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Typen Djenabou Diallo-Hartmann will in den Landtag
Mehr Typen Djenabou Diallo-Hartmann will in den Landtag
18:21 29.09.2017
Von Dagny Siebke
„Ich genieße den Garten, wenn ich zu Hause in Garbsen bin“, sagt Djenabou Diallo-Hartmann. Viel Zeit hat sie nicht, da sie für die Arbeitsgemeinschaft Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen und im Landesvorstand der Grünen arbeitet. Quelle: Dagny Siebke
Celle

2005 kam Diallo-Hartmann nach Deutschland, um hier zu studieren. Zur Vorbereitung lernte die heute 32-Jährige am Studienkolleg in Halle an der Saale Deutsch. Im Plattenbauviertel konnte sie günstig in einer WG wohnen. Doch wohl hat sie sich dort nie gefühlt. „Wir haben uns nur in Gruppen in die Bibliothek getraut“, sagt Diallo-Hartmann. Zu oft musste sie sich blöde Sprüche anhören. Bei den Behörden hat man es Migranten nicht leicht gemacht, selbst wenn sie alle Voraussetzungen erfüllt haben. „Das war kein Zustand auf Dauer“, entschied sie und wechselte in die Nachbarstadt Leipzig.

Dort kam Diallo-Hartmann besser zurecht, doch willkommen fühlte sie sich erst in Hannover, wo sie anfing, Politikwissenschaft zu studieren. „Eigentlich haben mich meine Eltern nach Deutschland geschickt, um Medizin zu studieren“, verrät sie. Doch sie fand es viel interessanter, sich mit Internationalen Beziehungen zu beschäftigen.

„Hier in Deutschland habe ich festgestellt, dass ich die Chance habe, mitzugestalten und Einfluss zu nehmen“, betont Diallo-Hartmann. Also wurde sie 2012 Mitglied bei den Grünen. Keine andere Partei setze sich so sehr für die offene Gesellschaft und den Schutz von Minderheiten ein, sagt sie. Bei der Arbeitsgemeinschaft Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen (amfn) ist die Garbsenerin Referentin der Geschäftsführung. „Ich habe mich komplett integriert. Nun möchte ich für viele andere ein Vorbild sein und ihnen behilflich sein, in Deutschland Fuß zu fassen.“ Im Grundgesetz heißt es, dass Familien besonderen Schutz verdienen. „Da steht nichts davon, dass damit nur deutsche Familien gemeint sind“, betont die Mutter eines Sohnes. Ihrer Meinung nach beginnt die Integration der Geflüchteten erst, „wenn sie mit ihrer Familie zusammen sind“.

Man könne sicherlich nicht alle Menschen aufnehmen, so Diallo-Hartmann. Aber die Politik müsse sich dafür einsetzen, dass sie weiter in ihrem Heimatland leben können. Denn mit Geflügelresten aus Deutschland ruiniere man Märkte in Afrika. Mit subventionierten Billigprodukten der Massentierhaltung könnten dortige Bauern nicht mithalten. „Wenn sie keine Existenzgrundlage haben, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sie sich auf den Weg zu uns machen“, betont Diallo-Hartmann. Auch der Klimawandel sei in vielen Ländern spürbar. In Malawi zum Beispiel habe es in sechs oder acht Wochen so viel geregnet wie in einem halben Jahr. „Da haben die Bauern nichts von ihrer Ernte retten können.“