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Typen Celler Typen: Retter mit Herz fürs Radio
Mehr Typen Celler Typen: Retter mit Herz fürs Radio
17:16 17.07.2018
Quelle: David Borghoff
Celle Stadt

Der gebürtige Celler ist dem DRK schon seit seiner Jugend treu, hat als 14-Jähriger beim örtlichen Jugendrotkreuz als Ehrenamtlicher angefangen. „Mit 16 bin ich dann ins Rote Kreuz eingetreten. Ich war auf die ‚richtige‘ Uniform scharf“, verrät er und lacht. Er deutet auf die Uniformjacke aus den 80er Jahren, die immer noch am Garderobenständer in seinem Büro an der 77er Straße hängt. „Von da an war der Weg eigentlich ganz klar – ich hab‘ nie etwas anderes als diesen Beruf gewollt.“

Auch seine Bundeswehrzeit hat Ammoneit als Sanitäter absolviert, 1983 beginnt er als Rettungssanitäter beim DRK-Kreisverband Celle. Er sei „Überzeugungstäter“, sagt der 56-Jährige von sich, sehe den humanistischen Grundgedanken als oberste Maxime an. „Wer bei einem gemeinnützigen Verein wie dem Roten Kreuz arbeitet, der tut das in der Regel nicht, um auf der Karriereleiter nach oben zu klettern oder viel Geld zu verdienen – der macht das, weil er der Meinung ist, dass es für die Menschen richtig, dass es eine sinnvolle Arbeit ist.“

Dass die Einsätze als Rettungssanitäter alles andere als leicht sind, gibt Ammoneit unumwunden zu. „Ich weiß noch genau, dass ich 1998, im Jahr des ICE-Unglücks bei Eschede, zu Besuch bei einer Schulklasse war. Als die Schüler mich gefragt haben, was ich für mein schlimmstes Erlebnis halten würde, habe ich ihnen von dem Kind erzählt, das bei einem Verkehrsunfall verunglückte und dessen Mutter ich ins Gesicht sagen musste, dass ihr Sohn gestorben ist“, erinnert er sich. „Die Kinder waren total erstaunt, dass ich kein Wort über Eschede verloren habe – dabei hatten sie eigentlich Recht, das Zugunglück war mein schlimmstes Erlebnis, nur hatte ich das einfach verdrängt.“

Er sei emotional, sagt Ammoneit ganz offen, „zum Beruf gehört es nun mal, zu weinen, und dass man mit anderen über das Erlebte spricht.“ Und noch während der 56-Jährige von dem Heiligabend berichtet, an dem er vor der eigenen Haustür in Winsen zu einem Unfall gerufen wurde, bei dem ein Freund seines Sohnes tödlich verunglückte, wischt er sich verstohlen eine Träne vom Gesicht. „Zu weinen, alles rauszulassen – das ist meine Art, keinen Schaden zu nehmen. Wer mich nicht so gut kennt, könnte denken, ich bin arrogant oder vielleicht auch hart – aber das bin ich nicht.“

Als Ausgleich zum anstrengenden Beruf hat es Ammoneit zudem als langjähriger Moderator des Krankenhausradios Celle zu einiger Bekanntheit gebracht. „Ich habe schon als Jugendlicher mit Freunden und Geschwistern die Nachbarschaft verkabelt und Piratenradio gemacht“, gesteht er und lacht. Heute noch wünsche sich seine Familie eine selbst gestaltete CD von ihm zu Weihnachten. Im Krankenhausradio-Verein ist Ammoneit sozusagen ein Mitglied der ersten Stunde. „An der Pinnwand des AKH hing damals ein Flyer, darauf stand ‚Mitstreiter gesucht‘ – ich bin hingegangen und jetzt schon fast 30 Jahre dabeigeblieben.“ Heute besteht das RC1-Team aus zirka 30 aktiven und fördernden Mitgliedern. Momentan kann man Radio Celle 1 nur in den Räumlichkeiten des Allgemeinen Krankenhauses empfangen. "Wir senden täglich 90 Minuten, die 24 Stunden lang in einer Schleife wiederholt werden", erklärt Ammoneit. Seit Jahren verfolgt das RC1-Team einen Traum. "Mit einer Lizenz für den Bürgerfunk könnte man uns überall empfangen und wir könnten ein Vollprogramm auf die Beine stellen. Dann würde unsere Redaktion von 6 bis 18 Uhr senden." Doch leider gebe es zu wenig Lizenzen und ein festes Budget für 15 Bürgerradios in Niedersachsen.

Das Tolle am Radio sei, dass ein Gespräch in der Frühstückssendung viel direkter und verbindlicher herüberkomme als ein Zeitungsartikel, erzählt Ammoneit. Er ist ein Typ, der klare Worte bevorzugt. „Ich sage, was ich denke“, erklärt der 56-Jährige, der 14 Jahre als Betriebsratsvorsitzender beim Celler DRK fungiert und sich in der Zeit einen Ruf als hitzköpfiger Verfechter sozialer Gerechtigkeit erworben hat. „Aber mein Team weiß auch, dass ihnen nichts passiert, wenn man mir gegenüber kritisch ist.“ Er schmunzelt. „Im Gegenteil – ich schätze gerade die Kollegen, die an bestimmten Stellen auch mal hinterfragen, was ich da gerade mache.“ Er habe keinerlei Berührungsängste, was Kritik an seiner Person betreffe, betont Ammoneit noch. „Aber ich habe auch keine Scheu, Kritik an meinen Kollegen zu üben, wenn ich denke, das ist angebracht.“

Seit 2001 leitet das DRK-Urgestein den Rettungsdienst des Roten Kreuzes im gesamten Landkreis Celle. Die Entscheidung, den Posten zu übernehmen, hat Ammoneit sich nicht leicht gemacht. „Als damaliger Betriebsratsvorsitzender musste ich ja quasi die Seiten wechseln, da habe ich schon lange drüber nachgedacht.“ Dass der Rettungsdienst nun auch ein wenig seine Handschrift trage, mache ihn schon ein bisschen stolz.

Auch privat lässt Ammoneit seine Ausbildung zum Rettungsassistenten und Notfallsanitäter nicht immer los. „Wenn ich Erste-Hilfe-Kurse für Erwachsene gebe, dann staune ich manchmal darüber, dass Leute erzählen, sie hätten diese Kenntnisse vorher noch nie gebraucht“, wundert er sich kopfschüttelnd. „Mir passiert das andauernd, dass mir die Leute quasi vor die Füße fallen. Ob da an einer Moschee in Istanbul ein Gläubiger umfällt oder sich in Schweden ein Kind verbrüht – im Urlaub und in meiner Freizeit hab ich schon oft die Möglichkeit gehabt, jemandem zu helfen.“

Sollte Ammoneit irgendwann einmal nicht mehr Leiter des DRK-Rettungsdienstes sein, gibt es dafür übrigens einen Plan B. „Dann gehe ich einfach wieder zurück aufs Fahrzeug“, erklärt er mit einem Augenzwinkern. „Ich bin eben Notfallsanitäter durch und durch – ich zieh mir ja auch jetzt immer noch die Dienstklamotten an und schiebe Nachtschichten.“

Von Christina Matthies

Seit 1987 ist Petar Glamocanin Mitglied im Kleingärtnerverein Kiebitzsee – jetzt wurde der Celler für seinen jahrelangen Einsatz mit der goldenen Ehrennadel des Landesverbandes Niedersächsische Gartenfreunde ausgezeichnet.

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