitgliedern liebevoll „Peters Ranch“ getauft. 2012 war für ihn ein erfolgreiches Jahr: Im jährlichen Gartenwettbewerb für die schönste Gemüsegurke erreichte er Platz eins (kleines Foto links), außerdem erhielt Glamocanin gemeinsam mit seiner Frau Dusanka den Preis für den schönsten Kleingarten. Quelle: Oliver Knoblich
Heese

Tritt man durch das Tor der Kleingartenkolonie Kiebitzsee, dann betritt man eine andere Welt. Friedlich, geradezu idyllisch ist es hier, nur einen Steinwurf von Celles vielbefahrenem Wilhelm-Heinichen-Ring entfernt. Dichtbelaubte Bäume und Sträucher überall, hier und da unterbricht ein violett blühender Rhododendron das helle Grün. „Schauen Sie mal“, sagt Petar Glamocanin, und deutet auf ein paar der Parzellen, die dem Waldrand am Ende der Kleingartenanlage direkt gegenüberliegen. „Die Grundstücke hab ich alle mit angelegt.“ Mit Maschinen und Bagger sei er angerückt, um beim Aufbau der Gärten zu helfen. „Damals war das noch alles Wald hier.“

Seit 1987 ist Glamocanin Mitglied im Kleingärtnerverein Kiebitzsee – jetzt wurde der Celler für seinen jahrelangen Einsatz mit der goldenen Ehrennadel des Landesverbandes Niedersächsische Gartenfreunde ausgezeichnet. „Es war wirklich die einzige Jahreshauptversammlung, die ich in all der Zeit versäumt habe“, verrät der gebürtige Bosnier und lacht. „Und ausgerechnet dann werde ich geehrt.“ Im Mittelpunkt zu stehen, ist sowieso nicht seine Sache. Lieber packt der 69-Jährige mit an. „Die Nadel ist mir eigentlich gar nicht so wichtig“, erklärt er. „Wichtiger ist mir die Gemeinschaft – und dass ich mich beschäftigen kann.“

1970 ist Glamocanin nach Deutschland gekommen: Eine Adelheidsdorfer Firma sucht in seiner Heimatstadt Sanski Most nach Arbeitskräften – der damals 20-Jährige nutzt die Chance, holt ein Jahr später Ehefrau Dusanka nach. Er sei in seinem Berufsleben oft auf Montage gewesen, erzählt er. „Aber die Wochenenden gehörten der Kolonie.“ Es sei eigentlich schnell klar gewesen, dass sich das Ehepaar auch in Celle nach einem Garten umschauen werde. „Was sollte ich denn in der Wohnung hocken?“, fragt Glamocanin, der seine ersten Jahre in der Residenzstadt im Stadtteil Neuenhäusen verbracht hat.

Zunächst tritt der gebürtige Bosnier allerdings einem anderen Kleingärtnerverein bei, bevor es Ende der 80er an den Celler Kiebitzsee geht. Die Nähe zum Wald habe ihn gelockt, erzählt er. „Früher haben wir am Wochenende oft in der Laube übernachtet – das Schönste war, morgens aufzuwachen, und dem Vogelzwitschern zuzuhören.“ Der eigene Garten hat aber auch praktische Gründe: Vom ersten Salatkopf im Frühling bis zum letzten Kürbis im Herbst pflanzen die Glamocanins alles an. Gemüse aus dem Supermarkt schmecke oft nicht so gut, sagen beide. „Deswegen haben wir uns lange Jahre selbst versorgt, die Ernte eingemacht oder aus dem Obst Marmelade gekocht.“

Der 69-Jährige zieht ein Foto aus dem Stapel, den Ehefrau Dusanka vorsorglich auf dem selbst gezimmerten Holzhocker neben ihm bereitgelegt hat. Stolz zeigt er auf die riesige Salatgurke, die da inmitten eines Dschungels aus Grün zu sehen ist. „Der Kleingartenverein veranstaltet jedes Jahr einen Wettbewerb um die schönste Frucht oder das schönste Gemüse“, berichtet er. „2012 habe ich gewonnen – mit dieser 60 Zentimeter langen Gurke hier.“

Mit den Jahren beginnt Glamocanin, sich auf seiner großzügigen Parzelle in der Kleingartenkolonie Kiebitzsee ein richtiges Kleinod zu erschaffen. Gemüse, Obst und ein Blumenmeer in vielen Farben – nach und nach kommen auch einige Tiere hinzu. „Drei Katzen, zwei Ziegen, ein Hund und ein Pony“, sagt der gebürtige Bosnier und lacht. Darüber hinaus noch ein paar Hühner – bald lässt sein Grundstück Gedanken an einen Bauernhof aufkommen. „Peters Ranch“ wird Glamocanins Garten schließlich von Vereinsmitgliedern liebevoll getauft. Dass sich sein Vorname eigentlich „Petar“ schreibt – egal. Wen kümmert schon Rechtschreibung, bei so einem Paradies?

„Das mit den Tieren war wirklich interessant. Es sind sogar Kindergartengruppen und Schulklassen zu Besuch gekommen“, erklärt der 69-Jährige und erinnert sich mit einem breiten Schmunzeln an den Tag, an dem ihn seine beiden Ziegen zum Einkaufen „begleitet“ haben. „Die waren wirklich richtig anhänglich und sind mir wie Hunde durch die ganze Kleingartenanlage nachgelaufen.“ Als Glamocanin eines Tages Besorgungen erledigen will, halten es die Tiere offenbar nicht lange ohne ihn aus – sie machen sich auf die Suche, und landen schließlich direkt im Supermarkt um die Ecke. „Das gab natürlich einen Riesen-Aufruhr mit Polizei und allem Drum und Dran“, erzählt er. „Zum Glück hat jemand gesagt: 'Die Tiere kenne ich doch'. Dann haben sie mich angerufen, ich bin hin und hab die Ziegen abgeholt.“

Heute sind alle vierbeinigen Ranchbewohner verstorben, und die Glamocanins bewirtschaften seit knapp fünf Jahren auch keinen weitläufigen Garten mehr. Man könne eben einfach nicht mehr so, sagen beide, auch wenn man eigentlich gerne wolle. Tierlieb ist der passionierte Kleingärtner aber immer noch. Seine Mischlingshündin hat der Celler vor einem Straßenschicksal in Osteuropa bewahrt – sie folgt ihm an diesem Vormittag auf Schritt und Tritt.

Die Sommermonate verbringt das Ehepaar zudem immer öfter in der alten Heimat: „Durch den Bosnien-Krieg sind wir über 20 Jahre lang nicht dagewesen – erst 2009, durch einen Trauerfall in der Verwandtschaft, haben wir unseren Heimatort wiedergesehen.“ Das Haus, das der Familie im Dorf Tramosnja gehört hatte, war im Krieg zerstört worden. Mittlerweile hat man es neu aufgebaut, und Glamocanin ist wieder regelmäßig dort. Aus Celle wegzugehen, kommt für den Ruheständler allerdings nicht infrage – zu sehr hat sich der 69-Jährige in Deutschland eingewöhnt.

2012 übrigens hat Glamocanins Parzelle den ersten Platz beim Wettbewerb um den schönsten Schrebergarten des Kleingärtnervereins Kiebitzsee abgeräumt – bereits zum zweiten Mal nach dem Gewinn des Gartenwettbewerbs im Jahr 2002. Inzwischen hat sich Glamocanin auf „Peters Ranch“ eine Holzwerkstatt eingerichtet. „Die Holzhocker, auf denen wir gerade sitzen, habe ich selbst gebaut“, verrät er. Die Werkstatt sei für die langen Wintermonate gedacht. „Wenn ich Ruhe haben will, komm ich hierher“, erklärt er. „Außerdem muss ich mich beschäftigen – ich kann nicht einfach den ganzen Tag herumsitzen.“

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