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Typen Ein erfülltes Leben
Mehr Typen Ein erfülltes Leben
10:35 30.12.2016
Wilhelm Thies raucht leidenschaftlich gern Pfeife. In seinem Haus mit Jagdtrophäen an den Wänden kann ihm das niemand verbieten. Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

Er wurde in Celle geboren, genau gesagt am 27. Mai 1937, und er war ein Sieben-Monats-Kind. Getauft wurde er auf den Namen Wilhelm Thies. Der etwas altväterliche Vorname „Wilhelm“ wurde jedoch abgewandelt zu „Helmi“. Gewohnt hat Thies auf dem elterlichen Rittergut Habighorst. Zur Schule ist er in Westercelle gegangen und hat die Mittlere Reife erworben. Daran schloss sich eine landwirtschaftliche Lehre in Wathlingen an. Die begann er mit 15 Jahren und ging bis 1956 zur Lehre. Danach folgten zwei Jahre Praxis.

Sein jüngerer Bruder Henning erbte das Haus und Grundstück in Habighorst. Das war seinerzeit etwas eigenartig. Henning wurde als Grundbesitzer eingetragen – zunächst erst einmal. Als „Helmi“ dann 17 Jahre alt wurde, stellte er den Antrag, nun auch richtig Inhaber zu werden. Da gab es für ihn eine Überraschung. Das gehe nicht, schrieb man ihm, er sei schon ein Vierteljahr zu alt, und deshalb könne der Besitz nicht übertragen werden. Helmi ging nicht dagegen vor, sondern „im Rahmen meiner eisernen Lebensphilosophie wollte ich nichts dagegen unternehmen“, sagte der älteste Bruder. Er war und ist weiterhin ein Pazifist und äußerte sich während des damaligen Krieges: „Die sollen nicht auf die Engländer schießen, sondern wenn schon überhaupt, dann lieber auf die Störche“.

Eigentlich war für ihn Landwirtschaft vorgesehen, aber das wollte er nicht. Stattdessen ging Thies nach Hannover-Stöcken zu dem Unternehmen Continental. Dort landete er in dem Bereich Forschung. Nach zwei Jahren wurde er dort dann sogar bei der Forschung fest angestellt. Bis Anfang der 1960er Jahre begann er bei der technischen Planung, aber nach sechs Jahren hatte er dort eine „Berufskrankheit“, wie er heute feststellt. Ende der 1960er Jahre ging er deshalb von Continental weg.

Da musste er eigentlich nicht lange warten, bis es für ihn weiterging, denn bald kam ein Anruf von der Stadtverwaltung Celle. Er wurde Angestellter im Celleschen Sozialamt. „Das hat mir Spaß gemacht“, erinnert er sich heute. Es kamen viele Leute als Besucher aus dem Osten. „Das war ganz toll“, erinnert sich Wilhelm Thies. Er habe den Menschen helfen können, meint er in der Rückschau. Auch habe er dabei ganz gut verdient. Allerdings dauerte das nicht allzu lange, denn das war seine einzige Tätigkeit. Schließlich sollte er in das Rechtsamt wechseln, doch das gefiel ihm nicht, und so kündigte er bei der Stadt.

Anschließend ging er nach Wolfsburg in die dortige heilpädagogische Bildungsstätte und machte dort eine Ausbildung zum Heilpädagogen. In der praktischen Arbeit hatte er viel mit Kindern und Schulpflichtigen zu tun. Das dauerte für ihn rund sechs Jahre. Dann war er arbeitslos, bald er hatte eine interessante andere Tätigkeit: Er begann als Schriftsteller. Zeit hatte er genug, denn er war allein, das heißt, er war nicht verheiratet. „Da gab es viele Freundinnen“, meint er heute, gibt jedoch keine genauen Daten bekannt und nennt vor allen Dingen keine Namen. Sein Erzählton lässt allerdings deutlich merken, dass es eine gute Zeit in netter, wenn auch vielfach abwechselnder Gesellschaft war.

Seit langer Zeit hatte er zudem eine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht losgelassen hat: Er ist ein interessierter Jäger. Mit 14 Jahren hatte er bereits seinen ersten Bock geschossen. Da ist er, wie er sich äußert, „reingewachsen“. Im Alter von 16 Jahren hat er seinen Jugend-Jagdschein erworben, der den Grundstein dafür legte, dass er bis heute sehr naturverbunden lebt.

Wilhelm Thies begann, Artikel zu verfassen. Sie behandelten vorzugsweise das Jagen und wurden viel veröffentlicht in Jagd-Zeitungen wie vorzugsweise „Wild und Hund“ im Paul-Parey-Verlag. „Das ist mir so richtig aus der Feder geflossen ohne große Anstrengung“, stellt er heute fest. Da gab es für ihn viele interessierte Leute, die er kennengelernt hat.

1994 zog Thies nach Eschede, etwas außerhalb in ein einziges, allein stehendes Haus „Am Großen Moor 1“. Das ist etwas Besonderes, denn es ist recht urgemütlich eingerichtet. Allerdings gibt es dort kein Fernsehen. „Brauche ich nicht“, sagt Wilhelm Thies. Immerhin hat er zwei Radios, mit denen er vorzugsweise klassische Musik hört. Zudem besitzt er einen sehr modernen Computer mit aktueller Technik.

Thies hat die letzten 13 Jahre seiner Berufstätigkeit beim Landkreis Celle verbracht. Er betreute jugendliche ABM-Kräfte, eine lebendige Tätigkeit, wie er rückblickend feststellt. Sechs Jahre war er dann im Kreisarchiv eingesetzt. „Das war sehr interessant“, urteilt er heute über diese Zeit. Er verweist darauf, dass er vor rund zehn Jahren auch das Wappen der damaligen Gemeinde Habighorst entworfen hat. „Sehr schön“, urteilt er noch heute über sein Werk. Oben sei das Abbild eines Habichtflügels, darunter dann noch Wacholder und ein Mühlenstein zu sehen. Er stellte den Entwurf dem Gemeinderat vor, der ihn ebenfalls sehr positiv beurteilte. Bis 2002 arbeitete Thies im Kreisarchiv, seither ist er „Rentier“, wie er feststellt. Seither hat er seine 250 DIN A4 Seiten umfassenden Manuskripte über Jagd akribisch geordnet.

Wilhelm Thies ist nicht krank, wie er nun zufrieden feststellt. Ein Auto nennt er nicht sein eigen, er fährt Fahrrad und mit der Eisenbahn. Anderes braucht er nicht, denn damit kommt er hin, wo er sein möchte. Das sind die Heide und auch die Stadt Celle, er kann sich mit der Jagd und Reiterei abgeben. „Es ist schön hier“, sagt er voller Überzeugung. Dabei stellt er fest: „Ich freue mich, dass ich zufrieden bin“. Das geht durchaus, denn er lebt zwar allein, hat aber viele Bekannte und Freunde.

Lebenslauf

27. Mai 1937 Wilhelm „Helmi“ Thies wird geboren

1952 Mittlere Reife

1953 Jugend-Jagdschein

1968 Angestellter im Celler Sozialamt

1994 Umzug nach Eschede

2002 Rentner

Von Udo Genth